In Ulm hat die Stadt einen bedeutenden Verlust erlitten. Annegert Bock, eine prägende Figur der Ulmer Gesellschaft 50, ist im April im Alter von 84 Jahren verstorben. Sie war über vier Jahrzehnte im Vorstand des Vereins tätig und setzte sich unermüdlich für den politischen und kulturellen Fortschritt in der Stadt ein. Die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung findet am Mittwoch, den 27. Mai, um 11 Uhr auf dem Ulmer Friedhof statt. Ihre Reise begann in Bonn, von wo aus sie in den 1960er Jahren nach Ulm zog, wo sie schließlich zur ersten Frau im Vorstand der Gesellschaft 50 wurde.
Die Gesellschaft 50 wurde im Jahr 1950 gegründet und war ein Motor für kulturelle Entwicklungen in Ulm. In einer Zeit, in der die Nachwirkungen des Nationalsozialismus noch spürbar waren, trugen engagierte Mitglieder wie Annegert Bock dazu bei, eine neue, demokratische und offene Gesellschaft zu schaffen. Bock war nicht nur eine treue Seele, die sich für die Belange des Vereins einsetzte, sondern auch eine kritische Beobachterin des politischen und gesellschaftlichen Lebens in der Region. Ihr Engagement ging so weit, dass sie zum Ende der Vereinsgeschichte sogar die Rolle der Liquidatorin übernahm.
Ein Leben für die Kultur
Die Gründung der Gesellschaft 50 war das Resultat einer Vereinsitzung im Gasthaus „Zur Forelle“ im Herbst 1949. Dort beschlossen Künstler und Stadtbaudirektor Max Guther, einen neuen Verein ins Leben zu rufen, der sich dem Fortschritt verschrieben hat. Die erste Satzung wurde 1951 erstellt, und die Gesellschaft 50 entwickelte sich schnell zu einer bedeutenden kulturellen Vereinigung. Die Mitglieder, darunter auch Persönlichkeiten wie Kurt Fried und Otl Aicher, organisierten die „Ulmer Konzerte“ in den 1960er Jahren, die unter anderem Auftritte von renommierten Künstlern wie Pierre Boulez umfassten.
Annegert Bock war eine Schlüsselperson in dieser Entwicklung. Sie kämpfte dafür, das Elitäre im Verein abzuschaffen und eine offenere Struktur zu schaffen. Die Gesellschaft 50 war nicht nur ein Ort der Kunst, sondern auch ein Forum für politische Auseinandersetzungen und Diskussionen über den Wiederaufbau in den 1950er Jahren. Obwohl der Verein 2017 aufgelöst wurde, bleibt sein Erbe in der kulturellen Landschaft Ulms lebendig.
Das Erbe der Gesellschaft 50
Nach der Auflösung wurden die Unterlagen des Vereins im Sommer 2019 dem Stadtarchiv übergeben. Dies stellt sicher, dass die Geschichte und die Errungenschaften der Gesellschaft 50 nicht in Vergessenheit geraten. Dagmar Hub hat eine Vereinschronik unter dem Titel „Die Gesellschaft 50 – Mythos, Nimbus oder was?“ verfasst, die einen tiefen Einblick in die faszinierende Geschichte des Vereins gibt. Annegert Bocks unermüdlicher Einsatz für eine offene und demokratische Gesellschaft wird in dieser Chronik lebendig.
Für alle, die mehr über die kulturelle Entwicklung Ulms erfahren möchten, lohnt sich ein Blick auf die Ausstellungen im Stadtarchiv. Dort finden sich zahlreiche Informationen über die Demokratiebewegungen und kulturellen Initiativen, die die Stadt geprägt haben. Weitere Informationen sind auf der Website des Stadtarchivs zu finden.
