In den letzten Jahren hat Saudi-Arabien seine Präsenz im Welt des Sports massiv ausgebaut. Der Golfstaat investiert nicht nur in Fußball, sondern auch in Tennis, Golf, Motorsport und sogar Snowboarding. Diese Strategie, die eng mit der „Vision 2030“ verbunden ist, zielt darauf ab, die Abhängigkeit vom Öl zu verringern und neue Wirtschaftszweige wie Tourismus und Technologie zu fördern. Besonders auffällig ist der hohe Geldfluss, der Athleten, vor allem am Ende ihrer Karrieren, angeboten wird. So hat Saudi-Arabien sogar einen Premier-League-Club gekauft und wird 2034 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten. Doch die Investitionen werden von vielen als „Sportswashing“ kritisiert, da sie von den anhaltenden Menschenrechtsvorwürfen ablenken sollen. Mehr dazu hier.

Komischerweise zieht sich Saudi-Arabien jedoch aus mehreren Sportarten zurück, wobei der Golf- und Motorsportsektor besonders betroffen ist. So wurde etwa LIV Golf, das vom saudischen Staatsfonds PIF finanziert wurde, eingestellt, da die langfristigen Investitionen nicht mehr in die Strategie des PIF passten. Ein weiterer Rückschlag waren die Absagen von Veranstaltungen wie dem Saudi Arabia Masters im Snooker und einem WTA-Turnier. Außerdem wurden Pläne für die Rugby-Weltmeisterschaft 2035 und die Asiatischen Winterspiele 2029 aufgegeben. Die Gründe für diesen Rückzug sind wirtschaftlicher und politischer Natur, insbesondere die geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit dem US-israelischen Konflikt mit Iran.

Neuausrichtung des PIF

Yasir al-Rumayyan, der Leiter des PIF, plant eine Neuausrichtung seiner Investitionsstrategie. Der Fokus soll von schnellem Wachstum auf nachhaltige Wertschöpfung gelegt werden. Dennoch gibt es keine Anzeichen dafür, dass der PIF sein Engagement bei Newcastle United, einem weiteren prominenten Investment, aufgeben wird. Während einige Sportveranstaltungen abgesagt wurden, zeigt Saudi-Arabien weiterhin Interesse an anderen großen Events, wie dem Diriyah Tennis Cup und dem Saudi Cup, der für Pferderennen bekannt ist. Die Formel 1 bleibt ebenfalls ein wichtiges Thema, auch wenn der Grand Prix von Saudi-Arabien aufgrund des Krieges abgesagt wurde.

Der Einfluss Saudi-Arabiens auf den Sport ist nicht zu übersehen. Mit Supercups aus Spanien und Italien, die regelmäßig in Saudi-Arabien stattfinden, und der Anwerbung internationaler Stars wie Cristiano Ronaldo und Neymar ist das Land zu einem Hotspot für internationale Sportevents avanciert. Der PIF hat seit 2021 über fünf Milliarden Euro in die Sportbranche investiert, darunter fast eine Milliarde Euro allein für Spielertransfers und Gehälter im Jahr 2023. Diese Investitionen sind Teil einer breiteren Strategie, die darauf abzielt, die eigene Bevölkerung zu inspirieren und neue Einnahmequellen zu erschließen.

Kritik und Kontroversen

Auf der anderen Seite gibt es wachsende Bedenken hinsichtlich der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien. Menschenrechtsorganisationen prangern die systematischen Verstöße gegen die Menschenrechte an, darunter die Unterdrückung von Frauenrechten und die Verfolgung von Homosexualität. Es ist kein Geheimnis, dass die Pressefreiheit im Land stark eingeschränkt ist, was die Berichterstattung über diese Themen erschwert. Auch innerhalb des Fußballs gibt es Stimmen, die gegen das sogenannte „Sportswashing“ aufbegehren. Fans von Newcastle United haben sogar eine Gruppe gegründet, die sich gegen diese Praktiken ausspricht. Selbst prominente Spieler wie Toni Kroos haben sich entschieden, nicht nach Saudi-Arabien zu wechseln, was die moralischen Fragen rund um die Investitionen weiter aufwirft.

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Die FIFA verteidigt ihre Sponsorenverträge mit saudischen Unternehmen, obwohl immer mehr Spielerinnen und Spieler eine Beendigung dieser Partnerschaften fordern. Die Kontroversen um Saudi-Arabien und seinen Einfluss im Sport scheinen also noch lange nicht zu enden – die Diskussion wird weitergehen, während das Land seine Ambitionen im Sport ausbaut und gleichzeitig mit heftiger Kritik konfrontiert wird. Hier gibt es mehr Informationen dazu.