Erfolgreicher Kiebitzschutz im Freisinger Moos: Ein Beispiel für Naturschutz und Landwirtschaft
Im Freisinger Moos gibt es Grund zur Freude: Zehn junge Kiebitze sind flügge geworden! Doch man sieht sie nicht – warum? Ein Elektrozaun schützt die kleinen Vögel vor Menschen und Raubtieren wie Füchsen und Dachsen. Ein cleverer Schachzug, denn die Kiebitze sind Bodenbrüter und ihre Nester sind vielen Gefahren ausgesetzt. Das Wiesenbrüterprojekt in dieser Region ist ein echtes Erfolgsbeispiel. Hier wurden auf vier Hektar 28 Kiebitz-Brutpaare gezählt, was die Fachfrau für Biotop- und Artenschutz, Julia Heidtke, als außergewöhnlich bezeichnet. Vor ein paar Jahren waren es nur 68 Brutpaare. Ein deutlicher Fortschritt!
Die Kiebitze, einst häufig in unseren Gefilden, stehen heute auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. In Bayern ist ihr Bestand in den letzten 30 Jahren um erschreckende 90 Prozent gesunken. Umso wichtiger ist der Schutz und die Förderung ihres Lebensraums. Das Projekt im Freisinger Moos bietet ideale Bedingungen für diese Wiesenbrüter, wie etwa Ausgleichsflächen mit Wasseransammlungen. Auch andere Arten wie der Brachvogel und der Wachtelkönig finden hier ein Zuhause.
Landwirtschaft und Naturschutz im Einklang
Ein Landwirt, Martin Königer, der das Projekt unterstützt, hat jedoch auch seine Bedenken. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit ist nicht zu vernachlässigen, denn die Felder können nur eingeschränkt bewirtschaftet werden. Mais wird später ausgesät – das bringt geringere Erträge. Ein schmaler Grat zwischen Naturschutz und Landwirtschaft, der immer wieder neu ausgelotet werden muss.
Ähnliche Bemühungen gibt es auch in Baden-Württemberg, wo das NABU-Projekt „KiebitzLand“ erste Erfolge zeigt. Erstmals seit 30 Jahren brütete ein Kiebitz in Ammerbuch, im Landkreis Tübingen. Das zeigt, dass mit der Wiedervernässung von Feuchtflächen und einer engen Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft positive Veränderungen möglich sind. Umweltministerin Thekla Walker hebt die Bedeutung dieser Kooperation hervor. Ein Landwirt beweidet Teilflächen mit Rindern, um das Wachstum von Gehölzen zu verhindern – so bleibt der Lebensraum für die Kiebitze optimal.
Kiebitzschutz als gemeinschaftliche Aufgabe
Insgesamt wurden in drei Kiebitz-Kerngebieten und drei Kiebitz-Inseln 25 Hektar feldvogelgerecht gestaltet. Elf Brutpaare mit 14 flüggen Jungvögeln wurden registriert. Das zeigt, dass die Bemühungen Früchte tragen können, auch wenn nicht immer alles glatt läuft. Denn in einem Kerngebiet in Dunningen gab es in der Brutsaison 2025 keinen Bruterfolg. Hier ist noch viel zu tun.
Eine Umfrage des Instituts Civey zeigt, dass 84 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur unterstützen. Das lässt Hoffnung aufkommen, dass es in der Politik ein Umdenken gibt. Der Kiebitz ist nicht nur ein Symbol für den Erhalt der Biodiversität, sondern auch ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems. Viele andere gefährdete Arten profitieren ebenfalls von den Schutzmaßnahmen. Es bleibt abzuwarten, wie die Agrarpolitik die notwendigen Schritte umsetzt.
Die Situation der Kiebitze in Deutschland ist alarmierend. Vor 50 Jahren war dieser Vogel noch häufig anzutreffen, doch heute gilt er als „stark gefährdet“. Der Rückgang der Bestände zwischen 1992 und 2016 beträgt erschreckende 88 Prozent. Hauptursache ist die hochintensive Landwirtschaft, die die Feuchtwiesen austrocknet und die Bedürfnisse der Wiesenbrüter ignoriert. Der NABU hat bereits viele Maßnahmen ergriffen, um diesen Trend zu stoppen, doch es ist ein langer Weg.
Eins steht fest: Der Schutz der Kiebitze und ihrer Lebensräume ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, die uns alle betrifft. Die verschiedenen Projekte, sei es in Bayern oder Baden-Württemberg, zeigen, dass es möglich ist, gemeinsam etwas zu bewegen. Jetzt ist der Moment, aktiv zu werden und die Weichen für eine positive Zukunft zu stellen. Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben – für die Kiebitze und für unsere Natur!
Für weitere Informationen zu den Projekten und der Situation der Kiebitze in Deutschland, siehe hier, sowie hier und hier.
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