Im Rems-Murr-Kreis sorgt ein drängendes Problem für aufgeregte Diskussionen unter den Familien: der Mangel an Kinderärzten. Dr. Ralf Brügel, der vor zwei Jahrzehnten eine Kinderarztpraxis in Schorndorf übernommen hat, beschreibt die Situation als paradox. Trotz der Tatsache, dass es inzwischen mehr Kinderärzte gibt, haben viele Familien große Schwierigkeiten, einen Platz in einer Praxis zu finden. Aufnahmestopps und lange Wartelisten sind an der Tagesordnung. Werdende Eltern müssen oft vor der Geburt unzählige Telefonate führen, um überhaupt einen Kinderarzt zu finden – eine stressige Angelegenheit, die durch Umzüge innerhalb des Rems-Murr-Kreises noch komplizierter wird. Die Praxen sind überlastet und die Frustration wächst.

Vor drei Jahren haben die Kinderärzte im Rems-Murr-Kreis einen Protesttag organisiert, um auf die schwierige Situation aufmerksam zu machen. Der Mangel an Kinderärzten ist nicht das einzige Problem in der Region – auch die Hausärzte stehen unter Druck. Fast jeder zweite Hausarzt im Rems-Murr-Kreis ist über 60 Jahre alt. Das bedeutet, dass bald viele von ihnen in den Ruhestand gehen werden, ohne dass genügend Nachfolger bereitstehen. In Alfdorf beispielsweise reduzierte sich die Zahl der Hausärzte von vier auf zwei. Kleinere Gemeinden leiden besonders unter diesem Mangel, während größere Städte meist besser versorgt sind.

Initiativen zur Verbesserung der Situation

Um die hausärztliche Versorgung zu sichern, wurde im Rems-Murr-Kreis ein Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin ins Leben gerufen. An dieser Initiative sind verschiedene Institutionen beteiligt, darunter das Gesundheitsamt und die Ärztekammer Nordwürttemberg. Ziel ist es, angehenden Hausärzten eine strukturierte Weiterbildung zu bieten und ihnen den Weg zur Niederlassung zu erleichtern. Der Verbund, der im Januar 2026 seine Arbeit aufgenommen hat, kann als Hoffnungsschimmer gesehen werden. Mit neun teilnehmenden Hausarztpraxen soll er helfen, die bürokratischen Hürden abzubauen und den Medizinerinnen und Medizinern Planungssicherheit zu geben. Ein „Klebeeffekt“ wird angestrebt, sodass Ärzte, die ihre Weiterbildung in der Region machen, auch dort bleiben.

Landrat Richard Sigel sieht diesen Verbund als wichtigen Baustein für die zukünftige medizinische Versorgung. In Alfdorf wurde bereits eine Lösung für die Nachfolge einer Hausarztpraxis gefunden, was als positives Beispiel gilt. Doch die Erwartungen junger Ärzte haben sich verändert – viele von ihnen bevorzugen größere Praxisverbünde und flexiblere Arbeitsmodelle. Der Bedarf an Veränderungen ist deutlich. Auch auf bundesweiter Ebene gibt es Überlegungen, um den Rückgang bei Hausärztinnen und Hausärzten entgegenzuwirken. Eine gezielte Hausarztplanung könnte helfen, die Versorgung in den Regionen bis 2040 zu sichern. Der Handlungsbedarf ist spürbar, denn ohne Maßnahmen könnte in den nächsten 15 Jahren eine drohende Unterversorgung eintreten.

Professor Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER, betont die Dringlichkeit, Medizinstudierende gezielt in bestimmte Regionen zu entsenden, um die Unterversorgung zu verhindern. Auch die Übertragung ausgewählter Aufgaben auf nichtärztliche Assistenzberufe wird als Möglichkeit zur Effizienzsteigerung diskutiert. Die Herausforderungen sind also vielfältig, und es bleibt abzuwarten, wie die Verantwortlichen auf diese drängenden Fragen reagieren werden. Die Menschen im Rems-Murr-Kreis hoffen, dass ihre Stimmen gehört werden und sich die medizinische Versorgung nachhaltig verbessert.

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