Kreuzotter im Berchtesgadener Land vor dem Aussterben bedroht
Im malerischen Berchtesgadener Land steht eine besondere Schlangenart vor einer ernsthaften Bedrohung. Die Kreuzotter, die einzige heimische Giftschlange Deutschlands, ist vom Aussterben bedroht. In den letzten Jahren sind nur noch einige wenige Restbestände dieser faszinierenden Kreatur zu finden. Die Situation ist alarmierend, denn in den bergigen Regionen des Landkreises gibt es noch stabile Populationen, während die Art nördlich der Autobahn in den letzten drei Jahrzehnten fast vollständig verschwunden ist. Besonders betroffen sind Gebiete wie das Ramsautal, Högl, Ainringer Moos und die Surwiesen, wo die Kreuzotter seit Jahrzehnten nicht mehr nachgewiesen wurde.
Das Landratsamt hat daher einen Aufruf gestartet: Beobachtungen der Kreuzotter sollen gemeldet werden, um mehr über ihre Verbreitung zu erfahren. Besonders hilfreich sind dabei Fotos, die eine Verwechslung mit anderen Schlangenarten vermeiden helfen. Mit etwa einem Viertel der Bevölkerung, die in Mitteleuropa unter Ophidiophobie, also der Angst vor Schlangen, leidet, könnte das Aufeinandertreffen mit einer Kreuzotter jedoch für viele Menschen ein Schreckensszenario sein. Das ist ironisch, denn die Bisse der Kreuzotter sind bundesweit äußerst selten – es gibt nur einige Dutzend Zwischenfälle pro Jahr, und diese sind in der Regel nicht lebensbedrohlich.
Ursachen für den Rückgang
Die Ursachen für den Rückgang der Kreuzotter sind vielfältig. Landschaftszerschneidung, Intensivierung der Landwirtschaft, die Entwässerung von Mooren, gezielte Jagd sowie klimatische Veränderungen tragen alle zu ihrem schwindenden Lebensraum bei. Die Kreuzotter benötigt feucht-frische Lebensräume, die durch trockene Bedingungen und den Rückgang von Amphibien als Nahrungsquelle gefährdet sind. Um die Art zu schützen, sind verschiedene Maßnahmen nötig: Die Sicherung des Wasserhaushalts, die Rückdrängung von Verbuschung und die Schaffung von Unterschlupf- sowie Sonnenplätzen sind nur einige der Schritte, die unternommen werden sollten.
Die Identifikation der Kreuzotter ist nicht schwer, wenn man weiß, wonach man suchen muss. Ihre gekielten Schuppen, die vertikal-schlitzförmigen Pupillen und die speziellen Kopfschilde sind markante Merkmale. Lebensräume, in denen man Kreuzottern eher nicht antrifft, sind trocken-warme Bereiche, Mauern, Steinhaufen oder Gärten. Wer in der Region unterwegs ist und eine Kreuzotter sichtet, kann seine Beobachtungen gerne per E-Mail an naturschutz@lra-bgl.de melden.
Interessante Fakten zur Kreuzotter
Die Kreuzotter (Vipera berus) ist nicht nur in Deutschland, sondern hat auch das größte und nördlichste Verbreitungsgebiet aller Vipern. Sie kommt sogar nördlich des Polarkreises vor. Mit einer durchschnittlichen Länge von 50 bis 70 cm und maximal bis zu 90 cm ist sie eine der spannendsten Schlangenarten, die wir haben. Weibchen sind in der Regel länger als Männchen und können bis zu 300 g wiegen, besonders wenn sie tragend sind. Ihre Färbung variiert von silbergrau über braun bis hin zu schwarz, wobei das dunkle Zickzack-Band auf dem Rücken ein charakteristisches Merkmal ist.
Die Kreuzotter ist tagaktiv und bevorzugt Temperaturen zwischen 30 und 33 °C. Sie ist ein Lauerjäger und ernährt sich von Kleinsäugern, Eidechsen und Fröschen. Besonders spannend: Sie ist ovovivipar, was bedeutet, dass die Jungtiere von August bis Oktober lebend zur Welt kommen. Auf die Kreuzotter sind viele Mythen und Aberglauben entstanden – oft gelten rote oder schwarze Kreuzottern als besonders giftig. Doch die Wissenschaft hat bewiesen, dass dies nicht der Fall ist.
Die Kreuzotter wurde von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) zum Reptil des Jahres 2024 gekürt. Diese Ehrung zeigt, wie wichtig es ist, auf die Gefährdung dieser Art aufmerksam zu machen und sie zu schützen. In Deutschland ist sie stark gefährdet, in Österreich gefährdet und in der Schweiz ebenfalls stark gefährdet. Der Verlust ihrer Lebensräume aufgrund menschlicher Aktivitäten bleibt eine der größten Herausforderungen für den Erhalt dieser faszinierenden Schlangenart.
Für weitere Informationen und interessante Einblicke in die Welt der Kreuzotter können Sie die vollständige Quelle hier nachlesen.
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