Heute ist der 19.04.2026, und in Wien-Simmering wird ein innovatives Konzept zur Betreuung von Jugendlichen mit einem hohen Gefährdungspotential gestartet. An einem Standort am Rande von Simmering, der sich über 140 Quadratmeter erstreckt und zwei Stockwerke sowie einen weitläufigen Garten umfasst, wird im Mai die erste „Auszeit-WG“ bezogen. Hier sollen zwei Burschen, die beide unter 14 Jahre alt sind, einziehen. Diese Maßnahme ist eine Antwort auf die häufigen Konflikte, die die beiden Kinder mit dem Gesetz haben, und zielt darauf ab, ihnen eine sichere Umgebung zu bieten.
Die Ausstattung dieser Einrichtung umfasst bruchsicheres Glas und Sicherheitstüren, um den besonderen Anforderungen gerecht zu werden. Rund um die Uhr werden 2-3 sozialpädagogische Betreuer die Kinder beaufsichtigen. Geplant ist, dass jeweils zwei Kinder mit hohem Gefährdungspotential in der Wohngemeinschaft untergebracht werden. Die Kapazität reicht von 8 bis 16 Kindern, die für einen Zeitraum von 6 bis maximal 12 Wochen betreut werden.
Hintergrund und Herausforderungen
Die politische Diskussion um die Senkung der Strafmündigkeit von 14 auf 12 Jahre oder die Einrichtung geschlossener Anstalten wird durch den Anstieg der Tatverdächtigen unter 14 Jahren seit der Coronapandemie angeheizt. Die Zahl der Tatverdächtigen im Alter von 10 bis 14 Jahren hat sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Im Jahr 2025 wurden 13.179 Tatverdächtige erfasst, wobei die Statistik einen alarmierenden Anstieg von 32% bei unter 10-Jährigen auf 1.119 zeigt. Häufige Delikte dieser Altersgruppe sind Einbruchsdiebstähle, Körperverletzungen und Diebstähle, darunter auch Überfälle auf Apotheken und Marktstände.
Besonders herausfordernd ist die Situation für die Kinder mit Migrationshintergrund, die einen hohen Anteil von 51,3% unter den Tatverdächtigen ausmachen. Aspekte wie Ausgrenzung, Sprachschwierigkeiten, arme Verhältnisse und mögliche Kriegstraumata spielen dabei eine entscheidende Rolle. Experten weisen darauf hin, dass bei Kindern mit vielen Straftaten häufig eine Störung des Sozialverhaltens vorliegt.
Maßnahmen zur Unterstützung
Ein zusätzliches Konzept zur Unterstützung dieser Kinder ist die Einführung einer Orientierungshilfe für unmündige Intensivtäter, die mindestens fünf Vormerkungen haben. Das Ziel dieser Maßnahme ist es, positive Erfahrungen und Beziehungen aufzubauen, um den Kindern eine Perspektive zu bieten. Aktuell werden 14 Kinder von 4 Mitarbeitern des Vereins „Rettet das Kind“ betreut, die in einem umfassenden Betreuungssystem eingebunden sind, das Sozialarbeiter, Psychologen, Sozialpädagogen und Fachärzte umfasst. Dazu gehören auch Sportprogramme und Ausflüge, um die Kinder aktiv zu fördern.
Die Kosten für die erste „Auszeit-WG“ belaufen sich im ersten Jahr auf 800.000 Euro. Diese Investition könnte sich als entscheidend erweisen, um jungen Menschen einen Weg aus der Kriminalität zu ermöglichen und ihnen zu helfen, Vertrauen in sich selbst und ihre Umgebung aufzubauen. In Anbetracht der steigenden Zahl von tatverdächtigen Kindern ist eine solche Initiative nicht nur wünschenswert, sondern notwendig.
Für weitere Informationen und Hintergründe zu diesem Thema kann die Quelle auf Die Presse eingesehen werden.