In Schwäbisch Gmünd brodelt es unter der Oberfläche – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Eigentümerin einer Wohnung, Eleanor von Winter, hat einen massiven Hangrutsch unterhalb der Oberbettringer Straße 75, 77 und 79 festgestellt. Sie sieht die Fällung von Fichten im Jahr 2023 als Hauptursache für diese gefährliche Situation. Das Regierungspräsidium Stuttgart ist bereits eingeschaltet und prüft die Rolle der Stadt in diesem Fall. Schließlich hat die Stadt Schwäbisch Gmünd einen Teil des Hangs gepachtet, um einen Wald in Herzform zu schaffen, und ließ im Sommer 2023 kaputte Fichten abholzen. Das hat jetzt fatale Folgen.
Über die Jahre gab es bereits Hinweise auf Rutschgefahr, die in den Baugenehmigungen der betroffenen Häuser aus den frühen 1990er-Jahren vermerkt sind. Seit Dezember 2023 sind Fachleute damit beschäftigt, den Hang zu vermessen, und die Zahlen sind alarmierend: Bis September 2025 soll sich der Hang um 5,2 Meter bewegt haben. Nach Starkregen im Juni 2024 war die Abrisskante so nah an Haus 77, dass die Bewohner evakuiert werden mussten. Die Eigentümergemeinschaften stehen nun unter Druck: Seit Ende April 2026 müssen sie monatlich die Standsicherheit der Gebäude nachweisen, andernfalls droht eine Nutzungsuntersagung und ein Zwangsgeld von 2.500 Euro.
Stadtverwaltung und Interessenskonflikte
Besonders spannend wird es, wenn man die Verflechtungen innerhalb der Stadtverwaltung betrachtet. Eleanor von Winter äußert Bedenken hinsichtlich eines möglichen Interessenskonflikts zwischen der Stadt und der Vereinigten Gmünder Wohnungsbaugesellschaft (VGW), deren Aufsichtsratsvorsitzender der Oberbürgermeister ist. Christian Baron, der erste Bürgermeister, gibt zu, dass es eine enge Beziehung zwischen Stadtverwaltung und VGW gibt, betont jedoch, dass alle Anträge gleich behandelt werden. Doch die Frage bleibt: Ist das wirklich so? Die Geologen und Statiker, die die Standsicherheit der Gebäude bescheinigt haben, warnen, dass sich die Lage jederzeit ändern kann.
Der Druck auf die Eigentümer steigt, denn die Stadt hat ein Ultimatum bis zum 20. Februar gesetzt. Wenn die Standsicherheit nicht nachgewiesen wird, könnte die Stadt als Ordnungs- und Baurechtsbehörde eingreifen, was zur Räumung der Wohnungen führen könnte. In einem solchen Fall wäre die Stadt verpflichtet, Wohnraum bereitzustellen, um drohender Obdachlosigkeit vorzubeugen. Und das alles könnte richtig teuer werden: Schätzungen zufolge könnten die Sicherungsmaßnahmen bis zu 1,4 Millionen Euro kosten. Für das Haus an der Abbruchkante wird mit Kosten von 350.000 bis 500.000 Euro gerechnet, für die Nachbarhäuser mit 150.000 bis 200.000 Euro.
Die Unsicherheit bleibt
Die Unsicherheit ist greifbar. Die Fichten, die einst den Hang stabilisierten, wurzelten nicht tief genug, und die Rutschung reicht bis in eine Tiefe von fünf Metern. Hinzu kommt der Druck, den die Schneeschmelze im Frühjahr auf den Hang ausüben könnte. Die VGW, die zwei der drei betroffenen Häuser verwaltet, hofft auf ein neues Gutachten oder belastbare Informationen bis zur Frist. Gespräche mit den Versicherungen laufen bereits, doch bislang gibt es keine Zusagen.
Die Eigentümer planen eine außerordentliche Versammlung, um Reparaturen und Kosten zu diskutieren. Sie sind in einer Zwickmühle – einerseits müssen sie handeln, andererseits ist das Risiko, finanziell auf die Nase zu fallen, groß. Wenn die Situation nicht bald geklärt wird, könnte das nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die gesamte Stadt zu einem ernsthaften Problem werden. Die Faktoren, die die Stabilität von Hängen beeinträchtigen, sind vielfältig: Massenschwerebewegungen, Steinschlag und andere Naturgewalten. Ein unverzügliches Handeln ist unerlässlich – sowohl für die Sicherheit der Bewohner als auch für die Zukunft der Stadt.
