In Passau, einer Stadt, die für ihre malerische Altstadt und den Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz bekannt ist, gibt es einen ganz besonderen Anlass zu feiern. Der traditionsreiche Ritterorden zum Heiligen Georg, dessen Geschichte bis ins Jahr 1323 zurückreicht, wird in diesem Jahr 700 Jahre alt! Ein stolzes Alter für einen Orden, der als der älteste königlich gestiftete Ritterorden Europas gilt und den Namen des Heiligen Georg trägt. Der Orden hat sich im Laufe der Jahrhunderte nicht nur als traditionsreicher Verein bewährt, sondern auch als eine Gemeinschaft, die sich um die Förderung von Tugenden und karitativen Zwecken kümmert.
Ein besonders herausragendes Mitglied des Ordens ist Konrad Kobler, der mit seinen 83 Jahren eine beeindruckende Karriere hinter sich hat. 33 Jahre lang war er im bayerischen Landtag für die CSU aktiv und hat sich somit einen Namen in der politischen Landschaft Bayerns gemacht. Heute ist er der Prior der St.-Georgs-Ritterschaft in Passau, wo jährlich neue Ritter und Ritterdamen in den Orden aufgenommen werden. Einmal im Jahr wird in festlichem Rahmen gefeiert, wenn die neuen Mitglieder feierlich in die Gemeinschaft aufgenommen werden – ein Moment, der für viele eine große Ehre darstellt.
Die Bedeutung des Ordens
Das Besondere an diesem Ritterorden ist, dass die Neuaufnahmen nur in zwei europäischen Städten stattfinden: in Visegrád, dem Gründungsort, und in Passau. Es ist ein Zeichen für die tief verwurzelte Tradition und den historischen Charakter des Ordens, der über die Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Rolle gespielt hat. Die Mitglieder des Ordens, die durch strenge Kriterien ausgewählt werden, sind nicht nur Träger eines Titels, sondern auch Botschafter von Werten, die in der heutigen Zeit oft in den Hintergrund geraten. Um Mitglied zu werden, müssen die Kandidaten eine Adelsprobe vorweisen können und mindestens 25 Jahre alt sein. Eine echte Herausforderung!
Die Organisation des Georgsordens orientierte sich in ihrer Struktur an der des Malteserordens. An der Spitze steht der Großmeister, der traditionell aus dem Hause Wittelsbach stammt, und unterstützt wird er von Großprioren, die das Kommando über verschiedene Regionen haben. Im Laufe der Jahre wurden verschiedene Klassen und Zungen innerhalb des Ordens eingeführt, um der Vielfalt der Mitglieder gerecht zu werden. So gibt es beispielsweise eine fremde Klasse für Mitglieder mit nicht-deutschen Vorfahren. Das alles zeigt, wie flexibel und anpassungsfähig der Orden über die Jahrhunderte hinweg geblieben ist.
Tradition und Wandel
Der Georgsorden hat sich nicht nur den Herausforderungen der Geschichte gestellt, sondern auch seinen Platz in der modernen Welt gefunden. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie in Bayern blieb der Orden als karitative Vereinigung bestehen und engagiert sich weiterhin für wohltätige Zwecke. Auch heute noch, unter der Leitung des aktuellen Großmeisters Franz von Bayern, bleibt der Orden ein Ort der Zusammenkunft für Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen möchten. Es ist eine bemerkenswerte Mischung aus Tradition und zeitgenössischem Engagement.
Die jährlichen Kapitelversammlungen, die stets am 8. Dezember und am 24. April stattfinden, sind nicht nur formale Treffen, sondern auch ein Ort des Austauschs und der Planung für die Zukunft des Ordens. Einmal jährlich werden die neuen Mitglieder ernannt – eine feierliche Zeremonie, die für viele ein absoluter Höhepunkt im Kalender ist. Hier wird die Gemeinschaft lebendig, und der Geist des Ordens spürbar.