Am 23. Juni 1996 war ein denkwürdiger Tag im Berliner Olympiastadion, als Papst Johannes Paul II. die Seligsprechung von Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg feierte. Der Ort – historisch belastet durch das nationalsozialistische Regime – wurde an diesem Tag zum Zeichen der Hoffnung und des Glaubens. Der Autor, der mit Begeisterung an der Feier teilnahm, konnte die feierliche Atmosphäre und die tiefen Emotionen spüren, die in der Luft lagen. Dies stellte eine Gnadenstunde für die Kirche von Berlin, Münster und das gesamte deutsche Volk dar, wie der Papst in seiner Predigt betonte.

Beide Männer, die an diesem Tag seliggesprochen wurden, hatten ein bewegtes Leben geführt. Karl Leisner, geboren 1915 in Rees und aufgewachsen in Kleve, war ein leidenschaftlicher Jugendlicher, der sich der Jugendbewegung anschloss. Seine Tagebücher und Chroniken wurden 1937 von der Gestapo beschlagnahmt, weil er einen Gegenentwurf zur Hitlerjugend entwickelte. 1939 wurde er verhaftet und landete schließlich im Konzentrationslager Sachsenhausen und später Dachau. Dort empfing er am dritten Advent 1944 die Priesterweihe und feierte am 2. Weihnachtstag seine erste und letzte Heilige Messe. Leisner starb am 12. August 1945, gut dreieinhalb Monate nach der Befreiung des KZ.

Das Leben von Bernhard Lichtenberg

Bernhard Lichtenberg, geboren 1875 in Ohlau und im Jahr 1899 zum Priester geweiht, war ein mutiger Geist. Zuletzt als Dompropst der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin tätig, protestierte er lautstark gegen die Brandanschläge auf Synagogen während der Reichspogromnacht. Sein Mitgefühl für die verfolgten Juden und „Nichtarier“ war unerschütterlich – er betete täglich für sie. Doch sein mutiges Verhalten brachte ihn in Schwierigkeiten; zwei Studentinnen denunzierten ihn, was zu einer zweijährigen Haftstrafe führte. Lichtenberg sollte ins KZ Dachau verschleppt werden, starb jedoch am 5. November 1943 auf dem Transport in Hof.

In seiner Predigt hob Papst Johannes Paul II. hervor, dass die Seligsprechung an einem Ort stattfand, der zuvor von den Nationalsozialisten für ihre Ideologie missbraucht wurde. Die zentrale Botschaft – „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können“ – (Mt 10, 28) – hallte durch das Stadion. Johannes Paul II. erinnerte an das Martyrium der beiden Seligen, die in Zeiten des Terrors ihren Glauben lebten und für Christus eintraten. Lichtenberg und Leisner waren Vorbilder für alle Gläubigen, die in schwierigen Zeiten für die Wahrheit und das Leben eintreten müssen.

Ein Zeichen der Hoffnung

Besonders berührend war der Aufruf zur Treue, den der Papst an die Anwesenden richtete. In einer Zeit, in der Religionsfreiheit oft unter Druck steht, ist es wichtig, den Glauben in der Gesellschaft zu leben und zu schützen. Die Seligsprechung stellte nicht nur ein Bekenntnis zu den Prinzipien des Glaubens dar, sondern auch ein Zeichen der Aussöhnung – sowohl zwischen Deutschen und Polen als auch innerhalb der Gesellschaft. Johannes Paul II. segnete die Anwesenden und empfahl sie der Fürsprache Mariens, was die Bedeutung des Ereignisses noch verstärkte.

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Ein solcher Tag bleibt im Gedächtnis haften. Die Geschichten von Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg sind nicht nur in der Geschichte verankert, sie leben in den Erinnerungen der Menschen weiter. Ihre Botschaft von Glauben und Standhaftigkeit ist auch heute noch relevant. Was für ein bewegender Tag, der in die Annalen der Kirchen- und Zeitgeschichte eingeht. Es ist kaum zu fassen, wie stark der Glaube auch in den dunkelsten Zeiten sein kann. Wenn man darüber nachdenkt, wird einem klar: Der Glaube kann Berge versetzen – und Menschen bewahren.

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