Ärztemangel in Brandenburg: Herausforderungen und Lösungen für die ländliche Versorgung
Heute ist der 11.07.2026 und wir blicken über die Grenze nach Deutschland, wo sich in Brandenburg eine besorgniserregende Situation im Gesundheitswesen entwickelt. Die ländlichen Regionen der Bundesländer kämpfen schon seit geraumer Zeit mit einem akuten Mangel an Allgemeinmedizinern. Rund 20% der Hausarztsitze sind dort unbesetzt. Ein Hausarzt versorgt im Durchschnitt 1.436 Patienten – das ist der höchste Wert in Deutschland. Zum Vergleich: In Bayern sind es nur 1.114 Patienten. Daher hat das Gesundheitsministerium mobile Hausarztpraxen ins Gespräch gebracht, um die medizinische Versorgung in strukturschwächeren Gebieten zu verbessern. Die Idee klingt vielversprechend, doch die Umsetzung birgt einige Herausforderungen.
Die mobile Versorgung könnte besonders in Regionen wie Jüterbog, Spremberg und Guben, wo die ärztliche Versorgung besonders schlecht ist, eine Lösung darstellen. Aber es gibt auch Hürden. Die Hygieneanforderungen und die gleichzeitige Behandlung mehrerer Patienten in diesen mobilen Praxen sind große Herausforderungen. Auch rechtliche Bedenken stehen im Raum. Die Landesärztekammer Brandenburg sieht Hürden, da die ärztliche Versorgung im Umherziehen laut Berufsordnung und Heilberufsgesetz nicht zulässig ist. Das Gesundheitsministerium hingegen sieht die Möglichkeit mobiler Praxen nicht als grundsätzlich unmöglich an.
Ärztemangel in Brandenburg
In einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Daniela Oeynhausen (AfD) wurde deutlich, dass in Brandenburg rund 320 Hausarztsitze aufgrund fehlender Nachfolger unbesetzt sind. Das Gesundheitsministerium warnt, dass bis Ende 2024 in 21 Städten eine hausärztliche Unterversorgung droht. Aber nicht nur bei Hausärzten gibt es Engpässe. Auch bei Fachärzten sind in mehreren Städten der Region Engpässe zu erwarten. Unterversorgung wird in Brandenburg als ein Versorgungsgrad unter 75% im hausärztlichen und unter 50% im fachärztlichen Bereich definiert.
Interessanterweise gibt es in einigen Regionen Brandenburgs auch eine 140-prozentige Überversorgung bei bestimmten Facharztgruppen. In Barnim und Dahme-Spreewald beispielsweise gibt es zu viele Frauen- und Kinderärzte. Gleichzeitig fehlt es an Hautärzten in neun Städten, an Frauenärzten in fünf Städten und an Kinder- und HNO-Ärzten in jeweils vier Städten. So ist die Situation zwar regional unterschiedlich, aber insgesamt bleibt der Ärztemangel ein drängendes Problem, insbesondere in ländlichen Gebieten.
Der Weg zu Lösungen
Der BSW-Abgeordnete Sven Hornauf fordert dringend Lösungen, um die medizinische Grundversorgung in den betroffenen Regionen sicherzustellen. Eine vielversprechende Alternative könnten der Ausbau von Praxen in Gemeinderäumen sein, um eine verlässliche ärztliche Versorgung zu gewährleisten. Der Trend zur Teilzeitbeschäftigung und die steigende Bürokratisierung beanspruchen zudem viel von der Arbeitszeit der Ärzte, was die Situation weiter kompliziert.
Eine interessante Perspektive bietet die Altersstruktur der Zahnärzte in Brandenburg. Rund 420 von ihnen sind älter als 60 Jahre, und bis 2030 wird geschätzt, dass etwa 470 Zahnärzte ihre Tätigkeit aufgeben werden. Das Durchschnittsalter der rund 1.270 Vertragszahnärzte liegt bei 53,9 Jahren. Während die Situation bei Zahnärzten derzeit keine akute Unterversorgung zeigt, könnten die Herausforderungen aufgrund der Altersstruktur in naher Zukunft zunehmen.
Wie sich die gesundheitliche Versorgung in Brandenburg weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die mobile Arztpraxis könnte eine Lösung sein, doch die rechtlichen und praktischen Hürden sind nicht zu unterschätzen. Es bleibt spannend zu beobachten, welche Maßnahmen ergriffen werden, um den Ärztemangel in den Griff zu bekommen.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel von n-tv und auf Ärzteblatt.
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