Heute ist der 5.05.2026 und in Landsberg am Lech ging es bei der Mitgliederversammlung der Zimmerer-Innung hoch her. Die Stimmung war gut, und Obermeister Stefan Fichtl wurde einstimmig in seinem Amt bestätigt – ein Zeichen für Kontinuität in Zeiten, in denen das Handwerk vor großen Herausforderungen steht. Auch Florian Sanktjohanser als stellvertretender Obermeister erhielt das Vertrauen der Mitglieder, was für ein starkes Team spricht. Zentrale Themen der Versammlung waren die Fachkräftesicherung und die Stärkung der betrieblichen Ausbildung. Der Fachkräftemangel ist schließlich ein drängendes Problem, das auch die Zimmerer-Innung nur zu gut kennt.

Besonders im Fokus standen qualifizierte Fachkräfte, wie Vorarbeiter und Poliere, denn hier droht ein zunehmender Engpass. Fichtl betonte, wie wichtig es ist, die praktische Erfahrung im Betrieb wertzuschätzen. Gleichzeitig gab es eine spannende Diskussion über den Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) auf organisatorische und planerische Aufgaben. Es ist ein Thema, das viele Handwerksbetriebe beschäftigt. Die handwerkliche Ausführung bleibt jedoch das zentrale Element, auch wenn KI den Arbeitsalltag unterstützen kann.

Fachkräftemangel und KI

Die Zahlen sind alarmierend: Rund 250.000 Fachkräfte fehlen in Deutschland im Handwerk, insbesondere im Bäckerhandwerk. Mario Schunk, ein Heizungsbauer, hat seit 2021 KI in seinen Betrieb integriert. Diese Technologie hilft ihm bei der Kundenkommunikation und Büroarbeit. Laut Schunk kann ein gutes Team, das mit KI zusammenarbeitet, das Zehnfache an Arbeit leisten. Doch die handwerklichen Tätigkeiten, wie der Einbau von Heizungen oder Wärmepumpen, bleiben nach wie vor in menschlicher Hand.

Christoph Krause vom Mittelstand-Digitalzentrum der Handwerkskammer Koblenz berichtet von steigendem Interesse an KI in Handwerksbetrieben. KI wird bereits in Büroarbeiten, der Erstellung von Angeboten und der Baustellendokumentation eingesetzt. Interessanterweise könnte die Technologie sogar dazu beitragen, die Lebensmittelverschwendung in Bäckereien um 5-10% zu reduzieren. Marco Grünewald, Betreiber von 30 Bäckereien, nutzt KI zur Produktionsplanung und Bedarfsberechnung. Ein echter Fortschritt, oder? Aber es gibt auch kritische Stimmen: Karen Joisten, Professorin für Ethik, warnt vor dem Verlust von Wissen, wenn KI überhandnimmt. Hier ist eine sorgfältige Abwägung gefragt.

Zukunft des Handwerks

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, äußert Bedenken, dass viele Betriebe den Trend zur KI verpasst haben. Die konjunkturelle Lage zwingt viele Handwerksunternehmen dazu, ihre Investitionen zu kürzen. Dabei könnte gerade der Einsatz von KI eine Chance sein, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Eine Umfrage zeigt, dass 68% der Abiturienten und 71% der Akademiker sich keine Sorgen um ihren Job machen, während bei Hauptschulabsolventen nur 37% und bei denen mit Mittlerer Reife 59% sicher sind, dass ihnen nichts passiert. Das Handwerk wird oft als sichere Alternative angesehen, da die Jobs dort weniger gefährdet sind.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Beschäftigten für den Umgang mit KI geschult werden. Helmut Dittke von IG Metall fordert klare Regelungen, um den Einsatz von KI im Handwerk zu steuern. Die Bedenken sind also vielfältig – und es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Doch eines ist sicher: Der Wert der praktischen Erfahrung und die handwerkliche Kunst sind unersetzlich.

Die Versammlung in Landsberg am Lech hat deutlich gemacht, dass das Handwerk ein zentraler Wirtschaftsfaktor bleibt – mit starken Betrieben und qualifiziertem Nachwuchs. Es ist eine spannende Zeit für die Branche, in der Tradition und Innovation Hand in Hand gehen müssen. Ein bisschen wie beim Zimmerer selbst: Holz und Werkzeug – ein perfektes Zusammenspiel.