Wissenschaft gegen Faschismus: Verantwortung und aktive Teilnahme in Zeiten der Gefahr
Am kommenden Wochenende wird Erfurt zum Schauplatz einer wichtigen Diskussion. Unter dem Titel „Bevor es zu spät ist“ versammeln sich etwa 600 Forschende zur Tagung der Initiative „Wissenschaft gegen Faschismus“. Unmittelbar im Vorfeld des Bundesparteitags der AfD, wird hier über die „wissenschaftlichen Perspektiven auf die faschistische Gefahr“ gesprochen. Die Tagung ist nicht nur ein Ort des Austauschs, sondern auch eine Plattform für Protest gegen die rechtsextreme Partei. Die Soziologin Silke van Dyk und die Philosophin Rahel Jaeggi werden zu den prominenten Stimmen gehören, die sich zu diesem Thema äußern.
Silke van Dyk bringt es auf den Punkt: Die AfD ist eine demokratiefeindliche und rechtsextreme Partei. Bei der kommenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte die AfD sogar eine Alleinregierung bilden. Diese Möglichkeit ist für die Initiative ein klarer Ansporn. Rahel Jaeggi hingegen warnt, dass die Übernahme rechtsextremer Positionen nicht zur Schwächung der AfD führt, sondern im Gegenteil deren Einfluss verstärken kann. In diesem Zusammenhang wird auch die akademische Freiheit zur Diskussion stehen, die laut van Dyk durch die AfD-Hochschulpolitik gefährdet wird. Das Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt zielt auf die Abschaffung von Forschungsrichtungen wie Gender Studies.
Ein Aufruf zur Verantwortung
Die Initiative „Wissenschaft gegen Faschismus“ hat sich nicht nur aus Spaß zusammengeschlossen. Vielmehr geht es darum, Verantwortung zu übernehmen in Zeiten, in denen autoritäre Tendenzen zunehmen. Die Veranstaltung soll eine Zwischenbilanz der bisherigen Erkenntnisse liefern und die Öffentlichkeit darüber informieren, wie ernst die Lage ist. Gleichzeitig wird auch der Begriff „Faschisierung“ thematisiert, der den Prozess eines System- und Kulturwandels beschreibt. Es ist eine Diskussion, die in der aktuellen politischen Landschaft große Resonanz findet.
Die Tagung bietet zudem verschiedene Stimmen zur faschistischen Gefahr und demokratiefeindlichen Tendenzen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen nicht nur als passive Beobachter auftreten, sondern aktiv am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen. Die Initiative möchte universitäre Institutionen für den Austausch mit der Zivilgesellschaft öffnen. So wird die Verantwortung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesem Kontext immer deutlicher. Sie stehen in der Pflicht, sich zu positionieren und zu handeln.
Die Rolle der Wissenschaft
Die Diskussion um die Verantwortung von Wissenschaftler*innen ist nicht neu, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Der Aufruf „Wissenschaft gegen Faschismus“ wurde von zahlreichen Studierenden unterzeichnet, wobei der Anteil der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) erstaunlich gering ist. Nur etwa 5% der Unterzeichner:innen stammen aus diesen Bereichen. Dies wirft Fragen auf: Warum ist das Interesse hier so begrenzt? Der erste Vernetzungstreffen zeigte, dass die Mehrheit der Teilnehmenden aus geistes-, sozial-, kultur- oder kunstwissenschaftlichen Fachgebieten kommt. Trotz Bemühungen, auch die MINT-Fächer anzusprechen, bleibt das Ungleichgewicht bestehen.
Die Präsidentin der Leopoldina, Bettina Rockenbach, äußerte Bedenken hinsichtlich der wissenschaftsfeindlichen Strömungen in der Politik. Sie betonte die Verpflichtung der Akademie zur Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit. Im Kontext dieser Tagung wird auch die Rolle der Fraunhofer-Gesellschaft angesprochen, die demokratiefeindliche, rassistische und antisemitische Haltungen ablehnt, jedoch Neutralität gegenüber politischen Interessen betont. Dies wirft die Frage auf, wie Wissenschaftler:innen in der aktuellen politischen Lage agieren sollten.
Der Aufruf zur aktiven Teilnahme an der Debatte ist klar. Die Initiative „Wissenschaft gegen Faschismus“ möchte Räume für kontroverse Diskussionen schaffen. Die Themenwoche, die vom 1. bis 7. Juni stattfand, war nur der Anfang. Jonas, einer der Organisatoren, plant, die Initiative nach der Themenwoche fortzuführen und mehr MINT-Professor:innen anzusprechen. Denn es ist höchste Zeit, dass alle Wissenschaftler:innen sich zusammenfinden und gegen die Gefahren des Faschismus auftreten.
Für die Teilnehmenden der Tagung in Erfurt wird es also nicht nur um die Analyse der aktuellen Situation gehen, sondern auch um die Frage, wie man aktiv zur Verteidigung demokratischer Werte beitragen kann. Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen ist das Thema aktueller denn je. Der Druck auf die Wissenschaft, sich klar zu positionieren, wird steigen, und das nicht ohne Grund.
Neues Design, maximale Performance: Wie gefällt Ihnen unsere neue Website?
Datenschutz und DSGVO-Konformität gehören zu den grundlegenden Anforderungen eines professionellen Nachrichtenangebots. Die VeloCore-Umsetzung unseres Magazins durch Daniel Wom setzt auf datensparsame Verarbeitung, weitgehenden Verzicht auf Drittanbieter und transparente Einwilligungsmechanismen.
