In der evangelischen Kirche in Deutschland gibt es derzeit einige Herausforderungen zu meistern. Sinkende Mitgliederzahlen und ein Rückgang der Einnahmen aus Kirchensteuern machen vielen Gemeinden zu schaffen. Ein Beispiel dafür ist die Emmaus-Gemeinde in Reutlingen, die aus den fusionierten Kirchengemeinden in Ohmenhausen, Gönningen und Bronnweiler hervorgegangen ist. Diese Fusion wurde 2025 vollzogen, und die neue Gemeinde hat bereits ihren ersten ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Dieser fand Ende April in der evangelischen Peter und Paul Kirche in Gönningen statt und erhielt positive Rückmeldungen von den Gottesdienstbesuchern, die von der Predigt der neuen Pfarrerin Christine Siegl, 39 Jahre alt, begeistert waren.
Christine Siegl hat sich intensiv mit der Nutzung von Kirchengebäuden beschäftigt und zum Thema „Nutzungserweiterung von Dorfkirchen“ promoviert. Sie stellt sich der neuen Herausforderung mit einer 50-Prozent Stelle in der Emmaus-Gemeinde, wo sie gemeinsam mit einer weiteren Pfarrerin und einem Pfarrer die Gemeinden in Gönningen, Ohmenhausen und Bronnweiler betreut. Die Notwendigkeit, Ressourcen zu bündeln, betont auch Martin Zirngibl vom Kirchengemeinderat. Die Realität ist, dass nicht mehr jeden Sonntag an jedem Ort Gottesdienst gefeiert wird, was für viele Gemeindemitglieder sicher eine Umstellung bedeutet.
Ein neuer Weg für die Kirche
Christine Siegl ist nicht nur Pfarrerin, sondern wird auch als Professorin an der Hochschule der Methodistischen Kirche in Reutlingen tätig sein. Dies zeigt, wie wichtig es ist, neue Wege zu gehen und die Kirche an die modernen Bedürfnisse der Gesellschaft anzupassen. Siegl wohnt in Tübingen und möchte für ihre Gemeinde stets erreichbar sein. Ihre pragmatische Sicht auf die Nutzung der Kirchengebäude könnte dazu führen, dass diese zukünftig auch für soziale oder kulturelle Zwecke genutzt werden. Ein frischer Wind weht durch die Emmaus-Gemeinde, und viele hoffen auf neue Impulse.
Doch diese positiven Entwicklungen stehen in einem größeren Kontext. Die evangelische Kirche in Deutschland verzeichnete 2023 einen Rückgang bei Mitgliedszahlen und Kirchensteueraufkommen. Zum Stichtag 31.12.2023 gehörten nur noch 18.560.000 Menschen einer der 20 Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. Dies entspricht einem Rückgang von 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders auffällig ist die hohe Zahl der Kirchenaustritte, die mit etwa 380.000 zu Buche schlägt. Im gleichen Zeitraum gab es rund 140.000 Taufen und etwa 20.000 Aufnahmen in die evangelische Kirche. Die amtierende Ratsvorsitzende der EKD, Bischöfin Kirsten Fehrs, hat die Herausforderungen und gesellschaftlichen Erwartungen an die Kirche klar angesprochen.
Gemeinsam in die Zukunft
Die Emmaus-Gemeinde ist Teil dieses Wandels. Siegl und ihr Team stehen vor der Aufgabe, die Menschen in ihren neuen, größeren Gemeindegebieten zu erreichen und einzubinden. Die Fusion der Kirchengemeinden könnte eine Möglichkeit sein, die Kirche wieder relevanter zu machen. Innovative Ideen, wie die Nutzung von Kirchenräumen für verschiedene Zwecke, könnten dazu beitragen, dass die Menschen die Kirche nicht nur als einen Ort für Gottesdienste, sondern auch als einen Raum für Begegnungen und Unterstützung wahrnehmen.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Evangelische Kirche im Rheinland 2023 rund 74.000 Mitglieder verlor, während die Evangelische Landeskirche in Baden mit 1.004.393 Mitgliedern einen Rückgang von 21.731 Austritten verzeichnete. Die EKD und die einzelnen Landeskirchen versuchen, auf diese Entwicklungen zu reagieren, indem sie verschiedene Initiativen und Programme ins Leben rufen. Das zeigt, dass die Kirche sich anpassen muss, um in der heutigen Zeit bestehen zu können.
Die Emmaus-Gemeinde in Reutlingen ist ein Beispiel dafür, wie Gemeinden versuchen, neue Wege zu gehen und den Herausforderungen des Wandels zu begegnen. Vielleicht wird die Kombination aus Tradition und Innovation der Schlüssel sein, um die Kirche wieder näher an die Menschen zu bringen. Die Entwicklungen in Reutlingen sind sicherlich ein spannendes Kapitel in der Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland.
