In München brodelt es. Der TSV 1860 München, ein Verein mit einer langen und bewegten Geschichte, steht vor einem gewaltigen finanziellen Dilemma. Die Meldungen sind alarmierend: Der Verein hat keine Lizenz für die 3. Liga erhalten, weil die benötigte Summe von 2,7 Millionen Euro nicht bereitgestellt wurde. Investor Hasan Ismaik, der seit 2011 im Boot ist und über 80 Millionen Euro in den Klub gesteckt hat, kündigte am 21. Mai das Darlehen. Das ist ein echter Schlag ins Gesicht für alle Fans, die auf eine positive Wendung gehofft hatten.
Die Enttäuschung ist spürbar. Präsident Gernot Mang äußert sich bedrückt über die Nichteinhaltung der Zusagen, während Geschäftsführer Manfred Paula die Situation bedauert und auf eine Lösung hofft. Doch die Realität sieht düster aus: Der Verein muss in die Regionalliga absteigen, wie bereits 2017. Und das ist nicht alles – es ist unklar, ob Ismaik sogar eine Million Euro für die Regionalliga bereitstellt. Damit droht dem Traditionsverein die Insolvenz. Anstatt gegen Teams wie Schalke oder St. Pauli zu spielen, wird 1860 nun gegen Amateurmannschaften in Bayern antreten, darunter Buchbach, Vilzing und Aubstadt. Ein Derby gegen FC Bayern II steht zwar an, aber die Euphorie ist wohl eher gedämpft.
Kritische Stimmen und neue Vorschläge
Hasan Ismaik selbst äußert sich zu den Unruhen im Verein und räumt ein, dass die sportlichen Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprachen. Er hat bestehende Darlehen gekündigt, weil Verpflichtungen nicht eingehalten wurden. Doch anstatt die Flinte ins Korn zu werfen, schlägt er ein neues Finanzierungsmodell vor. Darin fordert er grundlegende Veränderungen im Verein, darunter ein klares Finanzkontrollsystem und professionelles Management. Das klingt alles nach einem Plan, der vielleicht fruchten könnte – wenn die Verantwortlichen bereit sind, mitzuziehen.
Ein weiterer Punkt, der für Aufregung sorgt, ist Ismaiks Forderung, dass der Verein auf sein Vorkaufsrecht verzichten soll, falls er seine Anteile verkauft. Das Präsidium des TSV 1860 München gibt Entwarnung bezüglich der Liquiditätsnachweise gegenüber dem DFB und erklärt, dass dies ein regelmäßiger Vorgang sei. Dennoch bleibt ein mulmiges Gefühl, dass die finanziellen Schwierigkeiten nicht einfach so aus der Welt geschafft werden können. Das Ganze wird nicht einfacher, wenn wir bedenken, dass die 3. Liga im deutschen Profi-Fußball zwar Zuschauerrekorde verzeichnet, aber auch mit finanziellen Herausforderungen kämpft.
Ein Blick auf die 3. Liga
In der Saison 2023/24 erzielte die 3. Liga einen Umsatz von knapp 292 Millionen Euro. Das ist ein Plus von über 24 Prozent im Vergleich zur Vorsaison, aber trotzdem – weniger als die Hälfte der Klubs konnte die Saison mit Gewinn abschließen. Die wirtschaftliche Stabilität der Liga ist durch verschiedene Faktoren gefährdet. Sponsoring ist die wichtigste Einnahmequelle, und einige Vereine sind sogar Partnerschaften mit Glücksspielanbietern eingegangen. Komplizierte Sponsoringbedingungen und eine instabile Wirtschaftslage tun ihr Übriges, um die Situation noch unsicherer zu machen.
Die durchschnittlichen Personalkosten eines Drittligisten liegen mittlerweile bei über fünf Millionen Euro und steigen weiter. Die Professionalisierung der Vereine bringt zusätzliche Ausgaben für Sicherheitsstandards und Stadionbeleuchtung mit sich. Klubs müssen also nicht nur sportlich, sondern auch finanziell auf der Höhe sein, um nicht in eine Schieflage zu geraten. Ein wirtschaftliches Überleben in der 3. Liga ist möglich, aber es erfordert solides Haushalten und Diversifizierung der Einnahmequellen – eine Herausforderung, die auch der TSV 1860 München annehmen muss.
