Heute ist der 24.04.2026 und in Tübingen wird über ein brisantes Thema diskutiert: die Nilgänse. Diese nicht-heimische Vogelart hat sich seit den 1990er-Jahren in Deutschland etabliert und breitet sich zunehmend in urbanen Gewässern aus. Oberbürgermeister Boris Palmer bringt nun den Abschuss der Nilgänse ins Gespräch, was zu einem heftigen Streit führt. Palmer sieht in den Nilgänsen ein Problem, da sie große Mengen Kot produzieren und heimische Wasservögel wie die Stockente verdrängen könnten. Doch die Wissenschaft gibt Entwarnung.

Ornithologen und Wissenschaftler der Universität Tübingen betonen, dass es keine Belege dafür gibt, dass Nilgänse tatsächlich heimische Arten verdrängen. Die Bestände der Stockente sind stabil, insbesondere am Neckar und Anlagensee. Auch wenn Nilgänse sich territorial verhalten und andere Vögel vertreiben, geschieht dies meist nur lokal und hat keine größeren Auswirkungen auf die Populationen anderer Vogelarten. In vielen anderen Städten wird ein „friedliches Nebeneinander“ von Stockente und Nilgans beobachtet.

Die Forderungen von Boris Palmer

Palmer fordert den sofortigen Abschuss von Nilgänsen in Tübingen und warnt vor einer „explosionsartigen Vermehrung“, wenn nicht schnell gehandelt wird. Er hat bereits Ende März auf Facebook vor der rasanten Ausbreitung der Nilgänse gewarnt und fordert eine Ausnahmegenehmigung für die Jagd auf die Vögel innerhalb des Stadtgebiets. Der Gemeinderat stellt jedoch die Frage, ob ein Verzicht auf tödliche Maßnahmen möglich sei. Palmer kritisiert Tierschützer, die seiner Meinung nach notwendige Maßnahmen blockieren und Sentimentalismus schüren.

Der Deutsche Jagdverband unterstützt Palmers Forderung nach einer bundesweiten Bejagung der Nilgans, um ökologische und ökonomische Schäden zu verhindern. Er warnt vor den Folgen eines Jagdverbots, wie es in den Niederlanden vor zehn Jahren zu beobachten war. In Baden-Württemberg wurde 2026 die Schonzeit für Nilgänse abgeschafft, was die Diskussion weiter anheizt.

Die wissenschaftliche Perspektive

Wissenschaftler sind skeptisch gegenüber den Forderungen nach Abschüssen. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sieht den Abschuss kritisch und fordert eine nachhaltige Nutzung der bejagten Tiere. Auch der Nabu betont, dass es keine eindeutigen Belege für die Verdrängung anderer Arten durch Nilgänse gibt. Neueste Studien zeigen, dass Nilgänse sich ohne nachweisbare negative Effekte ansiedeln. Der Jagddruck auf Nilgänse in neun Bundesländern hat die Ausbreitung nicht gestoppt, und Abschüsse in besiedelten Gebieten könnten gefährlich sein.

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Zusätzlich schlägt Palmer den Einsatz von Greifvögeln zur Bekämpfung der Nilgänse vor, während der Nabu nicht-lethal Methoden zur Lenkung der Nilgänse empfiehlt. Dazu gehören Fütterungsverbote, die Schaffung von Ausweichflächen und Gänsebarrieren. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in Tübingen weiterentwickeln wird und ob ein Konsens zwischen den verschiedenen Parteien erreicht werden kann.

Die Diskussion um die Nilgänse ist nicht nur lokal, sondern spiegelt auch ein größeres Problem wider: Wie geht man mit nicht-heimischen Arten um, die durch menschliche Aktivitäten in neue Gebiete gelangen? In Deutschland gibt es über 7.500 Brutpaare der Nilgans, die als Neozoon gelten und seit 2017 auf die Unionsliste potenziell invasiver Arten gesetzt wurden. Ein Managementplan für die Nilgans ist in Arbeit, und die öffentliche Konsultation läuft.

Für Tübingen und darüber hinaus ist klar: Die Nilgans sorgt vielerorts für Diskussionen und wird weiterhin ein Thema bleiben, das sowohl Tierschützer als auch Politik und Wissenschaft beschäftigt. Weitere Informationen finden Sie in den Quellen: Tagesschau, Merkur, und NABU.