Heute ist der 13.05.2026 und die wirtschaftlichen Aussichten für Russland könnten kaum düsterer sein. Die Wirtschaftsexpertin Alexandra Prokopenko vom Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin beschreibt die Situation als eine „Todeszone“. Das ist schon eine ziemlich klare Ansage, oder? Präsident Putin hat Ende April sein Kabinett aufgefordert, Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft zu finden. Doch die Ursachen der Krise sind vielschichtig und hängen eng mit dem Krieg gegen die Ukraine sowie den daraufhin verhängten Sanktionen zusammen. Diese Sanktionen haben Russland von wichtigen Technologien und neuen Investitionen aus dem Ausland abgeschnitten. Ein echter Klotz am Bein für die Wirtschaft!
Ein weiterer Dämpfer ist der hohe Leitzins der Zentralbank, der die Investitionstätigkeit stark hemmt. Kredite sind einfach zu teuer geworden – teurer als die erwarteten Gewinne. Diese Situation sorgt für ordentlich Zoff. Der Unternehmer- und Industriellenverband kritisiert die Zentralbank scharf. So wurde zu Beginn des Krieges versucht, die Bürger davon abzuhalten, ihre Ersparnisse abzuholen oder in Devisen zu tauschen. Die Zentralbank, angeführt von Elvira Nabiullina, sieht sich gezwungen, den Inflationsdruck auszugleichen, der durch die staatlichen Gelder im Rüstungssektor entstanden ist. Aber die Möglichkeiten zur Senkung der Zinsen? Die sind praktisch nicht vorhanden, da die Inflation am oberen Ende des Zielkorridors liegt.
Die Schattenseite der Kriegswirtschaft
Spätestens seit 2022 wurde die russische Wirtschaft auf Kriegswirtschaft umgestellt. Die Staatsaufträge für den Rüstungssektor haben anfangs zwar zum BIP-Wachstum beigetragen, doch es steht zu erwarten, dass ab 2025 der Boom in den Waffenfabriken die Krise im zivilen Sektor nicht mehr übertünchen kann. Strukturelle Mängel, wie eine niedrige Arbeitsproduktivität und ein eklatanter Fachkräftemangel, treiben die wirtschaftliche Misere weiter voran. Der Volkswirt Dmitri Nekrassow beschreibt die Front als „Staubsauger“, der Arbeitskräfte aus der Wirtschaft abzieht. Ein düsteres Bild, das die Stimmung in der russischen Wirtschaft nur noch weiter trübt. Laut aktuellen Umfragen bewerten gerade mal vier Prozent der befragten Firmen ihre Geschäftslage als gut – ein historischer Tiefstand!
Ein Blick auf die jüngsten Entwicklungen zeigt, dass die Lage noch schwieriger wird. Kremlchef Putin reist demnächst von Peking zum Wirtschaftsforum in Wladiwostok, aber dort werden die wirtschaftlichen Probleme Russlands voraussichtlich kein Thema sein. Experten wie Andrey Gurkov warnen, dass Krieg und Sanktionen für die russische Wirtschaft zunehmend teurer werden. Der russische Wirtschaftsminister hat bereits vor drohender Rezession gewarnt, während der Finanzminister von geringen Wachstumszahlen spricht. Es ist ein Teufelskreis.
Die Herausforderungen der nächsten Monate
Der August 2025 war ein besonders harter Monat für die russische Ölindustrie: mindestens zehn Raffinerien wurden angegriffen. Die Ukraine hat eine neue Strategie entwickelt, um gezielt russische Raffinerien und Exportrouten anzugreifen. Während die Kriegswirtschaft wächst, verzeichnen zivile Branchen Rückgänge. Hohe Staatsausgaben und Inflation belasten die private Wirtschaft enorm. Der Leitzins liegt aktuell bei 18 Prozent – zuvor waren es sogar 21 Prozent. Das macht Investitionen zu einer echten Herausforderung.
Ein weiteres Problem ist die Treibstoffknappheit in einigen Regionen Russlands, die durch die Angriffe auf Ölraffinerien verursacht wird. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung könnte durch diese Treibstoffprobleme und Ernteausfälle weiter zunehmen. Gurkov sieht keinen Aufstand gegen den Krieg, jedoch eine wachsende Unzufriedenheit. Putin steht unter Druck, der Bevölkerung einen Sieg im Krieg zu präsentieren, was die Situation nur weiter anheizt.
Die kommenden Monate könnten für den Kreml wirtschaftlich herausfordernd werden. Weniger Geld für Subventionen und hohe Prämien für Freiwillige im Krieg machen die Situation nicht besser. Infrastrukturprobleme und notwendige Reformen im Sozialsystem sind zusätzliche Belastungen für die russische Wirtschaft. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickeln wird. Gurkov glaubt, dass der Sanktionsdruck erhöht werden sollte, um ein gerechtes Kriegsende zu erreichen. Und beim Wirtschaftsforum in Wladiwostok? Da wird Putin wohl kaum signifikante Signale erwarten lassen. Stattdessen dient das Forum eher als Propagandaveranstaltung, um Russlands internationale Position zu zeigen. Enttäuschend, wenn man bedenkt, dass die Investitionen aus China nicht in dem Maße fließen, wie erhofft. Stattdessen gibt es eine Flut von Exportprodukten aus China – ein echtes Dilemma für die russische Wirtschaft.
Für weitere Informationen zu dieser Thematik, siehe auch die vollständigen Berichte auf t-online und tagesschau.de.