Bartgeier Alosa verlässt unerwartet seine Auswilderungsnische im Klausbachtal
Im Klausbachtal, tief im Herzen der Berchtesgadener Alpen, gibt es aufregende Nachrichten! Der Bartgeier Alosa hat kürzlich das Licht der Freiheit erblickt, nachdem er am 24. Juni 2026 zusammen mit seinem Artgenossen Zierli im Nationalpark Berchtesgaden ausgewildert wurde. Was aber wirklich für Aufsehen sorgt: Alosa hat die geschützte Felsnische in 1300 Metern Höhe viel früher verlassen als erwartet. Der Projektleiter Toni Wegscheider berichtet von diesem ungewöhnlichen Verhalten, das die Experten überrascht hat. Normalerweise nehmen sich junge Geier drei bis vier Wochen Zeit, um ihre neue Umgebung zu erkunden. Doch Alosa war anscheinend nicht zu bremsen und flog bereits zwei Tage nach der Auswilderung davon.
Alosa ist nun auf sich allein gestellt und versucht, sich in der bergigen Umgebung zurechtzufinden. Dabei ist das Fressen nicht das Problem. Er hat bereits Nahrung gefunden, allerdings mangelt es ihm an Erfahrung, um gezielt an Futterstellen zu landen. Das Team, das ihn genau beobachtet, hat zudem festgestellt, dass die Thermikverhältnisse in der Region alles andere als einfach sind. Diese Faktoren machen das Erkunden des Geländes für den jungen Bartgeier zu einer echten Herausforderung.
Das Wiederansiedlungsprojekt
Die Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Ostalpen ist ein bedeutendes Projekt, das seit 2021 jedes Jahr mit zwei jungen Vögeln fortgeführt wird. Die Auswahl geeigneter genetischer Linien ist dabei entscheidend, um die Variabilität in der Region zu gewährleisten. Männliche und weibliche Bartgeier unterscheiden sich nur minimal in der Größe, was die Bestimmung der Geschlechter vor der Auswilderung erschwert. Oft werden die Weibchen bevorzugt, da deren Geschlecht erst kurz vor der Auswilderung durch eine Blutentnahme festgestellt werden kann. Bartgeier erreichen die Geschlechtsreife mit etwa 6 Jahren, wobei der Fortpflanzungserfolg meist erst mit 8 oder 9 Jahren einsetzt.
Das Projekt verwendet die „modifizierte Hacking Methode“, die es mehreren Jungvögeln ermöglicht, zusammen auszuwildern. Diese soziale Komponente ist wichtig, um das natürliche Verhalten der Geier zu unterstützen. Die Jungvögel, die in geschützten Felsnischen ausgesetzt werden, werden rund um die Uhr bewacht und regelmäßig gefüttert, wobei die Futterration hauptsächlich aus Knochenstücken und Schalenwild besteht.
Die Geschichte des Bartgeiers
Ein Blick zurück in die Geschichte des Bartgeiers zeigt, dass dieser majestätische Vogel einst stark verfolgt wurde. Im 19. Jahrhundert führte der schlechte Ruf des Bartgeiers zu seiner massiven Dezimierung. Vergiftete Köder, die gegen Füchse und Wölfe ausgelegt wurden, töteten viele dieser Vögel. Der letzte dokumentierte Abschuss eines Bartgeiers im Alpenraum fand 1913 im italienischen Aostatal statt. Damals wurde bereits über eine mögliche Wiederansiedlung diskutiert, doch es dauerte bis in die 1970er Jahre, bis die ersten ernsthaften Versuche unternommen wurden. Fachleute aus verschiedenen europäischen Ländern entschieden sich, junge Bartgeier aus Zoos und Tierparks für die Auswilderung zu nutzen, was als vielversprechender galt als die Freisetzung gefangener Wildtiere.
Diese Bemühungen haben sich über die Jahre ausgezahlt. Alosa und Zierli sind Teil eines langfristigen Plans, der über ein Jahrzehnt hinweg angelegt ist. Die Hoffnung ist, dass die jungen Bartgeier eine starke Bindung zu ihrer neuen Heimat aufbauen. Wer weiß, vielleicht wird Alosa eines Tages wieder zurückkommen, um in dieser faszinierenden Bergwelt zu nisten.
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