In Poing, ganz in der Nähe von Ebersberg, brodelt es gewaltig. Die Belegschaft von Avnet Logistics hat aus Protest gegen die unzureichende Anerkennung der Flächentarifverträge ihre Arbeit niedergelegt. Seit dem 4. Mai 2026 streiken fast alle 350 Mitarbeiter unbefristet. Ein mutiger Schritt, der in der heutigen Zeit nicht oft gesehen wird. Der Streik wurde mit der Spätschicht am Montag eingeleitet, gefolgt von Nachtschicht und Frühschicht am Dienstag. Am 5. Mai versammelten sich die Streikenden um 10 Uhr zu einer Kundgebung, um ihre Stimmen zu erheben und Solidarität zu zeigen. Besonders auffällig war die gemeinsame Aktion mit den Kollegen von BMW, die am Dienstagmorgen stattfand.
Die Gewerkschaft IG Metall fordert nicht nur die Anerkennung dieser tariflichen Regelungen, sondern bringt auch Unzufriedenheit über die Bezahlung und Arbeitsbedingungen zur Sprache. Die Geschäftsführung von Avnet hat in einem recht mutigen Zug angekündigt, das Logistikzentrum bis Ende 2026 zu schließen. Das hat die Wogen weiter hochgehen lassen und die Fronten zwischen der Geschäftsleitung und der Belegschaft verhärtet. Fünf Verhandlungsrunden zwischen Dezember 2025 und März 2026 blieben ergebnislos, und im März gab es bereits Warnstreiks, um den Druck auf den Arbeitgeber zu erhöhen. Es ist klar, dass die IG Metall die Flächentarifverträge der bayerischen Metall- und Elektroindustrie als wichtiges Instrument zur Beschäftigungssicherung ansieht.
Wirtschaftliche Hintergründe
Im Hintergrund dieser Auseinandersetzung steht eine Firma, die Milliardenumsätze erzielt und zweistellige Margen verzeichnet. Der tägliche Warenwert, der aus Poing herausgeht, übersteigt die jährlichen Personalkosten des Standorts deutlich. Kunden wie Bosch, Continental, Infineon und Hella setzen auf die Logistikdienstleistungen von Avnet. Und das macht die Situation noch brisanter – es geht nicht nur um die Arbeitsbedingungen, sondern auch um die wirtschaftliche Stabilität dieser Arbeitsplätze.
Der Streik ist ein kraftvolles Zeichen der Beschäftigten. Unbefristete Streiks sind in Bayern nicht die Norm, zuletzt fand so eine Aktion im April 2024 statt. Die ersten Verhandlungsgespräche zwischen Avnet und der Tarifkommission begannen am Donnerstag, wurden am Montag fortgesetzt – doch eine Einigung bleibt aus. Diese Art von Arbeitskampf ist nicht nur für die direkt Beteiligten von Bedeutung, sondern wirft auch ein Licht auf die allgemeinen Bedingungen der Arbeitswelt und das Streikrecht in Deutschland.
Das Streikrecht in Deutschland
Das Streikrecht ist im Grundgesetz verankert und lässt Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände zu, um die Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen zu fördern. Es ist ein zentrales Mittel, um Druck auf die Arbeitgeber auszuüben, auch wenn es im Grundgesetz nicht explizit erwähnt wird. Dabei unterliegen Streiks bestimmten rechtlichen Vorgaben, die durch die Koalitionsfreiheit von Gewerkschaften und Arbeitgebern festgelegt sind. Es gibt kein spezifisches Gesetz für Streiks, sondern die Regelungen kommen aus den Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen sind entscheidend, um den sozialen Frieden in Deutschland zu wahren.
Streiks können verschiedene Formen annehmen, seien es Angriffs-, Abwehr-, Flächen- oder Schwerpunktstreiks. Unterstützungsstreiks sind unter bestimmten Bedingungen sogar zulässig. Wichtig ist, dass die Streikenden sich kollektiv zusammenschließen und Druck ausüben wollen. Wilde Streiks, die nicht von Gewerkschaften organisiert sind, genießen keinen verfassungsrechtlichen Schutz – das macht die Rolle der Gewerkschaften umso wichtiger. Und während es in Poing zurzeit hitzig hergeht, bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und welche Konsequenzen dies für die Beschäftigten und das Unternehmen haben wird.