Am Samstag, den 30. April 2026, war für den SSV Ulm 1846 Fußball der letzte Tag in der 3. Liga. Mit einer 0:2-Niederlage gegen Viktoria Köln wurde der Abstieg besiegelt. Die Ulmer Mannschaft war bereits unter Druck, und das Spiel gegen Köln war kein Spaziergang. Unter den Zuschauern machte sich eine bedrückende Stimmung breit, als die Mannschaft nicht in der Lage war, offensiv Akzente zu setzen. Stattdessen dominierte Köln das Geschehen und hielt die Ulmer in ihrer eigenen Hälfte fest. Das Team von Trainer Pavel Dotchev, der nach der Saison nicht mehr im Amt sein wird, aber für die letzten drei Ligaspiele bleibt, zeigte wenig Kreativität und Durchschlagskraft.

Die erste Halbzeit endete zwar torlos, aber die besten Chancen lagen dennoch bei den Kölnern. Velasco scheiterte am Ulmer Keeper Ortag, und der Druck auf Ulm wuchs. Mit einer verletzungsbedingten Auswechslung von Meier vor der Pause kam zusätzliche Unruhe ins Spiel. Nach dem Seitenwechsel blieb Ulm harmlos, während Köln die Überhand behielt. In der 72. Minute erzielte Münst das 1:0, und nur neun Minuten später erhöhte Kozuki auf 2:0. Damit war der Abstieg des SSV Ulm endgültig besiegelt.

Ein langer Abwärtstrend

Der Abstieg aus der 3. Liga ist das traurige Ende eines Abwärtstrends, der bereits in der letzten Saison begann. Die Entscheidung, den Aufstiegstrainer Thomas Wörle im März 2025 freizustellen, wird als einer der größten Fehler in der Geschichte des Vereins angesehen. Nach Wörle übernahmen Robert Lechleiter und Moritz Glasbrenner als U19-Trainer, aber das brachte nicht den gewünschten Erfolg. Pavel Dotchev, der als Rekordtrainer der 3. Liga gilt, konnte den drohenden Abstieg nicht abwenden – ein erstes Mal in seiner Karriere.

Die Unruhe im Verein wurde durch Rücktritte im Aufsichtsrat und Vorstand weiter angeheizt. Kapitäne Johannes Reichert und Christian Ortag schickten einen Brandbrief an den Aufsichtsrat, in dem sie um Hilfe baten und einen Neuanfang forderten. Die Verletztenmisere, die schon im ersten Spiel mit einem Kreuzbandriss von Reichert begann, zog sich durch die gesamte Saison. Viele Leistungsträger konnten nicht gehalten werden, und der Kader war unzureichend geplant. Ex-Sportchef Markus Thiele verpflichtete überwiegend Spieler von geringer Qualität, was die Situation noch verschärfte.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

Das Thema Abstieg hat nicht nur sportliche, sondern auch rechtliche Dimensionen. In den Verträgen von Trainern und Spielern im Profisport gibt es häufig Ligaklauseln, die das Arbeitsverhältnis bei einem Abstieg oder Lizenzverlust automatisch beenden. Diese Klauseln sind darauf ausgelegt, Planungssicherheit zu bieten und wirtschaftliche Risiken zu minimieren. Juristisch werden sie als „auflösende Bedingung“ betrachtet und müssen strengen Anforderungen genügen, um wirksam zu sein.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie kompliziert es sein kann – ein Trainer mit einem Vertrag bis 2028, der nach einem sportlichen Abstieg gekündigt wurde, klagte erfolgreich gegen diese Kündigung. Das Arbeitsgericht entschied, dass die Ligaklausel unwirksam war, weil Unklarheiten über den Zeitpunkt des Abstiegs und den Lizenzverlust bestanden. Solche Fälle verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass Ligaklauseln klar und formal korrekt formuliert werden, um rechtliche Probleme zu vermeiden.

Für den SSV Ulm steht nun ein Sommer der grundlegenden Entscheidungen an – sowohl sportlich als auch strukturell und personell. Die Herausforderung wird sein, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und den Verein wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Ein Neuanfang ist nötig, und ob dieser gelingt, bleibt abzuwarten.