Gaffen gefährdet Leben: Rettungskräfte fordern mehr Respekt
Im Landkreis Aichach-Friedberg haben die Rettungskräfte in letzter Zeit mit einem besorgniserregenden Phänomen zu kämpfen: Gaffer. Bei einem tragischen Badeunfall am Weitmannsee in Kissing, der am vergangenen Sonntag stattfand, klagten die Helfer über neugierige Passanten, die während des Einsatzes mit ihren Handys filmten. Mika Pill, der Rettungsdienstleiter des Bayerischen Roten Kreuzes, betonte die gesunkene Hemmschwelle beim Filmen von Einsätzen. Iris Nowak, Pressesprecherin der Johanniter, berichtete von ähnlichen Erfahrungen, insbesondere bei Verkehrsunfällen auf Autobahnen, wo die Ablenkung durch Schaulustige die Rettungsarbeiten erheblich behindert.
Die Situation ist nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich. Patrick Schneider, Leiter der Wasserwacht in Friedberg, erinnerte an einen Vorfall am Baggersee, bei dem zwei Personen reanimiert werden mussten. Um den Betroffenen mehr Privatsphäre zu bieten, haben die Rettungskräfte mobile Sichtschutzwände angeschafft. Diese Wände sind mittlerweile Teil der Ausrüstung sowohl der Johanniter als auch des Roten Kreuzes. In der Regel konzentrieren sich die Einsatzkräfte auf die medizinische Versorgung, während die Polizei dafür zuständig ist, die Gaffer in Schach zu halten.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen
Obwohl das Filmen in der Öffentlichkeit grundsätzlich erlaubt ist, gibt es klare Grenzen. Die Polizei kann nur eingreifen, wenn beim Filmen Straftaten begangen werden, etwa bei Aufnahmen von schwer verletzten oder toten Personen. Unterlassene Hilfeleistung kann mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft werden. Gaffer, die verletzte oder verunglückte Fahrzeuge filmen oder fotografieren, riskieren sogar bis zu zwei Jahre Haft oder Geldstrafe. Seit 2021 ist es zudem strafbar, Fotos oder Videos von Verstorbenen anzufertigen. Der ADAC fordert dringend einen besseren Schutz für verstorbene Personen vor bloßstellenden Aufnahmen.
Die emotionalen und logistischen Probleme, die Gaffer verursachen, sind nicht zu unterschätzen. Wenn die Rettungskräfte durch Schaulustige behindert werden, kann das fatale Folgen für Unfallopfer haben. Jede Minute zählt, und das Gaffen kann die medizinische Versorgung verzögern. Die Helfer berichten immer wieder von aggressivem Verhalten der Schaulustigen, was die Situation zusätzlich belastet. Der Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino vom ADAC erklärt, dass vielen Gaffern das Situationsbewusstsein fehlt – Neugier ist zwar menschlich, doch Sensationslust kann Anstand und Empathie überlagern.
Ein Appell an die Öffentlichkeit
Die Polizei und die Rettungskräfte bitten die Öffentlichkeit eindringlich, sich im Ernstfall verantwortungsvoll zu verhalten. Das bedeutet, dass Verkehrsteilnehmer eine Rettungsgasse auf Autobahnen freihalten und bei einem Unfall zügig vorbeifahren sollten, ohne stehen zu bleiben. Es ist wichtig, die Anweisungen von Polizei und Einsatzkräften zu befolgen und auf keinen Fall Fotos oder Videos vom Unfallgeschehen zu machen. Gaffen kann nicht nur rechtliche Konsequenzen haben, sondern auch Menschenleben gefährden. Die Bekämpfung dieses Problems erfordert eine Kombination aus Aufklärung und konsequenter Ahndung der Verstöße – denn die Rettungskräfte sind auf die Unterstützung der Öffentlichkeit angewiesen.
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