Heute ist der 15.05.2026, und in Wolfratshausen brodelt es gewaltig. Uniper, das Unternehmen, das für die Sanierung des Loisach-Isar-Kanals verantwortlich ist, hat kürzlich eine rodende Offensive gestartet, die bei Anwohnern und Mitgliedern des Stadtrats auf großes Unverständnis stößt. Die Bäume am Ufer des Kanals müssen weichen – eine Maßnahme, die viele als unverhältnismäßig empfinden, insbesondere wenn man bedenkt, wie viel Natur hier verloren geht. Angesichts der Rodungen hat die Wolfratshauser Liste eine Petition ins Leben gerufen, die bereits über 560 Unterschriften gesammelt hat. Diese Petition wird dem Bayerischen Landtag übergeben, mit dem Ziel, den Lebensraum und Erholungsraum in der Region zu schützen. Mehr dazu hier.
Doch was steckt hinter diesen heftigen Maßnahmen? Uniper führt Sanierungsarbeiten durch, um den über hundert Jahre alten Kanal abzudichten. Es gibt undichte Stellen, die dringend behoben werden müssen. Ein Experiment zur Abdichtung des Kanaluntergrunds mit Bentonit wird gerade östlich der Geltinger Kurve getestet. Ein Ponton dient als mobile Arbeitsplattform für diese Tests, und das Ziel ist es, die Sohle im Kanalabschnitt zwischen Farchet und Waldram mit Bentonit auszukleiden. So will man verhindern, dass Wasser aus dem Kanal austritt. Die Arbeiten laufen bis Ende 2026, und der Zugang zum Kanal ist bis zur Fertigstellung der Baustelle aus Sicherheitsgründen vollständig abgesperrt.
Proteste und Naturschutz
Die rodenden Arbeiten ziehen sich bis zur B11 und betreffen fast alle Bäume am Ufer. Der Protest am Unterfeldweg hat zwar etwas nachgelassen, doch die Wogen in der Bevölkerung sind noch lange nicht geglättet. Man denkt an die Natur, die hier unwiederbringlich verloren geht. Uniper hingegen betont, dass keine weiteren Rodungen zwischen Farchet und Waldram geplant sind. Ein bisschen wie das berühmte „Wir tun unser Bestes“-Mantra, oder? Dennoch wurde das Ufer bereits stark verändert, und die Vegetation, die einmal hier blühte, ist weitgehend verschwunden.
Nach den Rodungsarbeiten plant Uniper, das Ufer nachhaltig zu bepflanzen. Es sollen Magerrasen angelegt werden – ein Lebensraum für Insekten und Kleinstlebewesen. Hainbuchen-Heister, Haselnusssträucher und hochstämmige Buchen oder Winterlinden sind nur einige der Pflanzen, die in Zukunft hier gedeihen sollen. Die Hoffnung ist, dass diese Maßnahmen nicht nur der Umwelt zugutekommen, sondern auch die Stimmung der Anwohner etwas heben können.
Die Maßnahmen im Detail
Die Sanierung konzentriert sich derzeit auf ein Teilstück zwischen Bahnweg und Wolfratshauser Straße, und auch im Gewerbegebiet wird fleißig gearbeitet. Die erste Phase der Kanaldichtung in der Geltinger Kurve soll Ende 2025 abgeschlossen sein. Anschließend folgen weitere Arbeiten, wie der Wegebau und die Asphaltierung, die Anfang 2026 in Angriff genommen werden sollen. Dabei wird eine geotextile Dichtung auf einer kilometerlangen Strecke zwischen Loisach und Isar eingebaut, um die Wasserdichtigkeit zu gewährleisten.
Während die Menschen in Wolfratshausen weiterhin um den Erhalt ihrer Natur kämpfen, bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Uniper plant, den Kanal nach Abschluss der Maßnahmen langsam zu befüllen und die Dichtigkeit des Systems durch Monitoring zu überprüfen. Ob das Vertrauen in das Unternehmen zurückgewonnen werden kann? Das wird die Zeit zeigen.