In Tübingen schlägt die Nachricht wie ein Blitz ein: BioNTech hat am Dienstag die Schließung der Produktion von Corona-Impfstoffen in Deutschland angekündigt. Die Entscheidung betrifft nicht nur die eigenen Werke, sondern auch die CureVac-Standorte, und das hat weitreichende Folgen. Insgesamt sollen bis zu 1.860 Stellen wegfallen, darunter 820 bei CureVac. Besonders bitter ist die Schließung des Standorts in Tübingen, die bis Ende 2027 vollzogen werden soll. Heiko Klever, der Betriebsratsvorsitzende von CureVac, äußert sich besorgt und spricht von Anzeichen, die auf die Schließungen hindeuteten. Die Schwere dieser Entscheidung – damit hatten die Mitarbeitenden nicht gerechnet.

Die Hintergründe sind klar: Der Produktionsbedarf für COVID-Impfstoffe ist gesunken, da künftig Pfizer die gesamte Produktion übernehmen wird. Das ist ein harter Schlag für die Branche. Tübingen, Idar-Oberstein, Marburg und sogar das weit entfernte Singapur sind betroffen. In Idar-Oberstein herrscht große Enttäuschung. Der Oberbürgermeister bezeichnet die Schließung als „Hiobsbotschaft“. Während die Mitarbeitenden von CureVac bis zuletzt auf eine Fortsetzung der Forschungsprojekte hofften, sind diese seit Monaten zum Stillstand gekommen. Der Betriebsrat spricht von einem Vertrauensbruch, da die Mitarbeitenden in die Entscheidung nicht einbezogen wurden.

Finanzielle Dimensionen und Zukunftsperspektiven

BioNTech plant, die Schließungen durch teilweise oder vollständige Verkaufsverhandlungen der Standorte zu realisieren. Ein strategischer Schachzug, um jährlich rund eine halbe Milliarde Euro einzusparen. Die finanziellen Schwierigkeiten sind nicht zu vernachlässigen: Im ersten Quartal 2026 meldete BioNTech einen Verlust von 532 Millionen Euro, trotzdem verfügt das Unternehmen über fast 17 Milliarden Euro an liquiden Mitteln. Nach der Ankündigung fielen die Aktien um mehr als fünf Prozent. Das zeigt, wie angespannt die Lage ist.

Die Übernahme von CureVac im Dezember 2022 für 1,25 Milliarden Dollar war ein großer Schritt, allerdings kam sie nach einem Rechtsstreit zustande. Während der Corona-Pandemie waren CureVac und BioNTech Konkurrenten im Rennen um den mRNA-Impfstoff. Nun, da BioNTech mit einem klaren Fokus auf Krebstherapien umschwenkt, ziehen sich die Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci bis Ende des Jahres von der Unternehmensspitze zurück, um ein neues Unternehmen zu gründen, das sich auf mRNA-Forschung konzentrieren will.

Der menschliche Aspekt und die Auswirkungen

Die Schließungen haben nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sehr persönliche Konsequenzen. Viele der 800 Mitarbeitenden bei CureVac fühlen sich verlassen und enttäuscht. Die Hoffnungen auf neue Projekte sind in Luft aufgelöst. Das Gefühl, dass die Entscheidung über ihre Zukunft ohne sie getroffen wurde, nagt an vielen. Ein Umstand, der die Motivation und das Vertrauen in die Führung nachhaltig beeinträchtigen könnte.

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Während die Entscheidung von BioNTech weitreichende Folgen hat, bleibt der Blick auf die Zukunft und die möglichen Käufer der Standorte gerichtet. Ob diese Ankündigung ein Umdenken in der Branche anstößt oder ob wir eine weitere Welle von Schließungen erleben, bleibt abzuwarten. Die Entwicklungen der kommenden Monate werden zeigen, wie es für die Mitarbeitenden und die betroffenen Standorte weitergeht.