Heute ist der 8.06.2026 und wir blicken auf die aktuellen Geschehnisse im Landkreis Dachau, wo die medizinische Versorgung ein heiß diskutiertes Thema ist. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass es hier keinen Ärztemangel gibt. Der Versorgungsgrad beträgt über 110%, und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns berichtet, dass im Landkreis Dachau rechnerisch ausreichend Ärzte vorhanden sind. Doch die Realität ist weit mehrschichtig. Ein deutliches Stadt-Land-Gefälle zeigt sich, denn während in Dachau 45 Kassensitze verzeichnet sind, haben Weichs und Hilgertshausen-Tandern nur einen einzigen Sitz. Das wirft Fragen auf, vor allem im Hinblick auf die demografische Entwicklung.

Insgesamt leben 132.000 Menschen im Landkreis, die sich auf 85,3 Ärztestellen stützen, die jedoch nur von 95 Personen besetzt sind. Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass 33% der Hausärzte im Landkreis bereits 60 Jahre oder älter sind. Die Folgen des demografischen Wandels sind auch hier deutlich spürbar. Angesichts dieser Situation werden neue Kassensitze nicht genehmigt; stattdessen sind nur Übernahmen und Umzüge von Praxen möglich. Drei bedeutende medizinische Bauprojekte in der Region könnten jedoch helfen, die Lage zu verbessern.

Medizinische Bauprojekte in der Region

In Schwabhausen wird eine große Arztpraxis neu gebaut, während in Petershausen ein Bürogebäude in ein Gesundheitshaus umgebaut wird. Dieses wird nicht nur eine allgemeinärztliche Praxis beherbergen, sondern auch eine Zahnarztpraxis und Physiotherapie anbieten. Marion Böhlen, Allgemeinmedizinerin in Petershausen, hat bereits mehrere Patienten aus geschlossenen Praxen übernommen und beschäftigt nun ein umfangreiches Team aus drei Fachärzten und sieben medizinischen Fachangestellten. Sie betont die Notwendigkeit größerer Räume und flexibler Arbeitszeiten, um neues Personal zu gewinnen.

Der Bürgermeister von Petershausen, Johannes Stadler (CSU), unterstützt das Projekt, auch wenn die Gemeinde finanziell eingeschränkt ist. In Hebertshausen wird ein Gesundheitshaus für 5,4 Millionen Euro errichtet, wobei bereits zwei Praxen vergeben sind. Alexandra Niedenhoff, Geschäftsführerin der Kowobau, wünscht sich eine Gemeinschaftspraxis für die allgemeinärztliche Versorgung, während die Gemeinde Vierkirchen finanzielle Unterstützung von bis zu 40.000 Euro für ansiedlungswillige Mediziner plant, um die Kassensitze zu sichern.

Übergeordnete Probleme der medizinischen Versorgung in Deutschland

<pDas, was wir hier in Dachau beobachten, ist Teil eines größeren Problems, das Deutschland plagt. Aktuell fehlen bundesweit mehr als 5.000 Hausärzte, und Prognosen der Robert Bosch Stiftung warnen vor dem Ruhestand eines jeden zweiten Hausarztes innerhalb der nächsten zehn Jahre. Das würde zu rund 11.000 unbesetzten Hausarztstellen führen! Seit 2015 ist die Zahl der hausärztlichen Einzelpraxen um etwa 5.000 gesunken und auch Gemeinschaftspraxen sind weniger geworden. Ein Viertel der praktizierenden Allgemeinmediziner plant, innerhalb der nächsten fünf Jahre aus dem Beruf auszusteigen.

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Der demografische Wandel und strukturelle Probleme sind die Hauptursachen. Die ältere Bevölkerung, hohe Bürokratie und der Arbeitsdruck führen dazu, dass immer mehr Ärzte sich für Teilzeit oder Anstellungen in Kliniken entscheiden. Während die Politik versucht, mit einem Primärarztsystem den Zugang zu Fachärzten zu regeln, bleibt abzuwarten, ob dies die Situation verbessern kann. Auch finanzielle Anreize wie Startgelder von bis zu 60.000 Euro für neue Praxisöffnungen scheinen nicht zu greifen, da es an Ärzten mangelt, die diesen Schritt wagen wollen.

In dieser angespannten Situation wird die Rolle nichtärztlicher Gesundheitsberufe gestärkt, und es werden mehr Medizinstudienplätze sowie vereinfachte Zulassungsverfahren angestrebt. Dennoch bleibt die Frage, ob diese Maßnahmen rechtzeitig kommen, um die Versorgungssituation nachhaltig zu verbessern. Langfristig wird eine Reduzierung von Bürokratie und bessere Arbeitsbedingungen unerlässlich sein, um die hausärztliche Versorgung in Deutschland zu sichern.

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