Am 20. Mai 2026 war es endlich so weit: In der Wiener Josefstadt wurde ein ganz besonderer „Stein der Erinnerung“ enthüllt. Diese Gedenkveranstaltung war nicht nur ein symbolisches Ereignis, sondern auch ein wichtiger Moment, um an die „Erste Österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft“ und ihren Gründer, Siegfried Braun, zu erinnern. Mit feierlichen Worten und bewegenden Reden wurde die Bedeutung dieses Steins für die Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen betont. Was für ein kraftvoller Tag!
Die Veranstaltung fand am Therese-Schlesinger-Hof statt, einem Ort, der in der Vergangenheit eine Werkstätte der Krüppelarbeitsgemeinschaft beherbergte. Der Name des Hofes ehrt die Frauenrechtlerin Therese Schlesinger. Irmtraut Karlsson vom Verein „Steine der Erinnerung Josefstadt“ eröffnete die Rede und erklärte die Initiative, die an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung erinnert und deren Geschichten sichtbar macht.
Eine bewegende Ansprache
Astrid Rompolt, die für die erkrankte Stefanie Vasold sprach, dankte der Initiative und brachte die Bedeutung des Steins für die Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen auf den Punkt. Sie appellierte eindringlich an die Anwesenden, die Geschichten hinter den Erinnerungssteinen lebendig zu halten. Wow, das war wirklich bewegend! Martin Ladstätter vom Österreichischen Behindertenrat würdigte Siegfried Brauns Lebenswerk, der 1926 die „Erste Österreichische Krüppelarbeitsgemeinschaft“ gründete. Braun setzte sich für die Rechte, den Respekt und die Selbstbestimmung behinderter Menschen ein – sein Motto „Rechte, nicht Almosen!“ bleibt auch heute noch relevant.
Leider wurde mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten Brauns Arbeit brutal zerstört. Er wurde verfolgt und letztendlich in einem Konzentrationslager ermordet. Es ist erschreckend, wie schnell sich die Zeiten ändern können und wie viel Leid Menschen erfahren müssen. Der Erinnerungsstein soll jedoch nicht nur an diese dunkle Vergangenheit erinnern, sondern auch einen Auftrag für die Gegenwart darstellen. Es ist wichtig, Ausgrenzung zu bekämpfen, Barrieren abzubauen und für Gleichberechtigung und den Schutz benachteiligter Menschen einzutreten.
Ein Blick in die Geschichte
Die Gründung der „Ersten Österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft“ war eine Vorreiterrolle in der Selbstvertretung und Behindertenpolitik in Wien. Der Kontext, in dem solche Initiativen entstanden, ist entscheidend. Vor 1968 waren behinderte Menschen oft von Aussonderung und Fremdbestimmung betroffen. Sie lebten häufig in Institutionen oder bei ihren Familien, ohne jegliche Selbstbestimmung. Diese „totale Institutionen“ hatten katastrophale Bedingungen. Der Aufbruch in den späten 1960er Jahren, wie die Gründung des „Club 68“ in Deutschland, war ein Wendepunkt, der auch in Österreich Wirkung zeigte.
Die 1970er Jahre brachten ein Umdenken in der Sonderpädagogik mit sich. Plötzlich begannen Menschen, die Behinderung nicht mehr als individuelles Problem zu betrachten, sondern als gesellschaftliches. Es war eine Zeit, in der neue soziale Bewegungen forderten, dass auch behinderte Menschen ein Recht auf Teilhabe und Anerkennung haben sollten. Das war kein einfacher Weg, aber er hat sich gelohnt. Heute sind wir dank solcher Initiativen wie der „Krüppelarbeitsgemeinschaft“ und der unermüdlichen Arbeit von Menschen wie Siegfried Braun ein bisschen weiter gekommen.
Es bleibt zu hoffen, dass wir auch künftig für die Rechte und die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen eintreten. Der „Stein der Erinnerung“ ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Geschichten, die er erzählt, sind wichtig, um die Vergangenheit nicht zu vergessen und die Gegenwart aktiv zu gestalten. Und vielleicht – nur vielleicht – wird er auch dazu beitragen, dass wir in der Zukunft noch mehr Barrieren abbauen können.