Psychosoziale Notfallversorgung in Aichach-Friedberg: Hilfe und Unterstützung in Krisenzeiten
In der Region Aichach-Friedberg gibt es eine bemerkenswerte Initiative zur Krisenintervention, die das Leben vieler Menschen berührt – die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV). Hier engagieren sich Menschen wie Tina Wunder und Marcus Jänke, die in ihren jeweiligen Rollen eine immense Verantwortung tragen. Die PSNV hat zwei Varianten: PSNV-E für Einsatzkräfte und PSNV-B für Betroffene. Das Bistum Augsburg, das etwa 40 ehrenamtliche Notfallseelsorger bereitstellt, arbeitet eng mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) und den Maltesern zusammen. Diese Partnerschaft ermöglicht eine effektive und ganzheitliche Betreuung für Menschen in Not.
Tina Wunder, als Systemleiterin Notfallseelsorge, und Marcus Jänke, der stellvertretende Teamleiter für Krisenintervention beim BRK, sind zwei der ansässigen Fachkräfte, die rund um die Uhr im Einsatz sind. Ihre Arbeit erfordert eine ein- bis zweijährige Ausbildung – eine Voraussetzung, um in diesem sensiblen Bereich tätig zu werden. Die PSNV wird automatisch bei bestimmten Meldebildern alarmiert, wie etwa plötzlichen Todesfällen oder Unfällen. Einmal im Jahr sind die Einsatzkräfte etwa 500 bis 600 Mal im Einsatz, wobei jeder Einsatz in der Regel zwei bis vier Stunden dauert.
Die Herausforderungen der Krisenintervention
Die größte Herausforderung für Jänke ist es, Angehörigen Todesnachrichten zu überbringen. Das muss man sich mal vorstellen: In einem Moment des Schocks und der Trauer die richtigen Worte zu finden, ist eine Kunst für sich. Er beschreibt, dass er durch seine Arbeit ein anderes Verhältnis zum Thema Tod entwickelt hat und betont die friedliche Seite des Todes sowie die Bedeutung von Ritualen zur Verabschiedung. Ein berührendes Beispiel aus seiner Praxis ist die Geschichte einer Mutter, die zwei Jahre nach dem Suizid ihres Sohnes dankbar für die Unterstützung war.
Die PSNV-Mitarbeiter bieten nicht nur emotionale Unterstützung für Betroffene, sondern auch Anschlusshilfen, die von Haushaltsunterstützung bis hin zu Therapieangeboten reichen. Man kann sich das wie ein Netz vorstellen, das nach einem schockierenden Ereignis gewoben wird, um den Betroffenen Sicherheit zu geben – eine Art Lebensanker in stürmischen Zeiten.
Unterstützung für Einsatzkräfte
Doch nicht nur die Zivilbevölkerung profitiert von dieser wichtigen Arbeit. Die PSNV-E ist speziell für Einsatzkräfte gedacht, die oft selbst extremen Gefahren ausgesetzt sind und Not, Leid und Tod hautnah erleben. Hier kommen die Malteser ins Spiel, die Teams aus geschulten Einsatzkräften zusammenstellen, um eine angemessene Unterstützung nach belastenden Einsätzen zu bieten. Die Ausbildung erfolgt gemäß den Richtlinien der International Critical Incident Stress Foundation (ICISF), und die Teams bieten sowohl Einzel- als auch Gruppengespräche an, um den schnelleren Abbau von einsatzbedingten Belastungsreaktionen zu fördern.
Die Ausbildung zur PSNV-E Einsatzkraft ist umfangreich und gliedert sich in mehrere Module, von psychischer Erster Hilfe bis hin zu spezifischen Interventionstechniken. Dabei müssen die Teilnehmer nicht nur fachlich fit sein, sondern auch psychisch stabil – eine Herausforderung, die nicht zu unterschätzen ist.
In der PSNV wird das Motto „Da sein, zuhören – und aushalten“ großgeschrieben. Es ist mehr als nur ein Satz; es ist eine Philosophie, die die Arbeit der Notfallseelsorger prägt. In einer Welt, die oft kalt und distanziert erscheint, sind diese Menschen ein Lichtblick, eine Quelle der Wärme und des Verständnisses in der Dunkelheit der Trauer.
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