In einem tosenden Aufruhr steht das idyllische Dorf Rott am Inn, als plötzlich die Nachricht einschlägt: Direkt neben Günter Heins Wohnhaus soll eine gigantische Sammelunterkunft für Hunderte Flüchtlinge entstehen. Die ehemalige Produktionshalle für Halogenleuchten soll umgebaut werden, und das passt den Einwohnern, allen voran der Bürgerinitiative „Rott rottiert“, gar nicht. Der 54-jährige Speditionsleiter und seine Mitstreiter kämpfen verbissen dagegen an, dass inmitten der Ruheplätscher-Idylle eine derartige Flüchtlingswelle aufschlägt.
Christine Koch-Wagner und Klemens Seidl, auch mit ihren Familien in unmittelbarer Nähe wohnend, fürchten um die Ruhe und die Wohnqualität in ihrem beschaulichen bayerischen Voralpen-Dorf. Die geplante Umnutzung der Gewerbezone, gesäumt von Bahngleisen und Wohnhäusern, stößt seit einem Jahr auf rauen Wind. Überraschend wurde bekannt gegeben, dass 500 Menschen die Halle füllen sollen, eine Nachricht, die just nach dem Wahltag einschlug wie ein Blitz aus heiterem Himmel. An dem Geplänkel um die Quecksilberbelastung der Halle entzündet sich zusätzliches Feuer: Laut einem Kreisanalyse-Gutachten liegt zwar alles im grünen Bereich, doch will die Bevölkerung neue, unabhängige Tests.
Aufruhr um Quecksilber und Platzmangel
Verzückt vom Frieden ihres Wohnortes, lassen die Rott-Bewohner die erhöhten Quecksilberwerte nicht aus den Augen. Die Messmethoden wurden infrage gestellt, und „Rott rottiert“ fordert, Schwebepartikel neu zu prüfen, um die geplante Unterkunft gesundheitsgefährdenden Bedingungen zu entziehen. Die kalkulierte Auslastung der Halle mit drastisch knappen vier Quadratmetern pro Kopf gießt weiteres Öl ins Feuer. Amtsmeinungen besagen Verbesserungen im Vergleich zu Turnhallen – doch von Menschlichkeit reden sie lieber erst gar nicht laut. Klemens Seidl protestiert vehement gegen dieses „menschenunwürdige“ Vorhaben.
Kampf um gleiche Lastenverteilung
Die Bürgerinitiative lässt nicht locker und drängt auf einen fairen Verteilungsschlüssel im Landkreis. Eine paritätische Aufnahmeregelung soll es richten, dass nicht Rott allein die größten Lasten stemmt. Dass im Petitionsausschuss bereits Anhörungen unterwegs sind, dämpft einzig den Aufruhr ein Fünkchen. Ein Vororttermin soll die heiße Diskussion in die nächste Runde führen. Das kleine Rott zeigt Mut und Entschlossenheit, in einer Auseinandersetzung, die ganz Deutschland bewegt: Wie weit ist unser Hilfezemperament bereit, Grenzen zu ziehen?