Am 30. April 2023 hat Robert Seethaler, der vielfach ausgezeichnete Bestsellerautor, seinen neuen Roman „Die Straße“ veröffentlicht. Die Erwartungen an das Werk sind hoch – schließlich hat Seethaler mit seinen vorhergehenden Büchern wie „Der Trafikant“ und „Ein ganzes Leben“ nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und darüber hinaus für Aufsehen gesorgt. Besonders bemerkenswert ist, dass er angedeutet hat, dieses Buch könnte sein letztes sein. Die FAZ beschreibt dies sogar als möglichen „grandiosen Abgang“ des Autors. Ein Abschiedsgefühl schwingt also mit, was die Veröffentlichung noch emotionaler macht.
Seethaler, 1966 in Österreich geboren, hat sich in der Literaturszene einen Namen gemacht. Sein Werk wurde vielfach gelobt und ist besonders in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus gerückt. Man könnte sagen, er hat einen besonderen Platz im Herzen vieler Leserinnen und Leser. Das ist wohl auch der Grund, warum die Vorstellung seines neuen Romans so viel Aufregung auslöst. Der Autor selbst lebt mittlerweile in Berlin und Wien und hat eine bewegte Biografie, die sicher auch einen Blick wert ist.
Ein Blick in Seethalers Vergangenheit
Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie im zehnten Wiener Gemeindebezirk Favoriten, war die Kindheit von Robert Seethaler geprägt von Herausforderungen. Seine Mutter arbeitete als Sekretärin, während sein Vater als Schlosser und Holzschnitzer tätig war. Ein angeborener Augenfehler führte dazu, dass er mehrere Augenoperationen durchlaufen musste, was seine Schulzeit nicht gerade erleichterte. So besuchte er zunächst eine Volksschule für Blinde und Sehbehinderte, bevor er auf ein Gymnasium wechselte, das er allerdings mit 15 Jahren abbrach.
Von verschiedenen Jobs – als Verkäufer, Botenjunge bei der Tageszeitung Kurier oder Physiotherapeut – bis hin zu seinem Engagement in der Schauspielerei, hat Seethaler viele Facetten seines Talents unter Beweis gestellt. Besonders bekannt wurde er als „Dr. Kneissler“ in der Serie „Ein starkes Team“. Dass er sich auch als Drehbuchautor versucht hat, zeigt sein Preis für das Drehbuch-Debüt „Heartbreakin’“. Und dann wären da noch die zahlreichen Romane: „Die Biene und der Kurt“, „Jetzt wird’s ernst“, „Das Feld“ und „Der letzte Satz“, um nur einige zu nennen. Sein literarisches Schaffen begann 2004, doch der große Durchbruch kam erst einige Jahre später.
Auszeichnungen und Engagement
Seethalers Werke sind nicht nur literarisch, sondern auch gesellschaftlich relevant. 2016 stand sein Roman „Ein ganzes Leben“ auf der Shortlist für den International Booker Prize, was seine Stellung in der internationalen Literaturszene untermauert. Im Jahr 2023 erreichte er mit „Le Café sans Nom“ als erster deutschsprachiger Autor das Finale des Prix Médicis und des Prix Femina. Das ist schon eine Hausnummer!
Zu seinen Verdiensten zählt auch das goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, das er 2022 erhielt. Außerdem hat er sich mit einem offenen Brief an Bundeskanzler Scholz gegen die Fortsetzung der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine ausgesprochen. Ein Zeichen, das zeigt, dass ihm die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht egal sind.
Ob „Die Straße“ jetzt tatsächlich sein letztes Werk ist, bleibt abzuwarten. Aber eines ist sicher: Seethaler hat mit seinen Geschichten, seinen Charakteren und seinen scharfen Beobachtungen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wie wird sein neuer Roman ankommen? Leser und Kritiker sind gespannt, was der Autor uns als Nächstes präsentieren wird.