In Wien-Margareten wird ein Stück Geschichte lebendig, denn das unterirdische Jugendstil-Theater am Mittersteig wird nach fast 30 Jahren wieder für kulturelle Zwecke genutzt. Dieses bemerkenswerte Bauwerk wurde bereits 1911 unter einem Wohnblock fertiggestellt und hat seitdem eine wechselvolle Geschichte erlebt. Nach nur drei Jahren als Theater wurde es in ein Kino mit 600 Plätzen umgestaltet, musste jedoch bald darauf mit einem Konkurrenztheater für 1200 Besucher in der Favoritenstraße kämpfen. Über 115 Jahre wechselten die Besitzer des Theaters, und in den 20er-Jahren wurde das Kino sogar an die Republik verpfändet.
Die Nutzung des Theaters hat sich im Laufe der Jahre stark gewandelt. Ab 1930 wurden hier neue Tonfilme gezeigt, nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Bordell. 1969 ging das „Wiedner Grandkino“ zum zweiten Mal pleite, und das Gebäude wurde zum „Athletic Center“ umgebaut. Sportler wie Boxstar Hans Orsolics und Austropopper Rainhard Fendrich haben hier trainiert. Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von wechselnden Nutzungen: 1993 war das Theater kurzzeitig für Theateraufführungen geöffnet, bevor es 1998 als Lagerraum durch die Möbelfirma „Mala Strana“ genutzt wurde. Eine geplante Demolierung und die Umwandlung in eine Tiefgarage scheiterten, und seit 2012 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
Das neue Kapitel: Kunst-Galerie am Mittersteig
Aktuell deuten Arbeiten am Mittersteig 15 darauf hin, dass hier eine Kunst-Galerie eröffnet werden könnte. Diese Entwicklung ist nicht nur ein Zeichen für den kulturellen Aufschwung in der Gegend, sondern auch für die Bemühungen um den Erhalt dieses denkmalgeschützten Gebäudes. Es wurde bekannt, dass das „Athletik-Center“ im März 2025 von BUWOG an die ZKS RABELLI GmbH verkauft wurde. Diese Gesellschaft hat sich der Entwicklung und Verwertung von Immobilien sowie der Durchführung von Veranstaltungen im Bereich Kunst und Kultur verschrieben. Hinter der GmbH steht der Multimillionär Mohammed Reza Akhavan Aghdam, der an 89 Firmen beteiligt ist.
In den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder Gerüchte über mögliche Entwicklungsvorhaben, darunter Pläne für ein John-Harris-Fitnesscenter, die jedoch an der Corona-Pandemie gescheitert sind. Die neue Galerie könnte mit dem Konzept von Aktionismus-Werken aufwarten, was für die Kunstszene in Wien von Interesse sein könnte.
Denkmalschutz und seine Bedeutung
Die Unterschutzstellung des Theaters hat eine besondere Bedeutung. Der Denkmalschutz in Österreich basiert auf dem Bundesgesetz vom 25. September 1923 und regelt die Beschränkungen in der Verfügung über Gegenstände von geschichtlicher, künstlerischer oder kultureller Bedeutung. Das Bundesdenkmalamt ist für die Erhaltung, Sicherheit und Pflege der Denkmale zuständig. Der Denkmalbegriff umfasst nicht nur unbewegliche, sondern auch bewegliche Gegenstände von öffentlichem Interesse, was das Theater am Mittersteig zu einem wertvollen Teil des kulturellen Erbes macht.
Die Unterschutzstellung erfolgt durch gesetzliche Vermutung, Verordnung oder Bescheid und schützt das Gebäude vor Zerstörung oder Veränderung, es sei denn, es liegt Gefahr im Verzug vor. Die Entwicklung des Theaters zu einer Kunst-Galerie könnte somit nicht nur einen wichtigen kulturellen Beitrag leisten, sondern auch den Erhalt dieses historischen Bauwerks sichern.
Für nähere Informationen über die Geschichte und den aktuellen Stand des Theaters am Mittersteig sei auf die umfassende Berichterstattung im Kurier verwiesen.