Häusliche Gewalt: Ein gesamtgesellschaftliches Problem, das auch Männer betrifft
Heute ist der 17.06.2026, und die Geschehnisse in Deutschland werfen wieder einmal ein grelles Licht auf ein ernstes Thema: häusliche Gewalt. Besonders in Oberfranken, wo die Zahlen der Opfer von häuslicher Gewalt unter Männern alarmierend steigen. So berichtete die Frankenpost, dass im Jahr 2025 insgesamt 2317 Straftaten in der Region verzeichnet wurden. Das entspricht einem Anstieg von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein besonders tragischer Vorfall ereignete sich am 2. März 2025 in Kulmbach, als Werner M. seine Lebensgefährtin Claudia K. in ihrer gemeinsamen Wohnung erstach. Nach 24 Messerstichen war es für Claudia K. zu spät—der Notarzt konnte nichts mehr tun. Der Mord wurde durch Claudias Wunsch nach Trennung ausgelöst, was für Werner M. offenbar nicht akzeptabel war.
Die Zahlen und Schicksale sind erschreckend. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2022, die am 30. März 2023 vom Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht wurde, sind unter den Opfern von häuslicher Gewalt nicht nur Frauen, sondern auch Männer stark betroffen. Insgesamt wurden 70.751 Jungen und Männer als Opfer registriert—ein Hinweis darauf, dass häusliche Gewalt kein Geschlechterproblem ist, sondern ein gesellschaftliches. Im Jahr 2022 erlitten 5.662 Männer schwere und schwerste Körperverletzungen im familiären Bereich, was 875 mehr sind als die weiblichen Opfer in dieser Kategorie. Die BFKM (Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz) arbeitet daran, die Sichtbarkeit der betroffenen Männer zu erhöhen und erarbeitet eine Statistik zur Nutzung von Männer*schutzwohnungen.
Ein Blick auf die Zahlen
Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, dass im Jahr 2024 insgesamt 171.069 Personen Opfer von Partnerschaftsgewalt wurden, wobei 80% der Opfer Frauen und 77,7% der Tatverdächtigen Männer waren. Doch auch die familiäre Gewalt, die oft im Verborgenen bleibt, betrifft viele Männer. Bei familiärer Gewalt beträgt die Opferquote 54% für Mädchen und Frauen und 46% für Jungen und Männer. Dies verdeutlicht, dass auch in diesen Verhältnissen Männer oft die Opfer sind—eine Dimension, die häufig übersehen wird.
Ein weiterer erschreckender Fakt: Die Dunkelfeld-Opferbefragung zeigt, dass weniger als 5% der Opfer von Partnerschaftsgewalt Anzeige erstatten. Es bleibt also viel zu tun, um die Opfer zu ermutigen, Hilfe zu suchen und ihre Stimmen zu erheben. Die Hilfsangebote sind vielfältig—vom Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (116 016) bis hin zum Männerhilfetelefon (0800 1239900). Es ist wichtig, dass jeder, der betroffen ist, weiß, dass Hilfe zur Verfügung steht und dass er nicht alleine ist.
Häusliche Gewalt im Kontext
Die Häufigkeit häuslicher Gewalt ist alarmierend, und die Auswirkungen sind nicht nur physisch, sondern auch psychisch verheerend. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache—auch wenn die Taten oft im Verborgenen geschehen. Alkohol spielt häufig eine Rolle; 21,9% der Tatverdächtigen bei Partnerschaftsgewalt standen unter Alkoholeinfluss. Die Tatörtlichkeiten sind oft die eigenen vier Wände, wo 69,1% der Taten stattfinden. Es ist erschreckend, dass viele Menschen nicht einmal in ihrem Zuhause sicher sind.
Insgesamt zeigt sich, dass häusliche Gewalt ein vielschichtiges Problem ist, das nicht nur Frauen betrifft. Die Statistiken und Berichte der letzten Jahre machen deutlich, dass auch Männer in einem erschreckenden Maße unter Gewalt im häuslichen Umfeld leiden. Es ist Zeit, diese Thematik offener zu diskutieren und die Hilfsangebote zu verbessern. Denn hinter jeder Zahl verbirgt sich ein Mensch mit einer Geschichte. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir als Gesellschaft aufhören, wegzuschauen und uns für alle Betroffenen stark machen.
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