Der Göttinger Literaturwissenschaftler Prof. Andrew Gross ist erschüttert von den Ergebnissen der US-Wahlen, die erneut Donald Trump als Sieger hervorgebracht haben. „Ich zittere um die Zukunft“, gesteht er und beschreibt die tiefe Enttäuschung, die das Wahlergebnis hinterlassen hat. Fast auf den Tag genau acht Jahre nach dem ersten Interview mit Gross, das ebenfalls nach einer Trump-Wahl stattfand, zeigt sich, dass die politische Landschaft in den USA sich dramatisch verändert hat. Die Polarisierung unter den Wählern hat sich weiter verstärkt, und die Wahl hat eine neue Dimension erreicht.
„Trump hat eine Mehrheit überzeugt, das ist etwas Neues“, erklärt Gross. Im Gegensatz zu 2016, als Trump die Wahl über die Wahlmänner gewann, hat er diesmal auch die Mehrheit der Stimmen erhalten. Dies ist ein alarmierendes Signal, das ernst genommen werden muss. Besonders bemerkenswert ist, dass Trump jüngere Männer mobilisieren konnte, die zuvor oft nicht zur Wahl gingen. Diese Wählergruppe, die aus verschiedenen Ethnien stammt, hat Trump als den „Macher“ und „Entscheider“ gewählt, was die Wählerlandschaft grundlegend verändert hat.
Ein gefährlicher Trend für die Demokratie
Die Wahl hat auch gezeigt, dass Trump trotz seiner umstrittenen Rhetorik, die oft als beleidigend empfunden wird, eine treue Anhängerschaft hat. „Viele finden sein Macho-Gehabe gut“, sagt Gross und weist darauf hin, dass die Wahlentscheidung vieler nicht für Trump, sondern gegen die politischen Eliten gerichtet ist. Die wirtschaftlichen Sorgen, insbesondere die steigenden Lebensmittelpreise und die Obdachlosigkeit, haben die Wähler veranlasst, sich für Trump zu entscheiden.
Die demokratischen Kräfte in den USA sind besorgt über die Macht, die Trump nun im Senat und Repräsentantenhaus hat. „Er hat seine Leute in den Parlamenten“, warnt Gross und sieht darin ein Risiko für die Demokratie. Die politischen Spannungen könnten weiter zunehmen, während Trump nun für seine Entscheidungen verantwortlich ist. „In zwei Jahren stehen die Mid Term Elections an“, erinnert Gross, und die politische Zukunft bleibt ungewiss.