Lary Rauh und die Kunst der nachhaltigen Mode
Die Kunstszene in Deutschland zeigt sich lebendig und kreativ, besonders wenn es um nachhaltige Praktiken geht. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die junge Künstlerin Lary Rauh aus Calw. Geboren im Jahr 2000, hat sie sich als multidisziplinäre Künstlerin etabliert und bereits im vergangenen Jahr als Newcomerin an der Veranstaltung „Shades of Calw“ teilgenommen. Aktuell zieht ihr Kunstwerk „Made to Last (Apple Outfit)“ im LA8-Museum in Baden-Baden alle Blicke auf sich. Die Installation, die bis zum 20. September zu sehen ist, thematisiert die Vergänglichkeit und spielt auf die biblische Geschichte von Adam und Eva an.
Besonders spannend ist, dass Rauh ein Kleidungsstück aus reinem Apfelleder geschaffen hat – und das selbst! Für die Herstellung reiste sie extra von London zurück nach Deutschland. Sie studiert an der renommierten University of the Arts London (UAL) und wird bis September 2024 ihren Master in Modefotografie abschließen. Interessanterweise plant sie, ihr Ausstellungsobjekt in ihre Masterarbeit einzubringen. Ihre Arbeiten sind nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern befassen sich auch intensiv mit den Auswirkungen des Kapitalismus auf die Natur und die Gesundheit des Einzelnen. Nachhaltigkeit ist ihr ein großes Anliegen; sie hinterfragt die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt.
Kreative Herstellung aus Äpfeln
Der Herstellungsprozess des Apfelleder-Outfits war alles andere als einfach. Rauh musste die Äpfel mit zehn Prozent Zucker kochen, um die richtige Konsistenz zu erreichen. Das gesamte Nähprojekt dauerte etwa eine Woche und erforderte viel Geschick, da sie das Material von Hand zusammennähen musste, um ein Ausbrechen der Nähte zu vermeiden. Ihre Hingabe zur Kunst zeigt sich auch darin, dass sie bereits im Alter von zehn Jahren mit Modezeichnungen begann und zwischen zwölf und fünfzehn Jahren einen Nähkurs besuchte. Heute experimentiert sie nicht nur mit Mode, sondern auch mit bewegtem Bild und Film.
Rauh hat großen Wert darauf gelegt, dass ihr Outfit biologisch abbaubar ist. Das Apfelleder, das sie verwendete, ist eine pflanzliche Lederalternative, die aus Nebenprodukten der Apfelverarbeitung, wie Schalen, Kernen und Fruchtfleisch, hergestellt wird. Im Vergleich zu echtem Leder und herkömmlichem Kunstleder wird Apfelleder als nachhaltige Lösung präsentiert. Es nutzt vorhandene Reststoffe und benötigt keine zusätzlichen landwirtschaftlichen Flächen, wodurch es nicht mit der Lebensmittelproduktion konkurriert. Dies steht im Einklang mit ihrem Engagement für Umweltschutz und Bewusstsein.
Der Trend zu nachhaltigen Materialien
Apfelleder gilt als Beispiel für Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft, da es bestehende Reststoffe in einen höherwertigen Nutzungskreislauf überführt. Vorteile wie die vegane Herstellung, die Reststoffnutzung und der geringere Ressourcenverbrauch im Vergleich zu klassischem Leder sind überzeugend. Das Material hat eine glatte bis leicht strukturierte Haptik und ist optisch Kunstleder ähnlich. Es ist leichter als tierisches Leder und pflegeleicht, was es zu einer attraktiven Wahl für Taschen, Rucksäcke, Sneaker und viele andere Produkte macht.
Obwohl Apfelleder nicht vollkommen biologisch abbaubar ist und einen Kunststoffanteil aufweist, bietet es dennoch Vorteile gegenüber rein synthetischen Materialien. Der Apfelanteil in Apfelleder liegt typischerweise zwischen 20 und 50 Prozent. Die Nachfrage nach solchen nachhaltigen Materialien wächst, und Rauh ist mit ihrer Arbeit Teil dieses wachsenden Trends. Ihre Zukunft bleibt jedoch ungewiss; ob sie in England bleibt oder nach Deutschland zurückkehrt, steht noch in den Sternen.
Wenn Kunst und Nachhaltigkeit sich begegnen, entstehen nicht nur faszinierende Werke, sondern auch wichtige Fragen über den Umgang mit unseren Ressourcen und der Umwelt. Lary Rauh ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie junge Künstlerinnen und Künstler ihre Visionen verwirklichen und gleichzeitig einen positiven Einfluss auf die Welt ausüben können. Ihre Arbeiten ermutigen uns, über unsere eigenen Konsumentscheidungen nachzudenken und kreative Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu finden.
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