In Freising sorgt eine neue Gebührenordnung für Aufregung unter den Mitgliedern der Theater AG der Karl-Meichelbeck-Realschule (KMRS). Schauspieler Alexander Nadler hat die Stadt scharf kritisiert, weil die Nutzung von städtischen Spielstätten nun mit hohen Kosten verbunden ist. Bisher konnten Schulen kostenlos auf die Einrichtungen zugreifen, doch mit den neuen Regelungen müssen für ein Theaterprojekt der KMRS-Theater AG nun 1800 Euro gezahlt werden. Nadler betont, dass die Schule sich diese Kosten nicht leisten kann, da die finanziellen Mittel stark begrenzt sind. Diese Entscheidung könnte das Aus für die Theater AG bedeuten, was er als großen Verlust für die Schüler und die kulturelle Bildung in Freising ansieht.
Die Theater AG hat in der Vergangenheit im Unterhaus des Lindenkellers geprobt und aufgeführt, wobei die Kosten für Theaterproduktionen bereits ohne die neuen Gebühren beträchtlich sind. Tantiemen, Requisiten, Kostüme, Bühnenbild und Texthefte summieren sich schnell, und da bei Schultheateraufführungen keine Eintrittsgelder verlangt werden – das Publikum besteht meist aus Eltern, Großeltern und Geschwistern – ist die finanzielle Belastung für die Schulen enorm. Nadler bedauert den möglichen Wegfall der Theater AG und hebt hervor, dass die Teilnahme an solchen Projekten das Selbstbewusstsein der Schüler fördert. Er sieht die hohen Gebühren als „dumme Entscheidung“ an, die Kultur vertreibt und Freising als „klein und arm“ darstellt.
Kultur als wichtiger Bestandteil der Bildung
Die aktuelle Situation in Freising steht im Kontext eines allgemeinen Trends in der Kultur- und Theaterpädagogik. In den letzten Jahren haben Spiel- und Theaterprozesse mit nicht-professionellen Akteuren an Bedeutung gewonnen. Es gibt einen regelrechten „Boom“ an Projekten und Kooperationen, die sich mit Kunst- und Kulturvermittlung beschäftigen. Einrichtungen wie Stadt- und Staatstheater, Theaterpädagogische Zentren, Schulen und freischaffende Theatervermittler tragen zur Entwicklung und Professionalisierung in der Kunstvermittlung bei.
Theater ist nicht nur ein Ort der Unterhaltung, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Bildung. Es fördert die aktive Teilhabe und die Rezeption von Kunst, was besonders in Schulen von Bedeutung ist. Die Einführung des Faches Theater/Darstellendes Spiel in 11 Bundesländern zeigt das wachsende Interesse an dieser Kunstform. Partnerschaften zwischen Theatern und Schulen, wie TUSCH, unterstützen diese Entwicklungen und stärken die qualitative und quantitative Präsenz des Theaters in der Bildung.
Fazit und Ausblick
Die Herausforderungen, vor denen die Theater AG der KMRS steht, sind ein Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen viele Schulen konfrontiert sind, wenn es um die Förderung von Kultur und Kunst geht. Während die Bedeutung von Theater für die persönliche und soziale Entwicklung von Kindern unbestritten ist, stellt sich die Frage, wie solche Projekte in Zukunft finanziell tragbar bleiben können. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt Freising und andere Institutionen Wege finden, um kulturelle Bildung zu unterstützen und zu fördern, anstatt sie durch hohe Gebühren zu gefährden.