Heute ist der 1.05.2026 und ich sitze hier in Vegesack, um ein Stück Geschichte lebendig werden zu lassen. Vor 30 Jahren, am 30. April 1997, wurde die Bremer Vulkan-Werft geschlossen, ein Ereignis, das viele Menschen emotional berührt hat. Hasso Kulla, ehemaliger Betriebsratschef, und Cetin Savas, ein Arbeiter, erinnern sich noch gut an diese Zeit. Beide waren während der Schließung direkt betroffen und berichten von Solidarität und Protesten, die die Arbeiter vereinten.
Die Schließung war ein Schock für die Belegschaft. Hasso und Cetin standen am Tag der Bekanntgabe vor ihren Kollegen und mussten die traurige Nachricht überbringen. „Es war ein emotionaler Tag. Männer haben geweint, das habe ich so noch nie erlebt“, erzählt Savas. Die Solidarität unter den Arbeitern war stark – das spürte man in der Luft. Eine Kundgebung mit 2000 Schiffsbauern und ein Autokorso waren Ausdruck des gemeinsamen Protests. Zudem fand ein Fußballspiel zur Unterstützung der Streikkasse statt, ein Zeichen für den ungebrochenen Zusammenhalt der Arbeiter.
Die Geschichte der Bremer Vulkan-Werft
Die Bremer Vulkan-Werft wurde am 23. Oktober 1893 gegründet. Sie entstand durch die Fusion der Vegesacker Werften und wurde schnell zu einem bedeutenden Akteur im zivilen Schiffbau in Deutschland. In den Glanzzeiten, zwischen 1909 und 1912, lieferte die Werft jährlich im Durchschnitt 40.000 BRT Schiffe ab. Doch die Geschichte verlief nicht immer geradlinig. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Werft in den Wiederaufbau der maritimen Wirtschaft eingebunden und erlebte in den 1950er-Jahren einen Wiederaufstieg im Schiffbau.
In den 1990er-Jahren jedoch, setzte der Niedergang ein. 1996 stellte die Werft einen Konkursantrag. Nur ein Jahr später, 1997, wurde die Stammwerft in Bremen-Vegesack stillgelegt. Dies war das endgültige Aus für eine Institution, die über ein Jahrhundert lang Teil der deutschen Schiffbauindustrie war. Die Veruntreuung von 850 Millionen Mark EU-Fördermitteln und die darauf folgenden Gerichtsverfahren gegen mehrere Vorstände trugen zur Negativwahrnehmung der Werft bei. Nach dem Konkurs kam es zwar zu Neuansiedlungen auf dem Werftgelände, doch die glorreichen Zeiten waren vorbei.
Persönliche Erinnerungen und Auswirkungen
Hasso Kulla archivierte während seiner Zeit beim Arbeitsamt Werftunterlagen, die später aus Datenschutzgründen vernichtet wurden. Er hatte die Personalnummer 103, während Cetin Savas die 97856 trug. Kulla kümmerte sich über zehn Jahre um die Historie der Werft und kennt deren Geschichte wie kein anderer. „Ich habe immer noch Dokumente von der Werft. Es ist wichtig, die Erinnerungen lebendig zu halten“, betont er.
Cetin Savas fand schnell einen neuen Job bei einem Windradbauer, blieb jedoch weiterhin auf dem Vulkan-Gelände. Während Kulla eine Zeit lang beim Arbeitsamt arbeitete, bevor er bei Klöckner unterkam, zeigt sich, wie unterschiedlich die Wege nach der Schließung für die beiden waren. Trotz der Herausforderungen, die die Schließung mit sich brachte, sind beide Männer, die seit 2013 Nachbarn in einem Reihenhaus sind, dankbar für die Erinnerungen und die Solidarität, die sie miterleben durften.
Die Bremer Vulkan-Werft ist nicht nur ein Kapitel in der Geschichte des deutschen Schiffbaus, sondern auch ein Symbol für den Wandel in der Industrie. Wer mehr über die maritimen Wurzeln und die Geschichte der Werft erfahren möchte, findet weitere Informationen im Leitfaden des Staatsarchivs Bremen.