Kritik und Zweifel an Wiens geplanter „Auszeit-WG“ für straffällige Kinder
In Wien-Penzing gibt es gerade viel Gesprächsstoff über die geplante „Auszeit-WG“, die ursprünglich im Mai dieses Jahres starten sollte. Man kann sagen, die Vorbereitungen sind wirklich in den „allerletzten Zügen“. Dreimal wurde der Start bereits verschoben, und jetzt hofft man, endlich einen Termin zu finden. Diese Einrichtung soll strafunmündige Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren unterbringen, die mehrmals straffällig geworden sind. Die Stadtregierung sieht darin einen wichtigen Schritt im Umgang mit Jugendkriminalität, doch die Wogen gehen hoch.
Die Kosten für diese Einrichtung sind in der Zwischenzeit von ursprünglich 800.000 Euro auf 995.000 Euro pro Jahr gestiegen. Ein Punkt, der nicht gerade für Begeisterung sorgt. Während die Stadt erklärt, dass die Unterbringung nur als „Ultima Ratio“ dienen soll, fragen sich Fachleute, ob vor solchen Maßnahmen nicht ausreichend pädagogische Mittel ausgeschöpft wurden. Volksanwalt Bernhard Achitz hat bereits gefordert, mehr Betreuungsplätze, eine bessere psychiatrische Versorgung und zusätzliche Angebote für Kinder mit Unterstützungsbedarf zu schaffen.
Kritik an der „Auszeit-WG“
Michael Kerschenbauer von Care Leaver Österreich hat die Bezeichnung „Ultima Ratio“ scharf kritisiert. Er weist darauf hin, dass es an Alternativen mangelt und erhebliche fachliche sowie kinderrechtliche Bedenken gegen die Maßnahme bestehen. Kritiker verlangen einen transparenten Prozess und eine breitere öffentliche Diskussion über die Einrichtung. Es gibt auch Zweifel an den rechtlichen Voraussetzungen für eine Unterbringung nach dem Heimaufenthaltsgesetz.
Besonders brisant ist die Aussage der Leitung der Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA11), dass oft eine „Sozialstörung“ vorliege. Fachleute empfinden diese Beschreibung als unklar. Kinder- und Jugendpsychiater Patrick Frottier hebt hervor, dass dissoziales Verhalten viele Ursachen hat und nicht einfach etikettiert werden sollte. Er ist darüber hinaus der Meinung, dass es nicht in den Aufgabenbereich einer Kommission aus Sozialpädagogen gehört, über psychische Erkrankungen zu entscheiden.
Forschung und Prävention
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass kurzfristige, geschlossene Unterbringungen kaum nachhaltige Effekte haben. Stattdessen plädiert Frottier für präventive Ansätze, um problematisches Verhalten bei Kindern zu vermeiden. Auf der anderen Seite arbeitet das Bundesjugendministerium an Handlungsstrategien zur Prävention von Kinder- und Jugendkriminalität. Es regt Fachdiskussionen an und setzt thematische Schwerpunkte.
Eine interessante Statistik: Die Mehrheit der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen tritt nur einmal in Erscheinung. Etwa 5-10% der Tatverdächtigen begehen mehrere schwerwiegende Straftaten. Intensivtäter sind meist männlich und von komplexen Problemlagen betroffen, wie soziale Benachteiligung, Gewalterfahrungen oder Schulprobleme. In den letzten 20 Jahren hat sich die Kriminalitäts- und Gewaltprävention qualitativ und quantitativ verbessert. Verschiedene Konzepte zur Vermeidung von Kinder- und Jugendkriminalität wurden etabliert, und die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendhilfe, Schulen, Polizei und Justiz wurde gestärkt.
Die Umsetzung präventiver Maßnahmen liegt jedoch bei den Ländern und Kommunen, was bedeutet, dass jede Region ihren eigenen Ansatz verfolgen kann. Das Bundesjugendministerium hat zwar Anregungskompetenz, kann aber nur auf ungelöste Probleme aufmerksam machen. Es bleibt also spannend, wie die „Auszeit-WG“ letztendlich ins Bild passt und ob sie wirklich die erhoffte Lösung für die Herausforderungen der Jugendkriminalität in Wien darstellen kann.
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