Am Freitag, dem 8. Mai, wird in Simmering ein bedeutender Moment in der Geschichte des Bezirks gefeiert. Der erste Stein des Gedenkens wird feierlich angebracht, um an die Schrecken des Nationalsozialismus zu erinnern. An diesem Tag, um 16 Uhr, versammeln sich die Menschen in der Ehamgasse 8, wo die Gedenktafel an die Familie Feuchtbaum und zwei weitere Opfer erinnert. Eine wichtige Initiative, die ihren Ursprung in einem Resolutionsantrag von Rainer Haiden hat, der im März 2022 als Bezirksrat für die Bierpartei maßgeblich daran beteiligt war.
Die Gedenktafel ist nicht nur ein Stück Metall, sondern ein starkes Symbol. Sie ist dem Ehepaar Ryfka und Anschel Feuchtbaum sowie deren Tochter Toska gewidmet. Tragische Schicksale, die sich hinter diesen Namen verbergen: Ryfka und Toska wurden im Mai 1942 nach Polen deportiert und ermordet, während Anschel Feuchtbaum, 1938 verschleppt, in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald leiden musste. Er wurde 1939 freigelassen und floh nach Frankreich, wo er 1965 verstarb. Die Feuchtbaums lebten in der Simmeringer Hauptstraße 68, einem Ort, der auch Anschel Feuchtbaums Atelier beherbergte.
Erinnerung an die Opfer
Doch die Gedenktafel hat noch mehr zu erzählen. Neben der Familie Feuchtbaum wird auch an Johann Ketterer erinnert, der 1944 hingerichtet wurde, und an Franz Prikryl, der 1945 im Massaker im Gefangenenhaus Stein bei Krems starb. Diese Erinnerungszeichen sind wichtig, um die Geschichten der Opfer des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Simmering ist der letzte Gemeindebezirk in Wien, der eine solche Gedenktafel erhält, was den Anlass umso bedeutender macht.
Der musikalische Rahmen wird von dem Chor „Trotz Alledem“ gestaltet, was dem Ganzen eine feierliche Note verleiht. Die Übergabe des Steins des Gedenkens ist öffentlich, eine Anmeldung ist nicht nötig. Jeder, der daran teilnehmen möchte, ist herzlich eingeladen, um gemeinsam zu gedenken und zu erinnern.
Digitale Erinnerungslandschaft
Im Kontext dieser Gedenktafel steht auch das Projekt DERLA (Digitale Erinnerungslandkarte Österreichs). Ziel ist die Dokumentation und Vermittlung von Erinnerungsorten und -zeichen an die Opfer des Nationalsozialismus in Österreich. Diese Erinnerungszeichen sind sichtbare Verweise auf die schrecklichen Ereignisse und Erfahrungen, die während dieser dunklen Zeit stattfanden. Sie bieten Einblicke in das kollektive Gedächtnis der österreichischen Gesellschaft und tragen zur Entstehungsgeschichte der Erinnerungslandschaft bei. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet ausführliche Informationen auf der Webseite DERLA.
Es ist bewegend zu sehen, wie in Simmering ein weiteres Kapitel der Erinnerungskultur geschrieben wird. Die Gedenktafel wird nicht nur als Mahnmal bestehen, sondern auch als Ort des Gedenkens und der Reflexion für die kommenden Generationen. In einer Zeit, in der geschichtliche Ereignisse oft in den Hintergrund geraten, ist es umso wichtiger, dass wir nicht vergessen und uns an die erinnern, die unter dem Nationalsozialismus gelitten haben.