Suchtmittelkonsum am Arbeitsplatz: Alarmierende Zahlen und Handlungsbedarf
Ein aktueller Bericht der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), veröffentlicht am 9. Juli, beleuchtet ein brisantes Thema: Suchtmittelkonsum am Arbeitsplatz. Unglaubliche 25 Prozent der Beschäftigten gaben an, in den letzten zwei Jahren problematischen Konsum im Kollegenkreis bemerkt zu haben. Alkohol steht dabei ganz oben auf der Liste. Mit 21 Prozent ist er der häufigste Suchtstoff. Cannabis und Nikotin folgen mit jeweils 5 Prozent, während illegale Drogen und Medikamentenmissbrauch mit jeweils 4 Prozent ebenfalls besorgniserregend vertreten sind. Besonders alarmierend ist die Situation in den Branchen Verkehr und Logistik (35 Prozent), Sozialwesen (32 Prozent) und öffentliche Verwaltung (31 Prozent).
Das Thema ist nicht nur ein statistisches Phänomen, sondern hat handfeste Auswirkungen auf die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Dr. Stephan Fasshauer von der DGUV hebt hervor, wie wichtig es ist, Risiken frühzeitig zu erkennen und betroffene Mitarbeiter zu unterstützen. Häufig wissen die Beschäftigten nicht einmal, an wen sie sich wenden können. Nur 63 Prozent der Befragten kennen interne Ansprechpartner für Suchtprobleme, und 45 Prozent sind über externe Beratungsangebote informiert. Eine klare Botschaft: Unternehmen müssen ihre Präventions- und Interventionsstrategien im Gesundheitsmanagement deutlich stärken.
Die Rolle der Prävention
Präventive Maßnahmen sind entscheidend, um Suchtproblemen vorzubeugen. Dabei geht es nicht nur um die Erkennung von Risiken, sondern auch um die Unterstützung der Mitarbeiter. Die Suchtprävention zielt auf drei wesentliche Faktoren: die Erhöhung des Einstiegsalters für Substanzkonsum, die Reduzierung schädlichen Konsums und die Verhinderung der Entwicklung von Abhängigkeiten. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung rät, Schulungen nach DGUV Vorschrift 23 durchzuführen, um Deeskalation, Konfliktmanagement und Eigensicherung zu fördern.
Ein Blick in die Zahlen zeigt deutlich, dass nicht alle Unternehmen gut aufgestellt sind. Nur 54 Prozent der Beschäftigten kennen die Regelungen ihrer Firma zum Umgang mit Suchtmitteln. Dies ist besonders besorgniserregend, wenn man bedenkt, dass 71 Prozent der Erwerbstätigen erkennen können, wenn jemand unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen steht, jedoch nur 57 Prozent den Mut aufbringen, das Thema direkt anzusprechen. Es scheint, als wäre der Umgang mit Sucht in vielen Unternehmen ein Tabu – 49 Prozent der Befragten empfinden den Umgang als zurückhaltend, und nur 28 Prozent beschreiben die Unternehmenskultur als transparent.
Digitale Lösungen und Weiterbildung
In der heutigen Zeit ist es unerlässlich, digitale Lösungen zu nutzen. Systeme wie iManSys ersetzen klassische Papierlisten für Sicherheitsunterweisungen und ermöglichen eine rechtssichere Dokumentation. Solche Lösungen bieten zentrale Planung und automatische Wiedervorlage, was besonders in komplexen Schichtbetrieben von Vorteil ist. Auch Dienstleister wie Lecturio haben erkannt, wie wichtig digitale Formate zu Resilienz und Stressmanagement sind, um Mitarbeiter zu unterstützen und die Unternehmenskultur zu verbessern.
Ein weiterer positiver Schritt ist die „Auszeit-WG“ in Wien-Simmering, die speziell zur Betreuung von Intensivtätern mit geschultem Personal ins Leben gerufen wurde. Hier wird nicht nur reagiert, sondern auch präventiv gearbeitet. In Essen wurde am 8. Juli ein Investitionspaket für Sicherheit an Schulen beschlossen, das bis zum Schuljahr 2026/27 Pilotphasen einführt. Solche Maßnahmen sind unerlässlich, um in der Gesellschaft ein Bewusstsein für Suchtprävention zu schaffen.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass Suchtmittelkonsum ein relevantes Thema in der Arbeitswelt bleibt. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, betriebliche Risiken systematisch zu bewerten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter sollten immer im Fokus stehen. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen klarere Regelungen und eine positive Unternehmenskultur schaffen, die den Umgang mit Suchtmitteln offen und ehrlich gestaltet. Mehr Informationen und Unterstützung bieten auch die Unfallversicherungsträger.
Für weiterführende Informationen und Details zur aktuellen Befragung der DGUV können Sie die Quelle hier einsehen.
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