Politische Debatte um Suchtzentrum Jedmayer in Wien-Mariahilf
Vor dem Suchtzentrum Jedmayer, das sich am Gumpendorfer Gürtel in Wien-Mariahilf befindet, geht es derzeit ziemlich lebhaft zu. Viele Menschen, die auf der Suche nach Hilfe sind, und auch Passanten sorgen für einen regen Betrieb. Doch während das Zentrum als Anlaufstelle für Suchtkranke dient, sorgt die politische Debatte über seinen Standort für Zündstoff. Die FPÖ ist hier ganz vorne mit dabei und kritisiert vehement, dass das Jedmayer mitten in einem Wohngebiet platziert ist – nur einen Steinwurf von Schulen, Parks und gut frequentierten Verkehrsverbindungen entfernt. Leo Lugner, der Bezirksparteiobmann der FPÖ-Mariahilf, fordert eine Verlagerung des Zentrums an den Stadtrand, beispielsweise in ein Gewerbegebiet. Warum? Nun, er glaubt, dass eine größere Einrichtung mit mehr Platz und Freiflächen den Menschen dort bessere soziale Kontakte und Aufenthaltsmöglichkeiten bieten könnte.
Lugner und seine Parteikollegen haben allerdings noch keinen konkreten neuen Standort im Visier, sehen aber durchaus Möglichkeiten in Wien. Seiner Meinung nach lösen andere Maßnahmen, wie eine Nachtsperre und eine Schutzzone rund um den Fritz-Imhoff-Park, die Probleme nicht, sondern schieben sie nur weiter. Manfred Dvorak, FPÖ-Klubobmann aus dem 15. Bezirk, hat von zahlreichen Beschwerden seitens der Anwohner gehört. Ein wenig brisant: Bei einer Bürgerversammlung im Juni konnten die Anwohner ihre Sorgen äußern, während Medien ausgeschlossen waren. Bezirksvorsteherin Julia Lessacher von der SPÖ bezeichnete die Versammlung jedoch als „sachlich und konstruktiv“. Ein Thema, das auch die Politik beschäftigt: Eine geplante Videoüberwachung bei der U6-Station Gumpendorfer Straße scheiterte an einer zu geringen Stimmenanzahl der Bezirksräte. Die ÖVP brachte die Resolution ein, und FPÖ sowie SPÖ stimmten zu, aber es fehlten einfach die Stimmen für eine Mehrheit. Lugner hat angekündigt, im Herbst erneut über die Videoüberwachung abzustimmen.
Suchthilfezentren im Vergleich
<pIn einem ganz anderen Kontext, aber ebenfalls mit dem Thema Sucht beschäftigt, wird in Frankfurt ein neues Suchthilfezentrum in der Niddastraße 76 eingerichtet. Hier übernehmen die Malteser die medizinischen Angebote sowie die Substitution, was durch ein Beratungsgremium entschieden wurde, das aus Vertretern des Sozial- und Sicherheitsdezernats, der Landespolizei und Suchthilfe-Experten besteht. Fünf Träger haben sich um die verschiedenen Aufgaben beworben, und die Stadtverordneten sollen im Januar 2026 über die Trägerwahl entscheiden. Interessanterweise wird das Gebäude von der städtischen KEG für 6,1 Millionen Euro erworben. Die Mieteinnahmen der Träger und des Drogenreferats sollen den Kaufpreis refinanzieren.
Die Eröffnung des Suchthilfezentrums in Frankfurt wird auf das erste Halbjahr 2027 verschoben, und die Stadt rechnet mit zusätzlichen Kosten von 1,4 Millionen Euro für Planung und 4,3 Millionen Euro für Umbauten. Dabei ist es wichtig, ein Sicherheitskonzept zu entwickeln, um ein sicheres und sauberes Umfeld zu gewährleisten. Der medizinische Bereich wird baulich abgetrennt, um Ruhe zu schaffen, und es wird sogar einen separaten Bereich für Frauen geben. Substituierten soll der Zugang zu Konsumräumen nicht verwehrt werden. Hier wird deutlich, dass in der Suchthilfe nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch die soziale Integration und Sicherheit eine große Rolle spielen.
Die Rolle der Integrativen Drogenhilfe
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Organisationen wie die Integrative Drogenhilfe e. V. in Frankfurt seit Jahrzehnten für die Verbesserung der Gesundheits- und Lebenssituation von Menschen mit Suchterkrankungen und deren Familien kämpfen. Gegründet im Jahr 1986, verbindet die Organisation wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen aus der Suchthilfe und hat immer wieder alternative Arbeitsansätze und Modellprojekte entwickelt, die über die Landesgrenzen hinaus einen positiven Einfluss auf das Suchthilfesystem haben. Ein echter Pionier war die Eröffnung des ersten Konsumraums in Deutschland im Jahr 1994, die ein Zeichen für innovatives Denken in der Drogenpolitik setzte.
Die Vereinsangebote sind umfassend und reichen von Suchthilfe über Eingliederungshilfe bis hin zu Jugend- und Familienhilfe. Außerdem wird auch die gesellschaftliche Integration und Beschäftigungsförderung großgeschrieben. In diesem Spannungsfeld zwischen politischer Debatte und praktischer Hilfe wird deutlich, dass es oft nicht nur um die Standorte und die Infrastruktur geht, sondern auch um das Verständnis und den Umgang mit Suchtproblemen in der Gesellschaft. Eine Herausforderung, die nicht nur in Wien, sondern auch in Frankfurt und darüber hinaus relevant ist.
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