In Freyung-Grafenau wurde kürzlich ein bemerkenswerter Abschied gefeiert: Der Kreistag der Wahlperiode 2020 bis 2026 hielt seine letzte Sitzung ab. Dabei standen nicht nur die politischen Entscheidungen im Vordergrund, sondern vor allem das ehrenamtliche Engagement der ausscheidenden Mitglieder. Ein großes Dankeschön wurde ausgesprochen für die außergewöhnlichen Leistungen, die die Kreisrätinnen und Kreisräte über viele Jahre hinweg erbracht haben. Insgesamt bringen die verabschiedeten Mitglieder mehr als 330 Jahre kommunalpolitische Erfahrung mit – das ist schon eine Ansage!

Landrat Sebastian Gruber, der sich sichtlich bewegt zeigte, würdigte in seiner Rede das Engagement, die Leidenschaft und den Sachverstand der scheidenden Mitglieder. „Kommunalpolitik ist das Fundament unserer Demokratie“, stellte er fest und unterstrich damit die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit. Besonders geehrt wurden Alexander Muthmann und Ludwig Lankl, die beide die Ehrenbezeichnung „Altlandrat des Landkreises Freyung-Grafenau“ erhielten. Muthmann hat beeindruckende 18 Jahre im Kreistag gedient, war von 2002 bis 2008 Landrat und hat zudem 15 Jahre im Bayerischen Landtag gearbeitet. Lankl hingegen war ganze 24 Jahre im Kreistag aktiv und hatte von 2008 bis 2014 das Amt des Landrats inne, nach einer langjährigen Bürgermeistertätigkeit in Ringelai.

Ein Abschied mit Respekt und Dankbarkeit

Bei der Verabschiedung wurden auch Helga Weinberger und Dr. Siegfried Schmidbauer geehrt. Weinberger blickt auf eine beeindruckende 30-jährige Amtszeit im Kreistag zurück, davon 12 Jahre als stellvertretende Landrätin, und hat sich besonders für soziale Themen eingesetzt. Dr. Schmidbauer, ebenfalls 30 Jahre im Kreistag, bringt als Mediziner und Unternehmer wertvolle fachliche Expertise in zahlreiche Gremien ein. Diese Menschen haben die Geschicke des Landkreises maßgeblich mitgestaltet und ihre Spuren hinterlassen.

Der Kreistag selbst, der aus dem Landrat und 60 ehrenamtlichen Kreisräten besteht, hat die Aufgabe, die Belange des gesamten Landkreises zu vertreten und wichtige Entscheidungen zu treffen. Die Mitglieder werden alle sechs Jahre von den Bürgern des Landkreises gewählt. Die letzte Kommunalwahl fand am 8. März 2026 statt und die neue Wahlperiode begann am 01. Mai 2026. In dieser Legislaturperiode sind rund 30 Sitzungen pro Jahr notwendig, um die Verwaltung zu überwachen und die Durchführung der Beschlüsse zu garantieren.

Ein Blick auf die zukünftige Zusammensetzung

Die Sitzverteilung für die Wahlperiode 2026 bis 2032 zeigt eine spannende politische Landschaft im Landkreis Freyung-Grafenau. Die Christlich Soziale Union (CSU) hat mit 20 Sitzen die größte Fraktion, gefolgt von der Christlichen Wählergemeinschaft – Freie Wähler (CWG-FW) mit 6 Sitzen und den Freien Wählern (FW) mit 7 Sitzen. Auch die Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD), die Alternative für Deutschland (AfD), die Bayernpartei (BP) und andere haben ihren Platz im Kreistag gefunden. Diese vielfältige Zusammensetzung spiegelt die unterschiedlichen politischen Strömungen und Interessen der Bürger wider.

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Herausforderungen für das ehrenamtliche Engagement

Das ehrenamtliche Engagement in der Kommunalpolitik ist jedoch nicht immer einfach. In Sachsen, wie in vielen anderen Regionen, gibt es eine unterschiedliche Bereitschaft der Bürger, sich politisch zu engagieren. Bei den Gemeinderatswahlen 2024 konnten in einigen Städten nicht alle gesetzlich vorgesehenen Mandate besetzt werden. Das hat natürlich negative Auswirkungen auf die Demokratie und wirft die Frage auf, wie man die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt verbessern kann. Das Projekt zur Analyse dieser Herausforderungen in Sachsen hat sich zum Ziel gesetzt, Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um die Bereitschaft zur Kandidatur zu steigern.

Die Verabschiedung der langjährigen Kreistagsmitglieder in Freyung-Grafenau ist ein Zeichen der Wertschätzung und ein kleiner Lichtblick in Zeiten, in denen ehrenamtliches Engagement oft unter Druck steht. Es bleibt zu hoffen, dass die kommenden Jahre ebenso viele engagierte Bürger hervorbringen, die bereit sind, sich für ihre Gemeinde und ihre Demokratie einzusetzen.