In Wien-Penzing hat der „Verein gegen Tierfabriken“ (VGT) diese Woche den Baustart für ein innovatives Tunnelleitsystem gefeiert. Ein Anlass, der nicht nur die Herzen von Naturschützern höherschlagen lässt, sondern auch ein wichtiger Schritt für den Schutz der heimischen Amphibienpopulationen darstellt. Der VGT engagiert sich seit über zehn Jahren für bessere Lebensbedingungen für Amphibien in der Region, insbesondere an der Grenze zu Penzing. Jährlich werden hier tausende Tiere überfahren, und vor allem auf Höhe Schottenhof wird dieser tragische Umstand zur Realität.

Mit über 100 freiwilligen Helfern hat die Initiative in den letzten sieben Jahren die Strecke zwischen Hanslteich und Marswiese betreut. Das Engagement hat sich gelohnt: Tausende streng geschützte Frösche, Kröten und Molche wurden vor dem Überfahren gerettet. Der Bau des Tunnelleitsystems, das Amphibien, Kleinsäuger und Reptilien schützen soll, ist ein weiterer bedeutender Schritt in dieser ehrenvollen Mission. Projektleiterin Heidi Lacroix hat den Fortschritt der Bauarbeiten vor Ort begutachtet und dankte der Stadt Wien sowie den Bezirksvorstehungen für die Unterstützung. Sie betonte die gesetzliche Verpflichtung zum Erhalt geschützter Arten und die immense Bedeutung des Artenschutzes für das gesamte Ökosystem.

Wichtige Maßnahmen für den Amphibienschutz

Doch was bedeutet das konkret für die Amphibien? Straßenbaumaßnahmen, die Lebensräume oder Wanderwege dieser Tiere beeinträchtigen, müssen von den verantwortlichen Straßenbauern wiedergutgemacht werden. Hier kommen Tunnels und Zäune ins Spiel, die nicht nur für die Sicherheit der Amphibien sorgen, sondern auch für die der Menschen. Das Bundesfernstraßengesetz verpflichtet die Baulastträger zur Verkehrssicherheit und zum Umweltschutz. Das bedeutet, dass die Planung und der Bau solcher Schutzanlagen nicht nur eine gute Tat sind, sondern auch rechtlich vorgeschrieben.

Die Straßenverkehrsordnung erlaubt sogar Sperrungen oder Einschränkungen von Straßen, wenn es um Arten- und Biotopschutz geht. Dabei ist der Baulastträger für die Pflege und Unterhaltung der Amphibienschutzanlagen zuständig. In der Regel übernimmt die Straßenmeisterei die Wartung und Kontrolle der Anlagen. Voruntersuchungen sind ebenfalls wichtig, besonders wenn es um Trassenvarianten und Ersatzmaßnahmen geht. Hierbei wird ein Arteninventar erstellt, das die Größe der Vorkommen und die Lage der Wanderwege berücksichtigt.

Der Einfluss von Straßenbau auf die Natur

Die Wandergewohnheiten der Amphibien können stark schwanken. Jungtiere haben oft unterschiedliche Wanderschwerpunkte, und Veränderungen in der Landschaft können die Wanderbereiche der Tiere verschieben. Umso wichtiger ist es, dass die Leiteinrichtungen und Tunnel in die Richtung ihrer Wanderziele ausgerichtet sind. Der Abstand zwischen Tunneln sollte dabei zwischen 30 und 50 Metern liegen, damit die Tiere sich orientieren können. Es ist faszinierend zu wissen, dass Amphibien sich durch magnetische, optische, akustische Wahrnehmungen sowie durch Gerüche und Feuchtigkeitsunterschiede orientieren.

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Die Tunnel selbst sollten einen großen Durchmesser haben und das Innen- und Außenklima angleichen, damit die Tiere sich wohlfühlen. Zuleitungen sind notwendig, um die Tunnelöffnungen besser zu nutzen. Schließlich muss auch das Umfeld der Schutzanlagen naturnah gestaltet sein, um das Mikroklima zu bewahren und die Tiere vor Feinden zu schützen. Ein einfaches Design der Amphibienschutzanlagen ist dabei oft effektiver als komplexe Systeme. Die Anforderungen an die Zäune sind klar: Sie sollten stand- und schlagfest sowie witterungsbeständig sein. Zudem müssen Lücken zwischen den Bauelementen vermieden werden, um die Sicherheit der Tiere zu gewährleisten.

In der Straßenplanung fließen die Belange des Natur- und Umweltschutzes in alle Ebenen ein. Das wird auch im Genehmigungsverfahren für Straßenbauvorhaben deutlich. Hier werden verschiedene Planwerke behandelt, wie etwa die Umweltverträglichkeitsprüfung, die die Umweltauswirkungen darstellt, oder der artenschutzrechtliche Fachbeitrag, der sich mit dem europäischen Artenschutz auseinandersetzt. Die Priorität liegt immer darauf, Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu vermeiden oder zu minimieren.

Insgesamt zeigt sich, dass der Schutz von Amphibien ein wichtiges Thema ist, das weit über die Grenzen von Penzing hinausgeht. Projekte wie das Tunnelleitsystem in Wien sind nicht nur ein Gewinn für die Tiere, sondern auch für unsere Umwelt und das nachhaltige Miteinander von Mensch und Natur. Wer weiß, vielleicht wird dieser Ansatz bald auch in anderen Regionen Österreichs aufgegriffen. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Dinge entwickeln und welche weiteren Fortschritte im Amphibienschutz erzielt werden können.

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