Heute ist der 19.05.2026 und in Dachau gibt es viel zu berichten. Ein aktueller Vorfall im Kreistag hat die Gemüter erhitzt, besonders im Hinblick auf das Thema Antisemitismus. Bei der zweiten Sitzung des neu gewählten Kreistags, zu der auch ein Gruppenbild vor dem Landratsamt gehört, weigerten sich die Kreisrätinnen der Linken, Michail Alexiou und Ines Kiriaki Tsartsaris, an einer Aktion teilzunehmen, die von der AfD unterstützt wurde. Die Aktion, die im Rahmen der bayernweiten Kampagne „Antisemitismus ohne mich“ stattfand, wurde von Landrat Stefan Löwl (CSU) begleitet, der ein Plakat mit dem Schriftzug „Antisemitismus ohne mich!“ sowie einem Davidstern hielt. Diese Kampagne richtet sich gegen Judenhass und wurde vom jüdischen Hochschulprofessor Guy Katz initiiert.

Tsartsaris äußerte sich kritischer Natur und bezeichnete es als heuchlerisch, sich mit der AfD zusammenzustellen, die nach ihrer Meinung mit rechtsextremen und antisemitischen Gruppen paktiert. In der Tat hat die AfD bei den Kommunalwahlen ihre Sitze im Dachauer Kreistag auf acht verdoppelt und bildet nun zusammen mit der SPD und den Freien Wählern die drittstärkste Fraktion. In den sozialen Medien sorgten AfD-Vertreter für Aufsehen mit Beiträgen, die mit der Forderung nach „Remigration“ verbunden sind. Markus Kellerer, der Fraktionschef der AfD, hat in der Vergangenheit sogar Sympathie für den rechtsextremen Aktivisten Martin Sellner bekundet, distanzierte sich jedoch von jeder Form von Extremismus und Antisemitismus und betonte die Bedeutung des tatsächlichen Handelns.

Antisemitismus in Bayern und Deutschland

Die Problematik des Antisemitismus hat in Bayern und darüber hinaus in den letzten Jahren enorm zugenommen. Dies wird nicht zuletzt durch die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) deutlich, die im vergangenen Jahr 1551 antisemitische Vorfälle in Bayern dokumentierte – die höchste Zahl bisher. Diese Zunahme wird auch durch den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 in den Kontext gesetzt. RIAS spricht von einer „bedrückenden Normalität“ und einem Anstieg antisemitischer Vorfälle in Deutschland, die sich von diesem Datum bis Ende 2024 auf 2.225 dokumentierte Versammlungen belaufen. Zum Vergleich: Vor dem Terrorangriff waren es nur 1.636 solcher Versammlungen, die registriert wurden.

Ein auffälliger Punkt ist, dass bei 89 Prozent dieser Versammlungen israelbezogener Antisemitismus auftrat. Aufrufe zur Vernichtung Israels, die Befürwortung von Gewalt gegen jüdische Menschen sowie die Relativierung der Schoa sind erschreckende Begleiterscheinungen dieser Entwicklung. RIAS dokumentiert diese Vorfälle aus der Perspektive der Betroffenen und Zeugen, was die Dringlichkeit des Themas unterstreicht.

Ein breites Spektrum an Bedrohungen

In 32 Städten wurden antisemitische Vorfälle registriert, die sich direkt gegen jüdische Gemeinden richteten, darunter Zuschriften, Drohanrufe, E-Mails, Schmierereien und persönliche Beleidigungen. Diese besorgniserregenden Zahlen zeigen, dass Antisemitismus nicht an einer politischen Farbe haltmacht. Es gibt Vernetzungen über politische Lager hinweg, welche das Problem noch komplexer machen.

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Die Ereignisse in Dachau sind also nicht nur lokal, sondern Teil eines größeren Phänomens, das sich durch ganz Deutschland zieht. Es ist wichtig, dass sich die Gesellschaft nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten gegen Antisemitismus positioniert. Die Debatte wird weitergehen, und der Druck auf die Verantwortlichen wird steigen, um gemeinsam gegen diesen Ungeist aufzustehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die politischen Akteure in Dachau und darüber hinaus in den kommenden Monaten verhalten werden.