Heute ist der 29.05.2026 und die Luft in Erding ist irgendwie anders. Das Frühlingsfest, ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Region, wird nicht mehr stattfinden. Tobias Martl, der Veranstalter, hat die Entscheidung getroffen, das Fest aufzugeben. Die Gründe dafür sind ebenso traurig wie nachvollziehbar: die wirtschaftliche Unmöglichkeit, die durch unzureichende Besucherzahlen und hohe Kosten entstanden ist. Er investierte bis zu 80.000 Euro, bevor die ersten Gäste überhaupt den Weg zu den Festzelten fanden. Der erste Tag mag noch ein Erfolg gewesen sein, doch danach sanken die Zahlen drastisch – eine enttäuschende Entwicklung, die auch beim Brauchtumsnachmittag 2026 deutlich wurde, wo kaum Zuschauer zu sehen waren. Das ist schon ein harter Schlag für die Stadt und die Teilnehmer.
Martl bedauert das Aus des Festes sehr, hebt jedoch die hohe Qualität des Angebots hervor. Trotzdem wird die Kritik an den Bierpreisen – eine Maß für stolze 11,80 Euro, eine Halbe für 6,10 Euro – als ungerechtfertigt angesehen. Es ist bemerkenswert, dass die Schausteller selbst hohe Kosten hatten, etwa 20.000 Euro für die Anlieferung und den Aufbau ihrer Fahrgeschäfte. Und auch Sicherheitsanforderungen und TÜV-Prüfungen haben ihren Preis: Ein Betreiber musste in diesem Jahr unglaubliche 500.000 Euro aufbringen, nur um die neuen DIN-Normen einzuhalten. Das alles führt dazu, dass Martl nicht mehr im gleichen Maße an den finanziellen Einsatz glaubt. Die Infrastrukturkosten – Wasser, Strom, Sicherheit – belaufen sich auf weitere 60.000 bis 80.000 Euro, die einfach nicht mehr gerechtfertigt scheinen.
Ein Ende einer Tradition
Das Erdinger Frühlingsfest fand seit 2022 statt und war doch so schnell wieder verschwunden. Die Entscheidung, das Fest nicht mehr zu organisieren, hat sicherlich nicht nur Martl betroffen gemacht. Für viele war es ein freudiges Ereignis im Mai, das mit Marktständen, Fahrgeschäften und einer Menge Spaß verbunden war. Die Gründe für die ausbleibenden Gäste bleiben unklar; vielleicht war es der Start nach der Pandemie, vielleicht das Wetter oder andere Veranstaltungen in der Umgebung. In Bayern gibt es schließlich mehrere hundert Frühlingsfeste, und das Konkurrieren um die Gunst der Besucher wird immer härter. Auch der Brauchtumstag am Pfingstmontag fiel in diesem Jahr enttäuschend aus, was die Situation nicht besser machte.
Doch nicht alles ist verloren. Martl bleibt der Stadt Erding treu und lobt die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Seine beliebten Schokofrüchte sind weiterhin auf anderen Festen in Olching, Friedrichshafen und Ulm zu finden. Ein kleiner Lichtblick in dieser tristen Angelegenheit. Es ist schade, dass eine so schöne Tradition nicht mehr fortgeführt wird – das Frühlingsfest war mehr als nur eine Ansammlung von Fahrgeschäften und Bieren. Es war ein Ort der Begegnung, ein Platz für Freude und Gemeinschaft.
Feste in der Umgebung
Die Feierlichkeiten in Bayern sind jedoch alles andere als zum Stillstand gekommen. Der Maifeiertag läutet die Hochsaison für Feste und Veranstaltungen in allen Regierungsbezirken ein. In Oberbayern wird zur Auer Maidult in München eingeladen, die bis Sonntag mit Marktständen und Volksfestatmosphäre lockt. Auch das Moosburger Frühlingsfest im Landkreis Freising, das noch bis zum 5. Mai dauert, zieht viele Besucher an. In Niederbayern hingegen sorgt die Passauer Maidult für reges Treiben mit Bierzelten und Fahrgeschäften. Die Vielfalt der Veranstaltungen zeigt, dass die bayerische Festkultur nach wie vor lebendig ist.
In der Oberpfalz beginnt das Frühlingsfest in Weiden, während in Mittelfranken das Rother Frühlingsfest ansteht. Auch in Schwaben wird gefeiert, etwa beim Kemptener Jazzfrühling und dem Jubiläumsfestival „Go to Gö“. Jedes dieser Feste hat seinen eigenen Charme und zieht Menschen aus nah und fern an. Es bleibt zu hoffen, dass das Erdinger Frühlingsfest in guter Erinnerung bleibt und vielleicht eines Tages wieder zum Leben erweckt werden kann. Die Erinnerungen an die fröhlichen Tage und Nächte werden die Menschen in Erding sicherlich noch lange begleiten.
