Die Metzgerei Pfleger in Kochel am See ist nicht nur ein Ort, an dem Fleischwaren produziert werden, sondern auch ein Stück Geschichte. Seit über 100 Jahren wird der Betrieb von Eduard und Birgit Pfleger in dritter Generation geführt. Eduard Pfleger, der mit der Metzgerei aufgewachsen ist, zeigt sich stets engagiert und wird von seinem Senior, der noch aktiv mithilft, unterstützt. Interessanterweise wollen zwei von drei Kindern den Betrieb einmal weiterführen, was Hoffnung für die Zukunft gibt. Dennoch ist die öffentliche Meinung über den Beruf des Metzgers alles andere als positiv. Trotz der erfolgreichen Ausbildung seiner Tochter Carolin hat der Beruf mit Vorurteilen zu kämpfen.

Umso bemerkenswerter ist die jüngste Auszeichnung, die die Metzgerei Pfleger erhalten hat: den Staatsehrenpreis, als eine der besten Metzgereien Bayerns. Diese Ehrung basiert auf konstanten Bestnoten bei den Qualitätsprüfungen des Fleischerverbands Bayern. Die Metzgerei schlachtet selbst, hat seit 2009 eine EU-Zulassung und legt großen Wert auf eine stressfreie Schlachtung. Die Tiere kommen von regionalen Bauern, was kurze Transportwege garantiert. In der Metzgerei werden etwa 80 verschiedene Fleisch- und Wurstsorten produziert, viele davon werden auch in der Filiale in Murnau verkauft.

Herausforderungen der Branche

Die Herausforderungen für die Metzgerei sind jedoch nicht zu unterschätzen. Eduard Pfleger ist seit 28 Jahren im Gemeinderat aktiv und hofft auf jüngere Nachfolger, um den Betrieb weiterzuführen. Der hohe Arbeitsaufwand von 70 bis 80 Stunden pro Woche, mit nur sonntags frei, ist eine Herausforderung, die viele nicht auf sich nehmen möchten. Zudem gibt es einen drastischen Rückgang der Metzgereien. In den 1990er Jahren gab es über 40 Mitgliedsbetriebe, heute sind es nur noch 19. Die Gründe dafür sind vielfältig: strenge EU-Auflagen, Personalprobleme und das Fehlen von Nachfolgern setzen den Betrieben zu.

Ein weiteres Beispiel ist die Großmetzgerei Vinzenz Murr, die Filialen schließen musste. Die steigenden Schlachtpreise bringen viele kleine Bauern an den Rand der Existenz. Wenn diese aufhören, werden die Transportwege für das Schlachtvieh womöglich länger – ein besorgniserregender Trend. Hinzu kommt, dass die Fleischerzeugung in Bayern seit 2015 um rund 20 Prozent gesunken ist, besonders bei Schweinefleisch. Allerdings gibt es auch einen Wandel: Die Nachfrage nach Lamm und Wild steigt, wobei diese von Jägern und den Bayerischen Staatsforsten bezogen werden.

Politische Unterstützung für kleine Betriebe

Um kleinen, regionalen Schlachtbetrieben wie der Metzgerei Pfleger mehr Unterstützung zu bieten, wurde kürzlich im Bayerischen Landtag ein Gesetzentwurf zur Neuordnung der Fleischhygienegebühren behandelt. Umweltminister Thorsten Glauber betonte dabei die Bedeutung dieser Betriebe für Innovation, Tradition, Regionalität und vor allem das Tierwohl. In Bayern gibt es über 1.500 kleine Schlachtbetriebe, die für die Vielfalt der Lebensmittel stehen. Die neue Regelung sieht eine Vereinheitlichung der Gebühren vor, was bedeutet, dass kleine Betriebe, die weniger Tiere schlachten, feste Gebühren pro Tier zahlen müssen – 7 Euro pro Schwein und 14 Euro pro Rind. Diese Maßnahmen sollen helfen, die Existenz kleiner Betriebe zu sichern und die Hofnahe Schlachtung zu fördern.

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Die Beihilfe-Notifizierung bei der EU-Kommission ist bereits eingeleitet worden, um die finanziellen Einbußen bei den Kommunen auszugleichen. Insgesamt sind dafür jährlich 5 Millionen Euro vorgesehen. Solche Schritte sind dringend notwendig, wenn man bedenkt, dass aktuell weniger als 100 Betriebe über 90 Prozent der Tiere schlachten. Das zeigt, wie sehr die Branche unter Druck steht und wie wichtig es ist, die kleinen Betriebe zu unterstützen.

Eduard Pfleger selbst hat einen besonderen Bezug zu seinem Handwerk. Sein Lieblingsgericht ist der saure Presssack – ein wahrhaft traditionelles Gericht, das gut zu den Werten der Metzgerei passt. Die Pfleger’sche Metzgerei steht somit nicht nur für Qualität und Regionalität, sondern auch für die Bewahrung handwerklicher Traditionen in einer sich schnell verändernden Welt.

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