Ernährung in der Onkologie: Ein Schlüssel zur Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatienten
In der Welt der Onkologie ist das Thema Ernährung ein oft unterschätzter, aber entscheidender Faktor. Mangelernährung, ein häufiges Problem bei Krebspatienten, wird oft nicht ausreichend beachtet. Hannes Kaufmann, der Abteilungsvorstand der 3. Med. Abteilung der Klinik Favoriten in Wien, hebt die gravierenden Auswirkungen hervor, die eine unzureichende Ernährung auf die Therapie und die Lebensqualität der Patienten haben kann. Sie kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass Therapien nicht mehr verabreicht werden können, was die Morbidität und Mortalität erhöht. Daher ist es unerlässlich, dass medizinische Ernährungstherapien als integraler Bestandteil der Krebsbehandlung angesehen werden, um Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu sichern. Das ist ein Thema, das definitiv mehr Aufmerksamkeit benötigt.
Die internationale medizinische Gemeinschaft empfiehlt, dass Ernährungsrisiken bereits ab der Diagnosestellung systematisch erfasst werden. Bei auffälligem Screening sollte eine strukturierte Abklärung stattfinden. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Berufsgruppen, einschließlich Ärzten, Diätologen und Pflegepersonal. Auch die Aufklärung der Patienten über die Bedeutung einer angemessenen Ernährung sollte in der ersten ärztlichen Konsultation thematisiert werden. Schließlich gibt es viele Mythen über Ernährung bei Krebserkrankungen, die entlarvt werden müssen, um den Informationsbedarf der Patienten zu decken.
Die Rolle der S3-Leitlinie
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die S3-Leitlinie zur Ernährung in der Onkologie, die von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) koordiniert wird. Diese Leitlinie legt besonderen Wert auf Diagnostik, Therapie und die Klassifizierung von Krebserkrankungen. Die Empfehlungen zur klinischen Ernährung während Chemotherapie und Strahlentherapie sind besonders relevant, da sie helfen sollen, die Lebensqualität und die Behandlungsergebnisse durch angepasste Ernährung zu verbessern. Screening des Ernährungsstatus von Krebspatienten ist hier ein zentrales Thema. Es geht darum, den Gesundheitszustand der Patienten zu überwachen und rechtzeitig auf Mangelernährung zu reagieren, denn diese kann im Extremfall sogar zum Tod führen.
Die Bedeutung einer gut abgestimmten Ernährung wird auch in der aktualisierten S3-Leitlinie deutlich, die kürzlich veröffentlicht wurde. Sie spricht sich klar gegen restriktive Diäten und Fastenprogramme aus, da diese ein hohes Risiko für Mangelernährung bergen. Strikte Diätvorschriften, wie die ketogene oder vegane Ernährung, werden kritisch betrachtet. Für vegetarische oder vegane Ernährungsweisen fehlt aktuell die Evidenz, um eine Empfehlung auszusprechen. Eine weitere wichtige Neuerung der Leitlinie ist das Kapitel zur Ernährung bei operativen Tumortherapien, das zwölf neue Empfehlungen enthält. Diese beinhalten unter anderem, dass der Ernährungszustand vor und nach größeren onkochirurgischen Eingriffen mehrfach erhoben werden sollte.
Die Herausforderungen der Palliativversorgung
In der Palliativversorgung ist es von großer Bedeutung, die Lebensqualität der Patienten durch differenzierte Ernährungstherapien zu verbessern. Hierbei wird empfohlen, die enterale oder parenterale Ernährung regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Empathische Kommunikation zwischen Fachpersonal, Patienten und Angehörigen spielt eine zentrale Rolle – schließlich geht es nicht nur um die Ernährung, sondern auch um das Wohlbefinden der Betroffenen. Qualifizierte Ernährungsfachkräfte sollten bei Ernährungsstörungen in der Palliativversorgung hinzugezogen werden, um die bestmögliche Versorgung sicherzustellen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung besser gestaltet werden muss, um den Herausforderungen der Mangelernährung bei Krebspatienten entgegenzuwirken. Ein Weißbuch zur medizinischen Ernährungstherapie wurde erstellt, um konkrete Handlungsempfehlungen für die onkologische Versorgung in Österreich zu bündeln. Dies könnte einen entscheidenden Fortschritt für die Lebensqualität von Patienten mit Krebserkrankungen darstellen. Die Bedeutung der Ernährung ist also nicht zu unterschätzen.
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