In Heilbronn rumort es gewaltig. Die Müller Gruppe hat die Schließung der Landliebe-Werke in Heilbronn und Schefflenz angekündigt. Diese Entscheidung führt nicht nur zur Herunterfahrt der Produktion am Standort Heilbronn, sondern auch zur Stilllegung der Maschinen bis Ende des Jahres. Ein klarer Schnitt, der die Belegschaft trifft. Am Standort Heilbronn sind aktuell noch knapp 200 Mitarbeitende beschäftigt, deren Arbeitsverträge bis Ende des Jahres fortbestehen, auch wenn einige früher nicht mehr gebraucht werden. Für viele ist die berufliche Zukunft ungewiss. Ein großer Teil der Angestellten hat bereits neue Jobs gefunden, aber die Unsicherheit schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen derjenigen, die noch auf der Suche sind.

Die Gewerkschaft NGG kritisiert vehement die Schließung der Standorte und sieht darin eine Entscheidung, die die Zukunft der Marke Landliebe gefährdet. NGG-Landeschef Uwe Hildebrandt bringt es auf den Punkt: „Die Marke Landliebe ohne die erfahrenen Beschäftigten ist nur eine leere Hülle.“ Es wird deutlich, dass hinter diesen Entscheidungen nicht nur wirtschaftliche Überlegungen stecken. Die NGG argumentiert, dass es hier um „nicht wollen“ statt „nicht können“ gehe, da in Aretsried, wo die Produktion verlagert wird, größere Investitionen getätigt werden. Das Landliebe-Werk in Schefflenz wurde bereits Ende 2024 geschlossen, und die Pläne zum Erhalt des Standorts Heilbronn wurden abgelehnt. Ein Verkauf des Werks an Molkerei-Eigenmarken-Kunden fand ebenfalls kein Gehör.

Der Widerstand formiert sich

Die Gewerkschaft zeigt sich kampfbereit und kündigt Widerstand gegen die Schließung an. Hildebrandt ist überzeugt, dass man das Potenzial am Neckar nutzen sollte und fordert Investitionen in das Werk. Die Schließung des Hauptwerks in Heilbronn wird von ihm als doppelter Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten bezeichnet. Komischerweise erinnert die Situation an den erfolgreichen Widerstand vor vier Jahren, als es gelang, den Unilever-Standort in Heilbronn zu retten. Die NGG plant, auch in diesem Fall Widerstand zu organisieren und die Anliegen der Beschäftigten lautstark zu vertreten.

Der Hintergrund dieser Entwicklungen ist nicht unerheblich. Die Müller Gruppe hatte im April 2023 die Produktionswerke von Friesland Campina übernommen. Ein Umstand, der die Dynamik in der Branche verändert hat. Während die bayerische Milchindustrie boomt und durch wachsende Auslandsgeschäfte Umsätze steigert, sind die Schließungen in Heilbronn und Schefflenz ein Zeichen für die Konzentrationstendenzen in der Branche. Die Übernahmen und Fusionen in der Milchindustrie – wie die von FrieslandCampina und Milcobel, die personelle und strukturelle Änderungen mit sich bringen – verdeutlichen, dass sich der Markt rasant verändert.

Die Zukunft der Landliebe-Marke und ihrer Beschäftigten bleibt also eine spannende, aber unsichere Angelegenheit. Das Areal in Heilbronn wird an die Schwarz-Gruppe verkauft, die Pläne für die Nutzung der Fläche sind jedoch noch vage. Der Abriss der Gebäude steht bevor, und mit ihm geht ein Stück Geschichte, das viele Menschen über Jahre geprägt hat. Die Frage bleibt, wie es weitergeht und ob der Widerstand der Gewerkschaft wirklich erfolgreich sein kann. Die Entwicklungen rund um die Milchindustrie sind ein Spiegelbild der Herausforderungen, vor denen viele traditionelle Branchen heute stehen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Für weitere Informationen über die Situation in Heilbronn und die Schließung der Landliebe-Werke lesen Sie die vollständige Meldung auf SWR Aktuell.

Ein modernes Nachrichtenportal wie unseres, muss für alle Menschen zugänglich sein. Unser Website System wurde daher konsequent nach den Vorgaben der WCAG 2.1 und BITV 2.0 neu entwickelt – mit sauberer Struktur, ARIA-Attributen und ohne technische Hürden für assistive Technologien. Die barrierefreie Umsetzung verantwortete Daniel Wom / VeloCore.