Die Wälder in der Region Dillingen an der Donau stehen momentan unter Druck. Verantwortlich dafür ist der gefürchtete Borkenkäfer, der sich in den letzten Jahren immer weiter ausbreitet und große Schäden anrichtet. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Nördlingen-Wertingen, welches für ein 55.000 Hektar großes Waldgebiet zuständig ist, hat die Situation genau im Blick. Förster Maximilian Buczinski hat kürzlich bei einem Waldspaziergang die Problematik anschaulich demonstriert. Er sprach über die verschiedenen Waldarten, die hier zu finden sind: Nördlich der Donau wachsen Jurawälder mit Eichen-Buchen-Beständen, während die Auwälder entlang des Flusses vor allem von Buchen, Ahorn und anderen Laubbäumen geprägt sind.

Südlich der Donau hingegen dominiert die Fichte, die derzeit besonders stark vom Borkenkäfer bedroht ist. Der Buchdrucker und der Kupferstecher sind die beiden Borkenkäferarten, die diese Fichtenarten befallen. Es ist alarmierend, wie viel Schaden ein kleiner Käfer anrichten kann. Ein Käferweibchen kann bis zu 60 Nachkommen haben, was im Extremfall zu über 100.000 Käfern pro Jahr führen kann. Das bedeutet, dass ein einzelner Befall dazu führen kann, dass eine Fichte über 20.000 Käfer beherbergt, die im schlimmsten Fall benachbarte Bäume absterben lassen. In Bayern wird daher an rund 140 Standorten mit Pheromonfallen gearbeitet, um die Borkenkäferpopulation zu überwachen. Diese Fallen sind mit chemischen Botenstoffen ausgestattet, die die Käfer anlocken, und wurden im Jahr 2004 im Rahmen eines Monitoring-Systems eingeführt. Sie dienen jedoch nur zur Überwachung und nicht zur Bekämpfung der Käferpopulation.

Pheromonfallen und ihre Herausforderungen

Einige Waldbesitzer setzen Pheromonfallen sogar aktiv zur Bekämpfung von Borkenkäfern ein. Diese speziellen Fallen machen sich die Kommunikation der Käfer zunutze, indem sie Lockstoffe in Fangbehältern platzieren. Um effektiv zu sein, sollten sie jedoch mit einem Sicherheitsabstand von mindestens einer Baumlänge zu gesunden Fichten aufgestellt werden. Auch die Windrichtung spielt eine entscheidende Rolle – schließlich will man die Käfer nicht in die falsche Richtung locken! Die empfohlenen Fallendichten von 10 bis 20 Fallen pro Hektar Schadfläche sind ebenfalls zu beachten.

Die Vorteile dieser Fallen liegen auf der Hand: Sie bieten eine gleichmäßige Fangkapazität über die Vegetationszeit, sind mehrjährig verwendbar und haben keine Kapazitätsgrenze, solange sie regelmäßig gewartet werden. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein, oder? Denn wie es so oft im Leben ist, gibt es auch Nachteile: Die Aufstellungsplätze sind manchmal einfach nicht geeignet, und der Pflegeaufwand ist hoch – wöchentliche Auszählungen der Käfer und der Pheromonwechsel alle 6-8 Wochen sind notwendig. Wissenschaftliche Studien zeigen übrigens, dass maximal 30 % der Gesamtpopulation abgefangen werden können. Das macht deutlich, dass Pheromonfallen zwar nützlich sind, aber nicht als alleinige Maßnahme zur Bekämpfung der Borkenkäferpopulationen taugen.

Die Rolle des Klimawandels

Ein weiterer Faktor, der die Situation in den Wäldern erschwert, ist der Klimawandel. Prognosen zeigen, dass die wärmeren Temperaturen langfristig die Lebensbedingungen vieler Insekten in Mitteleuropa verbessern werden. Milderes Wetter führt zu einer erhöhten Aktivität, schnelleren Fortpflanzung und mehr Generationen pro Jahr bei Insekten. So können sich neue Insektenarten etablieren, während schädliche Arten wie der Borkenkäfer profitieren. Warme, trockene Sommer schwächen die Bäume, was den Borkenkäfern in die Karten spielt.

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Zudem erhöhen mildere Winter die Überlebenschancen von Borkenkäferlarven und Jungkäfern. Extremwetterereignisse wie Sturm oder Hagel bieten zusätzliches Brutmaterial, was die Populationen weiter steigert. Die Forstwirtschaft sieht sich also vor neuen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Die Artikelsammlung des AELF bietet Hilfestellungen, um mit diesen Borkenkäferkalamitäten umzugehen und die Wälder zu schützen. In der Region Dillingen herrscht derzeit Warnstufe Gelb, was eine erwartete Ausbreitung des Borkenkäfers anzeigt. Waldbesitzer sind laut Bayerischem Waldgesetz verpflichtet, sich um ihren Besitz und die Schädlinge zu kümmern. Und das ist auch gut so – denn nur durch eine „saubere Waldwirtschaft“ können wir die Wälder langfristig erhalten!