Heute ist der 22. Mai 2026 und die Situation am Wassertorplatz in Kreuzberg ist alles andere als rosig. Fast 100 von rund 300 Wohnungen stehen leer, und das in einem Stadtteil, der sonst als lebendig und bunt gilt. Die betroffenen Gebäude, insbesondere in der Wassertorstraße 65 und 10 sowie in der Bergfriedstraße 11 bis 19, sind verwahrlost und ungesichert. Diese Umstände ziehen ungebetene Gäste an – darunter wohnungslose Menschen, die in die ungeschützten Gebäude eindringen. Die Anwohnerinnen fühlen sich von der Gewobag, dem Eigentümer, und der Politik im Stich gelassen. Es ist eine frustrierende Situation, die viele Menschen in diesem Viertel betrifft.

Die Bewohnerinnen haben sich selbst organisiert, um gegenseitige Unterstützung zu bieten. Ein Netzwerk von über 100 Mitgliedern koordiniert nächtliche Rundgänge und dokumentiert Schäden. Sie machen auf die katastrophalen Zustände aufmerksam, die sich im Viertel verschlechtert haben. Der Wassertorplatz hat sich zu einem Rückzugsort für die Drogenszene entwickelt. Die Grünanlage, die vielleicht einmal ein schöner Ort zum Entspannen war, ist jetzt von Spritzen und Konsumbesteck verunreinigt. Treppenhäuser sind verwahrlost, mit Fäkalspuren und Blut. Die permanente Unsicherheit, in der die Anwohnerinnen leben, ist bedrückend.

Die Reaktion der Gewobag und der Politik

In der Hoffnung auf Besserung haben viele Mieterinnen Gewobag zu einem Termin eingeladen, der jedoch nicht wahrgenommen wurde. Gewobag rechtfertigt den Leerstand mit geplanten Sanierungsmaßnahmen, die angeblich Ende Q2 2026 beginnen sollen. Doch die Skepsis wächst: „Wer glaubt schon noch an die Umsetzung dieser Versprechen?“ fragen sich viele. Die Anwohnerinnen berichten von späten oder gar fehlenden Antworten auf ihre Anfragen. Ein Sicherheitsdienst wurde erst nach Medienberichten eingesetzt – ein Zeichen dafür, dass die Situation lange ignoriert wurde.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat den erhöhten Leerstand inzwischen bestätigt und genehmigt, dass dieser bis zum 31. Juli 2026 bestehen bleiben darf. Diese Intransparenz führt zu Verärgerung und dem Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Bundestagsabgeordneter Pascal Meiser hat die Situation als Großraumproblem kritisiert und fordert Maßnahmen zur Verbesserung. Er schlägt vor, die Sucht- und Obdachlosenhilfe auszubauen und die Wohnungsaufsicht zu stärken. Die Berliner Linksfraktion plant, den Fall auf Senatsebene anzusprechen und den Eigentümer stärker in die Pflicht zu nehmen.

Der große Wohnraummangel in Deutschland

Kreuzberg ist nicht allein mit diesem Problem. Deutschlandweit fehlen rund 550.000 Wohnungen, und die Mieten haben in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Zwischen 2010 und 2022 sind die Mieten um fast 70 % gestiegen. In Berlin leben 52 % der Menschen zur Miete, was im Vergleich zu anderen Ländern wie Frankreich (33 %) oder Spanien (25 %) beachtlich hoch ist. Der Wohnraummangel wird durch steigende Zinsen, hohe Baukosten und langwierige Genehmigungsverfahren verschärft. Die Bundesregierung hat das Ziel, jährlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen, aber im Jahr 2023 wurden nur 294.400 realisiert.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Bewohnerinnen am Wassertorplatz sind in einer Warteschleife gefangen – zwischen Hoffnung auf Besserung und der bitteren Realität des Leerstands. Die Unsicherheit und Ungewissheit, die sie empfinden, spiegelt die gesamtgesellschaftliche Herausforderung wider. Es ist eine komplexe Lage, die nicht nur in Kreuzberg, sondern in vielen Städten Deutschlands zu spüren ist. Der große Wohnraummangel hat die Menschen in eine verzweifelte Lage gebracht, und die Fragen nach Lösungen stehen weiterhin im Raum. Irgendwie stehen sie alle da, mit der Sehnsucht nach einem Zuhause.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Artikeln von nd-aktuell und Mein Berlin sowie in der BPtB.