In der Nacht von Donnerstag, genauer gesagt gegen 1.15 Uhr, hat ein 13-jähriger Junge in Wien-Ottakring für Aufsehen gesorgt. Er brach in eine Tiefgarage in der Ernst-Melchior-Gasse ein und fuhr mit einem gestohlenen Auto davon. Ein aufmerksamer Mann bemerkte beim Einfahren in die Garage ein verdächtiges Fahrzeug, aus dem mehrere sehr junge Personen ausstiegen und in verschiedene Richtungen davonrannten. Diese Szene war ganz offensichtlich nicht alltäglich und alarmierte die Polizei, die wenig später den Jungen anhalten konnte.
Der Teenager, der die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, gab an, die Autoschlüssel von einem Freund erhalten zu haben. Dieser Freund war bereits zwei Tage zuvor mit dem gleichen Fahrzeug unterwegs. Offenbar hatte der 13-Jährige auch keine Berührungsängste mit der Technik des Fahrzeugs, aber die Lenkradsperre wurde dabei beschädigt. Beim Herausfahren aus der Garage touchierte er zudem eine Wand, was dem Auto weitere Schäden zufügte. Der Junge wurde schließlich angezeigt, während die Polizei weiterhin nach seinen Komplizen sucht.
Jugendkriminalität im Fokus
Der Vorfall wirft ein Licht auf die steigende Jugendkriminalität in Österreich. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der von Minderjährigen begangenen Straftaten deutlich erhöht. Im Jahr 2014 gab es 6.311 Anzeigen gegen 10- bis 14-Jährige, während diese Zahl bis 2023 auf 9.730 stieg. Diese alarmierenden Entwicklungen haben dazu geführt, dass am 7. März 2024 eine interministerielle Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Jugendkriminalität eingerichtet wurde. Unter der Leitung von Dieter Csefan, dem Bundeskoordinator der Einsatzgruppen Jugendkriminalität (EJK), wird nun verstärkt auf die Problematik der minderjährigen Intensivtäter eingegangen.
In Wien beispielsweise werden jährlich rund 500 Schüler wegen gewalttätigen Verhaltens suspendiert, und die Tendenz zeigt nach oben. Viele dieser Jugendlichen haben oft keinen geregelten Tagesablauf und kehren nach ihren Suspendierungen nicht mehr in die Schule zurück. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung, die nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes betrifft. Ein Projekt zur engmaschigen Betreuung von jungen Tätern in Wien wurde ins Leben gerufen, um diesen Trends entgegenzuwirken.
Die Situation wird zusätzlich durch die Aktivitäten von Jugendbanden verschärft, die in Parkanlagen um die Vorherrschaft kämpfen. Ethnisch motivierte Konflikte zwischen Gruppen, wie Syrern, Afghanen und Tschetschenen, tragen zur Gewaltspirale bei. Besorgniserregend ist auch, dass soziale Medien und Chatgruppen diese Konflikte anheizen. Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren werden oft für kriminelle Aktivitäten wie Autoeinbrüche oder Drogen-Transport eingesetzt. Die Polizei sieht sich in diesem Kontext als Feind der Jugendbanden, was die Situation weiter verkompliziert.
Zusätzlich wurden Maßnahmen zur Vorbeugung gefährlicher Angriffe durch Minderjährige in Form eines Entwurfs zur Novellierung des Sicherheitspolizeigesetzes (SPG) ergriffen. In Wien gilt seit dem 30. März 2024 eine Waffenverbotszone am Reumannplatz, und die Polizeipräsenz wurde durch die Einsatzgruppe Jugendkriminalität verstärkt. Von März bis November 2024 wurden bundesweit 6.843 Personen angezeigt, darunter 1.756 Minderjährige.
Es bleibt abzuwarten, wie die Situation sich entwickeln wird und welche Maßnahmen tatsächlich greifen werden. Die Herausforderungen sind zahlreich, und es braucht ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Polizei und Gesellschaft, um den negativen Trends entgegenzuwirken. Die Geschehnisse rund um den 13-jährigen Jungen sind nur ein Beispiel für ein größeres Problem, das uns alle betrifft.