In Pforzheim hat ein wegweisendes Projekt für die europäische Recyclingwirtschaft begonnen: Die HyProMag GmbH hat die erste Recycling-Anlage für Seltene-Erden-Magneten in der EU eröffnet. Diese innovative Einrichtung ist nicht nur ein technologischer Fortschritt, sondern auch ein wichtiger Schritt zur Verringerung der Abhängigkeit von importierten Rohstoffen. Seltene-Erden-Magneten, die hauptsächlich aus Neodym-Eisen-Bor (NdFeB) bestehen, sind essentielle Komponenten in einer Vielzahl von Anwendungen, von Elektromotoren über Windkraftanlagen bis hin zu Smartphones.

Die Herstellung und Gewinnung von Seltenen Erden ist bekanntlich aufwendig und umweltbelastend, da große Teile der Produktion aus wenigen Ländern stammen. Die neue Anlage in Pforzheim, die durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg finanziert wird, zielt darauf ab, die Wiedergewinnungsquote dieser kritischen Rohstoffe zu verbessern und damit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten.

Technologie und Kapazitäten

Das Herzstück der Anlage ist ein von der Universität Birmingham entwickeltes Verfahren, das ein direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling ermöglicht. Dabei bleibt die Legierung aus Neodym-Eisen-Bor erhalten, während unerwünschte Rückstände wie Beschichtungen oder Klebstoffe abgetrennt werden. Dieses energieeffiziente Verfahren ist besonders vorteilhaft, da die Energiekosten in der heutigen Zeit stark gestiegen sind.

HyProMag plant, noch in diesem Jahr mit der Produktion von recycelten NdFeB-Produkten zu beginnen, darunter Legierungspulver, Sinterblöcke und fertige Magnete. Die Kapazität der Anlage soll bis 2027 auf 350 Tonnen und bis 2028 auf bis zu 750 Tonnen pro Jahr steigen. Dies ist ein bedeutender Schritt, wenn man bedenkt, dass in Deutschland derzeit rund 167 Millionen ausgediente Elektronikgeräte ungenutzt sind und jede Menge Neodym in diesen Geräten schlummert. Laut DERA enthält ein durchschnittliches Smartphone etwa 0,21 Gramm Neodym, was das Rohstoffpotenzial enorm macht.

Herausforderungen und Chancen

Trotz der vielversprechenden Technologie bleibt die Herausforderung bestehen, eine ausreichende Verfügbarkeit des benötigten Ausgangsmaterials sicherzustellen. Aktuell gelangt weniger als ein Prozent der Neodym-Eisen-Bor-Magneten aus ausrangierten Geräten zurück in den Wertstoffkreislauf. Das Recycling von Komponenten könnte jedoch entscheidend dazu beitragen, die Importabhängigkeit zu verringern. Der Bedarf an Magneten, insbesondere aus Neodym, wächst ständig. Aktuell stammen 98 Prozent der Permanentmagneten für Elektroautos aus China, was die europäische Industrie unter Druck setzt, alternative Quellen zu finden.

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Ein weiterer Aspekt ist der Critical Raw Materials Act der EU, der bis 2030 feste Quoten für das Recycling strategischer Rohstoffe einführt. Mit dieser Gesetzgebung sollen Recycling-Initiativen wie die in Pforzheim unterstützt und gefördert werden. Das Ziel ist klar: Über 30 Prozent des europäischen Bedarfs an Magneten sollen durch Recycling gedeckt werden. Trotz dieser Fortschritte gibt es jedoch derzeit keine spezifische Förderung für Seltene Erden in Europa, was die Entwicklung von Lagerstätten und die Genehmigungsverfahren hemmt.

Die Eröffnung der HyProMag-Anlage in Pforzheim ist ein entscheidender Schritt in Richtung einer nachhaltigeren und ressourcenschonenderen Zukunft für Europa. Während die Technologie fortschreitet und die Kapazitäten wachsen, bleibt es spannend zu beobachten, wie dieses Projekt die europäische Recyclinglandschaft verändern wird.

Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie die vollständigen Artikel auf PZ News, Rohstoff.net und selteneerden.de nachlesen.