Am 23. September 2026 wurde in Lanzenkirchen, im Bezirk Wiener Neustadt, ein eher unerwarteter Besucher entdeckt – eine südrussische Tarantel. Diese beeindruckende Kreatur hatte sich in eine Garage verirrt, auf der Suche nach einem Winterquartier. Mit einem Gesamtdurchmesser von über 8 cm – das ist schon eine Hausnummer – sorgte sie für so manchen Schockmoment, als die Entdeckung gemacht wurde. In einem vorbildlichen Akt der Tierliebe retteten Helfer die Tarantel und brachten sie wieder ins Freie, wo sie hoffentlich ein passendes Plätzchen für den Winterschlaf findet.

Die südrussische Tarantel, wissenschaftlich bekannt als Lycosa singoriensis, gehört zur Familie der Wolfspinnen und ist die größte Spinnenart Mitteleuropas. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der eurasischen Steppe bis ins östliche Österreich. Dabei hat die Tarantel ein auffallendes Aussehen: Ein heller, mittig zentrierter Streifen ziert ihren grauen bis schwarzen Kopf. Wenn man bedenkt, dass ihre Körperlänge bei Weibchen bis zu 40 mm und bei Männchen zwischen 14 und 27 mm liegt, ist es kein Wunder, dass sie viele Menschen ins Staunen versetzt.

Lebensweise und Jagdverhalten

Die Lebensweise dieser Tarantel ist ebenso faszinierend wie ihre Erscheinung. Sie ist nachtaktiv und gräbt sich Wohnröhren, die sie tagsüber als Unterschlupf nutzt. Wenn sich ein potenzielles Beutetier nähert, wartet sie als Lauerjäger in ihrer Röhre, um blitzschnell zuzuschlagen. Ihre Beute besteht hauptsächlich aus Gliederfüßern und kleineren Wirbeltieren. Ein Biss kann schmerzhaft sein, ist für Menschen jedoch nicht medizinisch relevant – also keine Grund zur Panik, sollte man einer Tarantel begegnen.

Im Spätsommer, genauer gesagt im September und Oktober, beginnt die Paarungszeit. Die Männchen balzen um die Weibchen, die Eikokon an ihren Spinnwarzen tragen und später die Jungtiere bewachen. Nach dem Schlüpfen klettern die kleinen Spinnen auf den Hinterleib der Mutter – ein ziemlich süßes, wenn auch leicht gruseliges Bild!

Gefährdung und Schutzstatus

Die südrussische Tarantel ist in Österreich als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft und gesetzlich geschützt. Seit den 1940er Jahren verzeichnet die Population in Mitteleuropa einen Rückgang, besonders in der Tschechoslowakei. Es ist traurig, dass diese faszinierenden Tiere immer seltener werden. In Österreich sind sie vor allem in schwach bewachsenen, sandigen Gebieten zu finden, die salzhaltige Böden aufweisen. Sie benötigen offene, trockene Vegetationsstrukturen, um sich wohlzufühlen und ihre Rückzugsorte zu finden. Wenn die Vegetation zu dicht wird, machen sie sich auf Wanderschaft.

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Ein ganz besonderes Vorkommen könnte im Nationalpark Donau-Auen zu finden sein, wo Trockenrasenflächen ideale Lebensbedingungen bieten. Die Tarantel ist nicht nur ein interessanter Teil unserer heimischen Fauna, sondern auch ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, unsere natürlichen Lebensräume zu schützen. Schließlich haben wir alle ein Recht darauf, diese wunderschönen Geschöpfe in unserer Umgebung zu bewahren.

Wie auch immer, die Sichtung der südrussischen Tarantel in Lanzenkirchen hat sicherlich einige Gemüter erhitzt und zeigt einmal mehr, wie vielfältig und spannend die Tierwelt in unserer Region ist.