In Tübingen sorgt die aggressive Ausbreitung der Nilgänse für heftige Diskussionen. Der parteilose Oberbürgermeister Boris Palmer fordert den sofortigen Abschuss dieser invasiven Vogelart, die nicht nur heimische Wasservögel verdrängt, sondern auch große Mengen Kot hinterlässt. Palmer warnt seit Ende März auf Facebook vor der „Nilgansepidemie“ am Neckar und erklärt, dass ein Jäger eine Nilgans mit Küken „in einer Minute“ abschießen könnte. Seiner Meinung nach ist es an der Zeit, die Nilganspopulation im Stadtgebiet zu kontrollieren und dafür eine Ausnahmegenehmigung für die Jagd zu erwirken.

Der Druck auf die Natur wird durch das aggressive Verhalten der Nilgänse gegenüber Menschen und die Verschmutzungen, die sie hinterlassen, weiter verstärkt. Palmer äußert Bedenken, dass die Kinder in Tübingen die heimische Stockente nicht mehr erkennen könnten, wenn die Nilgänse weiterhin dominieren. Trotz dieser Probleme schlägt die Forderung nach einem Abschuss hohe Wellen: Widerstand kommt sowohl aus dem Gemeinderat als auch von Naturschützern, die Palmers Vorgehen als zu radikal empfinden.

Kontroversen um den Nilgans-Abschuss

Boris Palmers Kritik an Tierschützern, die seiner Ansicht nach Sentimentalismus schüren und notwendige Maßnahmen blockieren, hat die Diskussion weiter angeheizt. Der Deutsche Jagdverband unterstützt Palmer und fordert eine bundesweite Bejagung der Nilgänse, um ökologische und ökonomische Schäden zu verhindern. Der Verband warnt vor den Folgen eines Jagdverbots, wie es in den Niederlanden vor zehn Jahren zu einem Gänseproblem führte.

In Baden-Württemberg wurde zudem die Schonzeit für Nilgänse abgeschafft, was die Jagdmöglichkeiten erweitert. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) äußert jedoch Skepsis gegenüber einem Abschuss und fordert eine nachhaltige Jagd, die nur bei sinnvoller Nutzung in Betracht gezogen werden sollte. Der Nabu weist darauf hin, dass es keine eindeutigen Belege für die Verdrängung anderer Arten durch Nilgänse gibt und bezeichnet die Forderung nach einem Abschuss als „fadenscheiniges Vehikel“.

Hintergrund zur Nilgans

Die Nilgans ist eine nicht-heimische Vogelart, die ursprünglich aus Afrika südlich der Sahara und Ägypten stammt. In Deutschland gibt es mittlerweile über 7.500 Brutpaare, wobei die Hauptverbreitung in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen zu finden ist. Diese Art gilt als Neozoon, da sie durch menschliche Aktivitäten in Europa verbreitet wurde. Im Jahr 2017 wurde die Nilgans auf die Unionsliste potenziell invasiver Arten gesetzt, was die Diskussion um ihre Bejagung weiter anheizte.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die EU-Richtlinie von 2014 zur Prävention und zum Management invasiver Arten fordert von Deutschland die Erstellung eines Managementplans für die Nilgans, wobei eine öffentliche Konsultation bereits läuft. Die Jagd auf Nilgänse ist in neun Bundesländern erlaubt, allerdings zeigt die Jagd kaum Einfluss auf die Bestandsentwicklung der Art. Der NABU lehnt eine Bestandsreduktion durch Jagd ab und sieht die Jagd lediglich als sinnvolle Nutzung für Fleischgewinnung an.

Zusammenfassend bleibt die Situation in Tübingen angespannt, während die Meinungen über den Umgang mit den Nilgänsen weiterhin stark auseinandergehen. Palmers Vorschläge, zu denen auch der Einsatz von Greifvögeln gehört, könnten möglicherweise einen anderen Ansatz zur Bekämpfung der invasiven Art darstellen. Ob die Stadt Tübingen jedoch tatsächlich zu letalen Maßnahmen greifen wird, bleibt abzuwarten.

Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie den Artikel auf fr.de und jaegermagazin.de nachlesen. Weitere Einblicke bietet der Naturschutzbund Deutschland unter nabu.de.